Ob er ein Tausensassa sei? «Gstörte Siech!», kontert Remo Murer und lacht. Am Donnerstagmorgen hat er seinen ersten Wettkampfteil absolviert und am Abend ist er der Tätschmeister der Eröffnungsfeier. «Es ging sehr gut», sagt er nach seiner Gymnastik mit Band, «vor allem, wenn du nur drei Stunden geschlafen hast.»

Der einzige Mann im Einzel-Feld – die komischen Blicke deswegen hätten abgenommen – lässt das Band schlängeln, wirft es in die Luft, macht inzwischen eine Rolle und fängt es wieder.

Er zeigt den Bumerang: Murer wirft das Band, Stiel voran weg von sich auf den Boden, und schwupps, fliegt es zurück in seine Hand. Ganz in Schwarz gibt Remo den Torero zu Flamenco-Musik. «Das Stück passt zu mir, feurig, zackig.»

«Ich mache das aus Freude»

Er wolle hier keine Medaille gewinnen, sagt der 40-Jährige mehrfache Schweizermeister und verweist auf sein Alter: «Da hat es Leute dabei, die sind nicht mal so alt so lange wie ich turne.» Hauptsache, er könne gesund antreten. Seine Vorführung hat er vor Pfingsten zuletzt an Ostern geturnt. 

Stolz ist er auf seine vierte Teilnahme an einem Eidgenössischen Turnfest so oder so – letztes Mal in Biel wurde er Zweiter – und am Herzen liegen ihm seine Frauen vom DTV Muhen.

Als für Melanie Käser aus seinem Verein zuerst die falsche Musik eingespielt wird, ärgert ihn das. «Ich freue mich, wenn Junge mich überholen», sagt er. Auch er profitiert von ihnen: «14-Jährige korrigieren mich, wie ich sie korrigiere.»

Der Leiter der Riege leistet moralischen Beistand, tröstet, baut wieder auf. Und wenn er seinen Auftritt hat, sind die Mühelerinnen stimmkräftig dabei und leben mit, wenn sich – wegen der feuchten Unterlage – das Band einmal verheddert.