Alterszentrum Suhrhard
«Er lebt vor, was vielen Zeitgenossen fehlt»: 100-jähriger Buchser leitet die Turnstunde

In seinem Leben ist Charly Waeber viel umgezogen – einen Verein suchte er immer. Jetzt turnt er im Alterszentrum Suhrhard. Dass Waeber im Alter noch so fit ist, führt er auch auf die gute Küche seiner Frau zurück.

Nadja Rohner
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Charly Waeber am Barren des Alterszentrums.

Charly Waeber am Barren des Alterszentrums.

zvg/Silvia Beyeler

Am Freitag feierte ein ganz besonderer Buchser Geburtstag: Charly Waeber wird 100 Jahre alt. Dass man so ein hohes Alter erreicht, kommt zwar heutzutage nicht mehr ganz so selten vor. Aber Charly Waeber ist bei beeindruckender Gesundheit – und leitet die Gymnastikstunden im Alterszentrum Suhrhard. Dort wohnt er seit 2003 in einer Wohnung der Alterssiedlung, gleich beim Wald, wo er gerne spazieren geht. Das sportliche Engagement kommt nicht von ungefähr: Schon sein ganzes Leben lang ist Waeber, mittlerweile Ehrenmitglied bei der Männerriege Buchs, ein begeisterter Turner. Die Männerriege hat ihn zum Geburtstag überrascht:

Eine kleine Delegation der Männerriege Buchs überraschte den Jubilar an seinem Geburtstag

Eine kleine Delegation der Männerriege Buchs überraschte den Jubilar an seinem Geburtstag

S.Beyeler

Turnte an fast allen Geräten

Charly Waeber ist im Kanton Zürich aufgewachsen. «1937 durfte ich das erste Mal zum Turnen – beim TV Brüttisellen», erinnert er sich. 1939 trat er dem TV Dietlikon bei; und er führte den TV Opfikon und Glattbrugg als Oberturner ans Eidgenössische Turnfest in Lausanne. «Ich habe seit 1947 praktisch alle Eidgenössischen Turnfeste miterlebt. Auch 2019 in Aarau war ich als Zuschauer dabei. Ich wollte den Dietlikern zuschauen, denn da bin ich auch Ehrenmitglied. Sie haben gut abgeschnitten.» Er spielte Faustball und turnte als Sektionsturner an fast allen Geräten, vor allem aber am Reck und am Barren.

Seit 1970 macht er jeden Morgen dasselbe

In seinem Leben ist Charly Waeber viel umgezogen. Aber wo immer er war, suchte er sich einen Verein. So war er zum Beispiel auch im Stadtturnverein Basel. Nur einmal musste er für vier Jahre pausieren, weil er sich auf die Schlossermeisterprüfung vorbereitete. Diesen Beruf übte er bis zur Pensionierung aus; unter anderem bei Griesemer in Lenzburg und Markstaller in Buchs. Wie fast alle Schlosser habe er Rückenbeschwerden entwickelt, und seit ihm im Spital Gymnastikübungen dagegen gezeigt worden waren, mache er diese jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen – seit 50 Jahren.

1961 trat er der Buchser Männerriege bei. Und es gefiel ihm so gut, dass er blieb, auch wenn er zwischenzeitlich in Aarau und ihn Muhen wohnte. «Dann, 1987, merkte ich, dass ich mit den Jungen nicht mehr mithalten kann. Also habe ich Kurse besucht und anschliessend 1988 das Seniorenturnen der Männerriege eingeführt. Das gibt es heute noch.» Kein Wunder, hat die Männerriege Charly Waeber zum Ehrenmitglied gemacht. «Er lebt wirklich vor, was vielen unseren Zeitgenossen fehlt – Bewegung», sagt Vereinspräsident Gusti Ballmer.

«Einfache Übungen, um die Gelenke zu bewegen»

Über Jahreszahlen muss Charly Waeber im Gespräch mit der AZ keine Sekunde nachdenken, er ist auch geistig topfit. Seit 2003 wohnt der Buchser in der Alterssiedlung neben dem Alterszentrum. Als er dort aus Neugierde einmal an der angebotenen Morgengymnastik teilnahm, fand er, man mache da «schüüli wenig». Also nahm er die Sache selber in die Hand: Jeden Freitagmorgen – mit Ausnahme von seinem Geburtstag – leitet er um 9.45 Uhr eine offene Turnstunde für die Bewohner. «Einfache Übungen, um die Gelenke zu bewegen», präzisiert Waeber.

Er haushaltet noch selbstständig

Wie bleibt man bis in dieses hohe Alter so gut «zwäg»? «Der Sport hat da sicher eine wichtige Rolle gespielt», sagt Waeber, der regelmässige sportliche Betätigung allen Senioren ans Herz legen möchte. «Aber ich hatte auch eine sehr gute Frau, die richtig gekocht und zu uns geschaut hat.»

Seit seine Ehefrau 2019 gestorben ist – mit fast 102 Jahren – kocht Charly Waeber selber («etwas dilettantisch») oder isst drüben im Alterszentrum. Eine Putzfrau kommt alle zwei Wochen, ansonsten haushaltet er noch selbstständig. Er hat zwei Söhne («die sind aber keine Turner geworden») und vier Enkelkinder.