Auenpark

Er kostete 7 Millionen: Ist der Aare-Seitenarm eine Fehlkonstruktion?

Steinwüste statt Naturparadies

Steinwüste statt Naturparadies

Seit 2 Jahren ist der Seitenarm der Aare fertig. Dieser erfüllt aber nicht die gewünschte Aufgabe. Das Wasser fliesst nicht richtig und somit wird es mehr zur Falle als zum Paradies für Fische. Der Projektleiter bestreitet jedoch eine Fehlkonstruktion.

Der Aare-Seitenarm bei Auenstein, der vor 2 Jahren fertig gestellt wurde, führte zu wenig Wasser für die Fische. Und Verbesserungen seien nötig. Diese Forderung kommt aus Politik und Fischerkreisen.

7 Millionen Franken hat sich der Kanton Aargau den neuen Aare-Seitenarm im Auenpark unterhalb des Kraftwerks Rupperswil-Auenstein kosten lassen. Auch für den langjährigen früheren EVP-Grossrat Sämi Richner aus Auenstein eine gute Sache. Nur: Das Werk funktioniere nicht, wie es sollte. Um das zu zeigen, lud eine Gruppe um Richner, Grossrätin Esther Gebhard-Schöni und Fischereiaufseher Peter Tschudi zum Ortstermin.

Ihre Sorge: Die Aare gilt in diesem Abschnitt als nationales Äschengewässer. Im Januar ist der Nebenarm aber fast trocken. Wenn die gefährdete Äsche ab Dezember hier laicht, besteht die Gefahr, dass sie sich beim Sinken des Wasserspiegels in einer Fischfalle gefangen findet und der Laich vertrocknet.

Für sie ist der neue Nebenarm noch nicht fertiggebaut: (v.l.) Sämi Richner, Esther Gebhard-Schöni und Peter Tschudi.

Für sie ist der neue Nebenarm noch nicht fertiggebaut: (v.l.) Sämi Richner, Esther Gebhard-Schöni und Peter Tschudi.

Im Sommer, zwischen Mai und August, beträgt die Restwassermenge, die das Kraftwerk die Alte Aare hinunter fliessen lässt, 25 Kubikmeter pro Sekunde. Ein Drittel davon fliesst gemäss den Absichten des Wasserbauingenieurs in den neuen Nebenarm. Zumindest theoretisch. Selbst jetzt, stellt Peter Tschudi vor Ort fest, werde die vorgesehene Wassertiefe von 50 Zentimeter nicht erreicht. Zwischen November und Februar beträgt die Restwassermenge nur 15 Kubikmeter pro Sekunde. Im Winter ist der Pegel deshalb noch weiter von der 50-Zentimeter-Marke entfernt. Die Axpo, so Tschudi weiter, sehe jedoch kein Problem darin, die Abflussmenge auch im Winter auf 25 Kubikmeter pro Sekunde anzuheben.

Blickt man von der Brücke über die Alte Aare flussabwärts, sieht das Ganze gar nicht so schlecht aus. Richner führt das darauf zurück, dass ein kleiner Damm seit ein paar Wochen das Wasser auf Höhe der Schwallwasseralarm-Sirene leicht staut. Den habe nicht das Hochwasser errichtet, sagt Richner. Und fügt mit einem verschmitzten Lachen bei: «Eher eine Stelle des Kantons – damits besser aussieht.» Dumm nur: Sollten sich tatsächlich Fische unterhalb dieser Stelle befinden, versperrt ihnen die kleine Barriere nun den Weg flussaufwärts.

Was tun? – Esther Gebhard-Schöni hat im Januar eine Interpellation eingereicht. Der Regierungsrat verneinte einen Handlungsbedarf. Es seien keine offensichtlichen Mängel am Bauwerk festgestellt worden. Die Interpellantin liebäugelt daher mit einem neuen Vorstoss. Bei diesem wird es sich bestimmt nicht mehr bloss um eine Interpellation handeln. Zuerst will die EVP-Grossrätin aus Möriken-Wildegg aber mit Regierungsrat Stephan Attiger das Gespräch suchen.

«Garantie- oder Folgearbeiten»

Sie bleibt bei ihrer Forderung: Die Öffentlichkeit müsse erhalten, was ihr versprochen worden sei. «Es sind Garantie- oder Folgearbeiten nötig.» Sie und Tschudi denken an den Einbau einer Blockrampe im obersten Teil des Nebenarms. Es sei wichtig, dass sich der Fluss, an den Steinblöcken vorbei, einen Weg suchen müsse, betont Tschudi. Von der Brücke aus erklärt Richner, dass bei der Verzweigung eine Sandbank weggebaggert werden muss. Ein Teil des zunächst geradeaus auf den Nebenarm zufliessenden Wassers wird nämlich von einem Hindernis unter der Oberfläche in Richtung Hauptarm der Aare abgetrieben. «Fischtechnisch» gesehen, merkt Peter Tschudi an, sollten solche Ausbesserungsarbeiten im November erfolgen.»

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