Tourismus

Ferien in Aarau: ein temporärer Campingplatz für diesen speziellen Sommer?

Tourismus Aarau ist auf der Suche nach Campingplätzen, die länger funktionieren als ein, zwei Wochenenden. (Archivbild)

Tourismus Aarau ist auf der Suche nach Campingplätzen, die länger funktionieren als ein, zwei Wochenenden. (Archivbild)

Das Tourismusbüro aarau info will mehr Touristen eine Übernachtungsmöglichkeit anbieten können. Doch im Schachen geht das nicht.

Ferien in der Schweiz – nie war die Nachfrage grösser. Nie werden mehr Schweizer mit Wohnwagen, Campingbussen, Velos oder zu Fuss unterwegs sein, als in diesem Sommer. Und all diese Reisenden werden abends irgendwo ihre Zelte aufschlagen, ihre Fahrzeuge abstellen wollen.

Für touristisch eher unbekannte Regionen und kleine Städte ist das eine grosse Chance. Auch für Aarau. Doch die Stadt hat ein Manko: Es fehlt an günstigen Übernachtungsmöglichkeiten in der Währung einer Jugendherberge oder eines Zelt- oder Campingplatzes.

«Die meisten Zeltler fahren weiter»

Ein Problem, das schon lange erkannt ist und immer wieder für Diskussionen sorgt; mitunter auch im Einwohnerrat (letztmals 2017). Insbesondere Velofahrer, die der Aare-Route folgen, würden gerne hier übernachten, sagt Corinne Gubler vom Tourismusbüro aarau info. «Viele stranden mit ihrem Zelt in Aarau; manche können wir an Privatgärten oder B&Bs weitervermitteln. Die meisten aber fahren weiter.»

Dass die Touristen diesen Sommer vieles dazu beitragen könnten, den Gastronomen, Ladenbesitzern und Museen nach der Coronakrise wieder auf die Beine zu helfen, davon ist das Team von aarau info überzeugt. Deshalb wurden nicht nur Massnahmen ausgearbeitet, um möglichst viele Touristen anzulocken, sondern auch beim Stadtrat angeregt, im Schachen einen kleinen Campingplatz zu errichten – ausschliesslich diesen Sommer über.

Den gebeutelten Unternehmern helfen und die Touristenströme locken möchte auch die Stadt. Und auch das Defizit bei günstigen Übernachtungsmöglichkeiten ist erkannt. Trotzdem kommt laut Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker ein temporärer Campingplatz im Schachen nicht in Frage. «Der Schachen ist aus Sicht der Stadt für einen Campingplatz nicht geeignet.»

Zum einen sei er im Sommer vielfältig genutzt, als Fussball- und Sportplatz, als Veranstaltungsort und als Parkplatz für Badi und Stadt. «Zum anderen fehlen schlicht die sanitären Infrastrukturen», so Hilfiker weiter. Schliesslich müsste ein Campingplatz länger funktionieren als ein, zwei Wochenenden, wie das beim Eidgenössischen Turnfest (damals wurde auf einem Privatgrundstück in Erlinsbach campiert) oder dem Gigathlon der Fall war. «Die Ortsbürgergemeinde bietet für viele Nutzungen Hand, ein Campingplatz über ein bis zwei Monate würde die Möglichkeiten aber übersteigen.»

Vier Stellplätze für Durchreisende ab Juli

Hanspeter Hilfiker verweist aber auf den Wohnmobilstandplatz für vier Fahrzeuge, welcher per Juli im Schachen (beim Kunstrasen-Feld) eingerichtet werden soll. Dafür haben die Ortsbürger im Dezember einen Kredit von 50'000 Franken gesprochen. Die Plätze sollen Durchreisenden für maximal 24 Stunden zur Verfügung stehen. Sanitäre Anlagen werden keine gebaut, einzig eine Stromsäule soll errichtet werden.

Der Aufwand für das Betreiben dieser Plätze hält sich in Grenzen: Die Parkgebühr (Höhe noch nicht festgelegt) bezahlen die Nutzer über den bereits bestehenden Taxometer. Eine Vorreservation ist nicht vorgesehen, vermarktet und vermittelt werden die Plätze durch aarau info. Laut Margrit Röthlisberger, Leiterin Sektion Liegenschaften der Ortsbürgergemeinde, wird der Platz nicht extra überwacht: «Für Sauberkeit und Ordnung ist der Werkhof zuständig, für die Parkordnung die Stadtpolizei.»

Nun will aarau info Gartenbesitzer suchen

Trotz dem abschlägigen Bescheid aus dem Rathaus will aarau info die Zelt-Touristen nicht einfach an der Stadt vorbeiziehen lassen. «Wir werden nun private Gärten suchen, in denen Zelt-Touristen übernachten dürfen», sagt Corinne Gubler. Ausserdem legt das Team den Fokus noch stärker auf Tagestouristen und Familien-Ausflüge. Besonders intensiv Werbung gemacht wird dazu in welschen Medien und in den Partnerstädten Reutlingen und Neuenburg.

Damit diese Touristen Aarau in vollen Zügen geniessen können, werden Stadt und aarau info nun gemeinsam aktiv, wie Stadtpräsident Hilfiker sagt: «Wir appellieren an die Beizen- und Ladenbesitzer, keine Betriebsferien zu machen.»

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