Filmdreh in Aarau
Zehn Jugendliche kämpfen gegen die Ausschaffung von Vampiren

Mit gescheitem Humor thematisieren junge Filmschaffende die gescheiterte Begrenzungsinitiative. Eine von ihnen ist die 20-jährige Kantischülerin Sofiya Schweizer aus Suhr. Die letzten Filmszenen sollen im März gedreht werden.

Daniel Vizentini
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Insgesamt zehn Jugendliche drehen in Aarau einen satirischen «Mockumentary» über eine fiktive Diskriminierung von Vampiren.

Insgesamt zehn Jugendliche drehen in Aarau einen satirischen «Mockumentary» über eine fiktive Diskriminierung von Vampiren.

Bild: Zur Verfügung gestellt

Als die Sofiya Schweizer vor sieben Jahren mit ihrer Mutter aus einer kleinen ostukrainischen Stadt in die Schweiz kam, dachte sie wohl kaum, dass sie eines Tages dermassen intensiv mit der Flüchtlingsthematik zu tun haben würde. Wenige Monate später entbrannte in ihrer Heimat der bewaffnete Konflikt mit Russland, plötzlich galten viele Ukrainer als Flüchtlinge im eigenen Land.

«Der Begriff Flüchtling war für mich lange etwas Ungreifbares, etwas worüber die Medien berichten. Es passte nicht in meine kleine Welt», sagt sie. Durch die Geschehnisse in der Ukraine sah sie aber, dass es alle Menschen mal treffen kann.

«Dass Menschen, die genau so aussehen oder dieselbe Muttersprache haben wie ich, auch zu Flüchtlingen werden können, war für mich eine wichtige Erkenntnis.»

Die heute 20-Jährige sei dadurch «noch toleranter gegenüber Flüchtlingen und Migranten geworden». Sofiya Schweizer wohnt aktuell in Suhr, nimmt nach den Sportferien ihr letztes Semester an der Alten Kantonsschule Aarau in Angriff und bewirbt sich nebenbei für ihren Traumstudiengang Theaterregie an der Zürcher Hochschule der Künste.

Sofiya Schweizer (20), Kantischülerin aus Suhr.

Sofiya Schweizer (20), Kantischülerin aus Suhr.

Bild: Zur Verfügung gestellt

Zuvor stand sie in der Ukraine mehrmals auf der Bühne, später stiess sie zum Jugendclub «Schein_werfer» am Theater Tuchlaube und spielte in kleinen Filmprojekten mit. Sie ist eine von zehn Jugendlichen, die in Aarau aktuell den Film «Take A Look At You» produzieren (zuvor mit dem Arbeitstitel «O1»): Nebst ihr sind dies Saskia Dubi, Lea Hilff, Maurice Schnieper, Alessandro Reinhart, Tim Rohrbach, Greta Plenkers, Marius Sigrist, Tobias Friedly und Nico Juchli.

Ein fiktiver, satirischer Dokumentarfilm

Erste Dreharbeiten fanden im August statt, kommenden März stehen die letzten Szenen an. Eigentlich wollte die Gruppe einen lustigen Film drehen, kamen dann auf die Idee, dass Vampire im Film vorkommen sollen, inspiriert von der Horrorkomödie «What We Do In The Shadows».

Aufgebaut als «Mockumentary» – also als fiktiver, satirischer Dokumentarfilm – zeigt der in Aarau gedrehte Film zwei Medienschaffende, die über die in der Schweiz diskriminierten Vampire berichten. Und darüber, wie eine konservative Partei für eine Volksinitiative wirbt, die Vampire ausschaffen und allgemein die Anzahl Vampire im Land beschränken will.

«Als wir das Drehbuch zusammenstellten, war gerade die Begrenzungsinitiative aktuell», sagt Sofiya Schweizer. Die Idee, die Initiative im Zusammenhang mit Vampiren zu bringen, habe damals derart absurd getönt, «dass es uns gleich gefallen hat», sagt sie. Der Film soll aufzeigen, wie Rassismus und Intoleranz noch immer ein Problem sind.

«Eigentlich ist es erschreckend, wie das Thema nie an Aktualität verliert.»

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