Aarau
Erneut 65 Einsprachen bei der Keba: Jetzt nehmen Stadtpräsident Hilfiker und der Bau-Gemeinderat von Suhr Stellung

Der Aarauer Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker und der Suhrer Bau-Gemeinderat Thomas Baumann sprechen im Interview über die unendliche Geschichte der Keba.

Nadja Rohner, Urs Helbling
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Für die Standortgemeinde Suhr nimmt Bau-Gemeinderat Thomas Baumann und für die Keba-Betreiber Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker Stellung.

Für die Standortgemeinde Suhr nimmt Bau-Gemeinderat Thomas Baumann und für die Keba-Betreiber Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker Stellung.

Bildquellen: Mario Heller, Ueli Wild, zVg

Im Februar 2017 musste die Kunsteisbahn Aarau (Keba) ihren Betrieb mangels rechtsgültiger Bewilligung Knall auf Fall einschränken. Auch jetzt noch fehlt eine definitive Bewilligung. Für die Standortgemeinde Suhr nimmt Bau-Gemeinderat Thomas Baumann und für die Keba-Betreiber Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker Stellung.

Es lagen drei Baugesuche auf: Ein nachträgliches für die Lüftungsanlagen der Keba, die im ursprünglichen Baugesuch an einer anderen Stelle eingezeichnet worden waren, sowie je eines für die definitiven Betriebszeiten der Keba und der Fussball-Trainingsfelder. Wie viele Einsprachen sind eingegangen?

Thomas Baumann: 65. 24 betreffen die Fussballfelder, 23 die Keba-Betriebszeiten und 18 die Lüftungsanlagen. Es hat aber einige Sammeleinsprachen und solche mit gleichem Wortlaut darunter.

Haben Sie mit so vielen gerechnet?

Baumann: Die Emotionen haben sich aufgeladen und, wie sich nun zeigt, auch nicht gelegt. Es besteht immer ein gewisses Konfliktpotenzial, wenn eine Zone für öffentliche Bauten – mit Sportanlagen – direkt neben einer Wohnzone liegt. Auf der einen Seite ist die Empfindlichkeit der Anwohner gegenüber Lärm gestiegen, auf der anderen Seite wollen wir Supersportler, die an der WM gegen Brasilien ein 1:1 machen – und das bedingt eine intensivere Nutzung der Sportanlagen.

Hanspeter Hilfiker: Es ist ja keine neue Nutzung, sie besteht seit Jahrzehnten. Und der Keba-Betrieb ist dank dem Umbau mit den Verbesserungen punkto Lärmschutz sicher leiser als früher. Wir haben in die ganze Anlage 20 Mio. investiert und in jeder Hinsicht eine Verbesserung gegenüber dem Bisherigen erreicht.

Seit 2017 besteht eine 15-köpfige Begleitgruppe aus Anwohnern, Quartierverein, Sportvereinen, Platzgenossenschaft sowie Behörden aus Suhr und Aarau. Was haben die Gespräche gebracht?

Baumann: Man sitzt sich an einem Tisch gegenüber und redet miteinander, statt via Flugblätter und Briefe zu kommunizieren – das ist schon mal ein grosser Fortschritt und in verschiedenen Bereichen hat uns das weitergebracht. Leider hat die Begleitgruppe keine Beschlusskompetenz, Anregungen müssen immer an die Eigentümer, Betreiber oder Gremien weitergegeben werden und kommen dann wieder zurück.

Hilfiker: Ziel war unter anderem, dass wir über diese Begleitgruppe einen Konsens erzielen bezüglich des weiteren Vorgehens. Damit das Lärmgutachten, das für die Gesamtanlage erstellt wurde – Keba, Trainingsfelder und Stadion –, von allen Seiten akzeptiert wird.

Impressionen von Keba Aarau (V3)
21 Bilder
Die renovierte Halle der Kunsteisbahn Aarau.
Kinder auf dem gedeckten Aussenfeld.
Impressionen aus der Kunsteisbahn (Keba) Aarau (Aussen-Eislaufeld).
Impressionen aus der Kunsteisbahn (Keba) Aarau.
Impressionen aus der Kunsteisbahn (Keba) Aarau.
Impressionen aus der Kunsteisbahn (Keba) Aarau (Aussen-Eislaufeld).
Impressionen aus der Kunsteisbahn (Keba) Aarau (Aussen-Eislaufeld).
Impressionen aus der Kunsteisbahn (Keba) Aarau.
Impressionen aus der Kunsteisbahn (Keba) Aarau (Aussen-Eislaufeld).
Die Fussballplätze vor dem Keba-Komplex im Aarauer Brügglifeld.
Impressionen von den Fussballplätzen, die zum Keba-Komplex gehören.
Impressionen von den Fussballplätzen, die zum Keba-Komplex gehören.
Impressionen von den Fussballplätzen, die zum Keba-Komplex gehören.
Impressionen von den Fussballplätzen, die zum Keba-Komplex gehören.
Impressionen aus der Kunsteisbahn (Keba) Aarau.
Impressionen aus der Kunsteisbahn (Keba) Aarau.
Impressionen aus der Kunsteisbahn (Keba) Aarau.
Impressionen aus der Kunsteisbahn (Keba) Aarau (Aussen-Eislaufeld).
Impressionen aus der Kunsteisbahn (Keba) Aarau (Aussen-Eislaufeld).
Impressionen aus der Kunsteisbahn (Keba) Aarau (Aussen-Eislaufeld).

