«Am liebsten ist es mir, wenn es mich gar nicht braucht.» Das sagte Christian Biedermann, Turnierleiter und Schiedsrichter, als er die 80 Teilnehmer zur ersten Ausscheidungsrunde für den AZ-Jasskönig begrüsste. In der «Traube» in Küttigen trafen sich die Jasserinnen und Jasser zuerst zum Apéro, genossen ein feines Nachtessen und griffen danach zu den Karten.

Das tut auch Biedermann gerne, bei der Eventagentur Zeisch in Reinach BL, die Partner des AZ-Jasskönigs 2019 ist, werde auch über Mittag oder nach Arbeitsende gejasst, sagt er. «Aber bei einem Jassturnier ist es immer am besten, wenn der Schiedsrichter nichts zu tun hat.»

Natürlich sei er verantwortlich für die Auswertung und die Schlussrangliste, doch während dem Spiel komme es sehr selten vor, dass er gebraucht werde. «Die meisten Teilnehmer hier sind sehr gute Jasser, da gibt es kaum Diskussionen über Regeln, und wenn doch etwas unklar ist oder ein Fehler passiert, regeln das die Leute am Tisch selber», sagt Biedermann.

Kartenglück kann entscheiden

Er sollte Recht behalten mit seiner Einschätzung, das zeigte sich im Verlauf des Abends. Fragen zu den Regeln gab es vor der ersten Runde keine, Streitfälle während des Turniers auch nicht. So war Biedermann nicht als Schiedsrichter gefragt, sondern konnte sich darauf beschränken, die Regeln des Einzelschiebers zu erklären und ein paar Tipps zu geben.

So mahnte er die Teilnehmer, am Anfang die Karten gut zu mischen, weil diese neu und im Päckli sortiert seien. Und er rief sie auf, sich mit Rücksicht auf jene Jasser, die ihre Runde noch nicht beendet hätten, möglichst leise zu verhalten.

«Für die meisten Teilnehmer ist das aber sowieso selbstverständlich, wer an einem Turnier mitmacht, will auch gewinnen, viele hier sind sehr versierte Jasser», sagt Biedermann. Dennoch spiele bei aller Erfahrung und bei allem Können der Teilnehmer beim AZ-Jasskönig das Kartenglück eine beträchtliche Rolle. «Wer den ganzen Abend über gute Karten hat und zudem mit den zugelosten Partnern harmoniert, hat eindeutig die besseren Chancen als jemand, der zwar ein guter Jasser ist, aber ein schlechtes Blatt hat und ein Gegenüber am Tisch hat, mit dem es nicht funktioniert», erklärt er.

Zwar versuche man mit den Regeln – beim AZ-Jasskönig zählt jede Trumpffarbe sowie Obenabe und Undenufe einfach, man darf weder die Stöcke schreiben noch weisen – die Faktoren Zufall und Glück möglichst zu minimieren. «Dennoch würde ich sagen, dass beim Resultat zu etwa 60 Prozent das Kartenglück und zu etwa 40 Prozent das Können der Jasser entscheiden», gibt Biedermann eine Einschätzung ab.

Ausserdem könne ein einziger misslungener Durchgang schon das Aus bedeuten. «Wenn man eine 700er-Runde macht, ist man praktisch schon aus dem Rennen um die ersten zehn Plätze». Um sich für das Finalturnier zu qualifizieren, sind in jeder der drei Runden gegen 1000 Punkte notwendig. Zusammengezählt werden diese am Tisch traditionell von Hand, der Turnierleiter verwendet hingegen ein Programm, das ein Kollege extra für Jassturniere geschrieben hat.

«Das ist und zuverlässig und schnell, die Leute wollen am Ende rasch wissen, wer weiterkommt», sagt Biedermann. Tatsächlich dauerte es bei der ersten Runde des AZ-Jasskönigs nur ein paar Minuten, ehe die zehn Qualifizierten (siehe nachfolgende Tabelle) feststanden.

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