Impressionen von Keba Aarau (V3)

Dem scheint nicht so zu sein. Einsprecher kritisieren beispielsweise, dass die Lärmmessungen für das Gutachten nicht korrekt durchgeführt wurden.

Hilfiker: Wir gehen davon aus, dass es stimmt. Es wäre wichtig, dass man dieses Gutachten, das mit viel Aufwand erstellt wurde, und die Erkenntnisse daraus annimmt. Es ist die Basis für die neuen Betriebszeiten – dieselben wie vorher.

Baumann: Natürlich nehmen wir die Einwendungen ernst und überprüfen sie.

Schauen wir die einzelnen Lärmquellen an. Da wäre zum Beispiel der FC Aarau, der eine gewisse Rücksichtslosigkeit an den Tag legt. Zum Beispiel, indem Trainings nicht um 12 Uhr enden wie abgemacht oder einfach am Sonntagnachmittag statt am Vormittag trainiert wird.

Baumann: Es ist uns bekannt, dass in einzelnen Fällen die Abmachungen klar überschritten werden. Das tolerieren wir nicht, und wir haben das dem FC Aarau entsprechend mitgeteilt.

Aber haben diese Übertretungen Konsequenzen?

Baumann: Der FC Aarau schadet sich am meisten selber, wenn er sich nicht an die Vorgaben hält.

Vor allem, falls das Stadion im Torfeld Süd nicht kommt und man das Brügglifeld aufrüsten muss – dafür bräuchte es wieder ein Baugesuch mit allfälligen Rechtsverfahren ...

Hilfiker: Wenn das neue Stadion nicht kommt, ist Schluss mit Spitzenfussball. Eine Nachrüstung des Stadions Brügglifeld ist aktuell kein Thema.

Eine andere Lärmquelle ist der Rasenmäher. Warum kauft man nicht einfach leise Rasenmäherroboter?

Hilfiker: Solche testen wir seit Mai beim Rohrer Fussballplatz Winkel und sind gespannt auf die Erkenntnisse. Aber man muss bedenken: Der FC Rohr spielt in einer anderen Liga als der FC Aarau, entsprechend gelten andere Standards bei der Rasenpflege. Kommt hinzu: Für die Geräte im Brügglifeld ist die Platzgenossenschaft zuständig.

Baumann: Diese muss sich nach der Lärmschutzverordnung richten. Technische Neuerungen muss die Platzgenossenschaft gemäss dem Vorsorgeprinzip einsetzen, wenn sie wirtschaftlich tragbar und sinnvoll sind. Darüber hinaus kann man sie nicht zur Anschaffung von Rasenmäherrobotern verpflichten – die Platzgenossenschaft müsste den Anwohnern also von sich aus entgegenkommen.

Hilfiker: Diese Roboter brauchen mehrere Stunden, um den ganzen Platz zu mähen. Ich weiss nicht, ob die Anwohner zufrieden wären, wenn so einer die ganze Nacht surrt. Im Moment sind von Montag bis Freitag Zeitfenster für den Rasenunterhalt definiert – tagsüber.

Der Verkehr war auch Thema ...

Baumann: Wir haben während der Fussballmatches auf Suhrer Gemeindegebiet ein neues Verkehrsregime eingeführt, damit die Parkplatzzuweisung in geordneten Bahnen verläuft. Das Quartier wird währenddessen gesperrt, Hilfskräfte organisieren die Parkierung. Das hat sich sehr bewährt. Obwohl nicht alle Anwohner glücklich sind, dass sie dann 200 Meter weiter fahren müssen.

Die Anwohner wollen zudem, dass auch das dritte Trainingsfeld eingezäunt wird und nur mit Schlüssel zugänglich ist.

Baumann: Das wird demnächst erledigt. Noch offen ist, wie die Kinder des Aarauerfelds, die dort spielen dürfen, unkompliziert an den Schlüssel gelangen können.

Hilfiker: Es gibt übrigens auch wieder Stimmen, die fordern, die Plätze müssten permanent für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Die Fussballfelder stehen aber primär dem FC Aarau zur Verfügung.

Nun wird es Einwenderverhandlungen geben, noch dieses Jahr will der Gemeinderat über die Einsprachen entscheiden. Danach steht den Einsprechern der Weg bis zum Bundesgericht offen. Ein Problem für den Betrieb?

Hilfiker: Die provisorische Betriebsbewilligung gilt grundsätzlich für drei Jahre. Aber diese Frist wird stillstehen, wenn die definitive Bewilligung durch Rechtsverfahren verzögert wird. Die Nutzung der Keba und der Trainingsplätze ist also für die nächsten Saisons sichergestellt. Ein Rechtsverfahren hätte keine negative Auswirkung darauf.

Der Lüftungs-Monoblock über dem Keba-Eingang ist ein Streitpunkt. Längst wollte man ihn einhausen.

Baumann: Die Einhausung ist bewilligt, der Standort der Lüftung allerdings Gegenstand des laufenden Verfahrens. Weil es sich um eine betriebsnotwendige Anlage handelt, darf die Lüftung trotzdem laufen. Die Einhausung wird demnächst gebaut, danach sollte kein messbarer Lärm mehr von der Lüftung ausgehen.

Zum Schluss: Wann wird eigentlich die Keba-Bauabrechnung präsentiert?

Hilfiker: Wohl nicht mehr dieses Jahr. Wir warten unter anderem noch auf die Behebung der Baumängel durch die Totalunternehmerin Priora.

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