Wahlkampf

Formtest in der Aarauer Stadion-Frage: Wer macht eine gute Figur – wer nicht?

Die Stadträte Angelica Cavegn, Hanspeter Thür und Suzanne Marclay (v.l.)  im Spalier der FCA Junioren aufgenommen vor der Stadion Debatte des Einwohnerrat Aarau am 26. August 2019. "mein stadion, mein quartier, unsertorfeld.ch"

Das 36:8-Ja des Einwohnerrates ist ein Grosserfolg für den Stadtrat: Angelica Cavegn, Hanspeter Thür und Suzanne Marclay (v. l.) am Montag beim Gang durch das Spalier der FCA-Junioren

Die Stadträte Angelica Cavegn, Hanspeter Thür und Suzanne Marclay (v.l.)  im Spalier der FCA Junioren aufgenommen vor der Stadion Debatte des Einwohnerrat Aarau am 26. August 2019. "mein stadion, mein quartier, unsertorfeld.ch"

Nach dem Einwohnerratsentscheid rüsten sich die Befürworter für den Abstimmungskampf zum Aarauer Stadion-Projekt. Aber was machen die Gegner?

Ein Blick in die jüngere Geschichte von Aarau zeigt: Man darf Einwohnerratsentscheide nicht überbewerten. So hat das Stadtparlament im Juni 2005 ein zinslosen Darlehen von 25 Millionen Franken mit 31 zu 12 Stimmen genehmigt. Das Geld war für die MittellandArena, ein Stadion mit 12 500 Plätzen, vorgesehen. Drei Monate später kehrte das Volk den Entscheid und sorgte mit 3831 Nein zu 2824 Ja für einen Scherbenhaufen.

Seither ist der Souverän dem Parlament in Stadion-Fragen drei Mal gefolgt: Ja 2007, Ja 2008 und Ja 2010. Darum sind die Bedenken, dass sich das MittellandArena-Debakel am 24. November wiederholen könnte, nicht allzu gross. Dies umso mehr, als am Montag alle Fraktionen mehrheitlich für das Torfeld Süd stimmten. Wer zu den 36 Ja-Sagern gehörte, wird es kaum wagen, im Aarauer Abstimmungskampf plötzlich als Gegner aufzutreten. 

Unter welcher Führung werden die Gegner antreten?

36 zu 8 Stimmen bei 3 Enthaltungen in der Hauptabstimmung (Teiländerung Nutzungsplanung»): Kaum jemand hatte mit einem derart klaren Ergebnis gerechnet. Das ist ein grosser Sieg für den Stadtrat, speziell seine Task-Force Stadion, ganz besonders deren Mitglieder Hanspeter Thür (Grüne) und Daniel Siegenthaler (SP). Sie mussten – im Gegensatz zu Hanspeter Hilfiker, der bei den Freisinnigen vergleichsweise leichtes Spiel hatte – die Einwohneräte ihrer Parteien überzeugen.

Zu den Verlieren des Montagabends gehören die Gegner des Projektes Torfeld Süd, des Stadions (neuerdings 8000 Sitz- und 2000 Stehplätze), kombiniert mit den vier Hochhäusern. Sie werden es nach dieser empfindlichen Niederlage schwer haben, eine wirksame Nein-Kampagne zu starten.

Es stellt sich grundsätzlich die Frage, unter welcher Führung die Gegner auftreten werden: Grossrätin Lelia Hunziker oder Stephan Müller, die Co-Präsidenten des Vereins «Unser Stadion? Oder Albert Rüetschi, der Präsident des Vereins Torfeldsüd, in dem die einsprechenden Anwohner organisiert sind? Oder eines der Mitglieder der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGPK), die aus städtebaulichen Überlegungen die Ablehnung der Vorlage empfohlen haben?

Fest steht: Die Lancierung der Volksinitiative «Unser Stadion» dürfte in den letzten Tagen eher das Gegenteil dessen bewirkt haben, was sich die Initianten erhofft hatten – nämlich eine Schliessung der Reihen der Befürworter.

Befürworter organisieren sich in «unsertorfeld.ch»

Zwischenzeitlich hat sich auch eine Gruppe namens «Pro-Komitee 2 × Ja am 24. 11.» geoutet. Am Montagabend trugen die FCA-Junioren T-Shirts mit der Aufschrift «mein quartier, mein stadion, unsertorfeld.ch». Am Dienstag verbreitete die Gruppe eine Medienmitteilung, in der sie sich erfreut über den Entscheid des Einwohnerrates zeigte.

«Es ist richtig und wichtig, dass das ausgewogene, vernünftige und nachhaltige Projekt nun den Bürgerinnen und Bürgern zur Abstimmung vorgelegt wird», lassen sich Peter Zubler und Ruedi Vogt zitieren, die als Sprecher des Komitees auftreten. Vogt war FDP-Stadtrat, Zubler FDP-Grossrat. Die überparteiliche Gruppe ist daran, Mitglieder, möglichst Meinungsführer, zu rekrutieren. Gestern Abend fand eine Veranstaltung statt.

Die Befürworter überlassen nichts dem Zufall. So haben sie bei gfs.bern (Verwaltungsratspräsident Claude Longchamp) eine Studie in Auftrag gegeben. Unter dem Titel «Was hältst Du von den Plänen für das neue Stadion in Aarau?» gibts eine geführte Gruppendiskussion (Teilnehmer erhalten 80 Franken).

So soll der Puls der Bevölkerung gespürt werden für eine optimale Kampagne. In der Medienmitteilung heisst es: «Das Komitee ‹Unser Torfeld› setzt sich zum Ziel, die Bevölkerung der Stadt Aarau transparent und umfassend über das geplante neue Stadtquartier mit Stadion und Wohnungen für alle Bevölkerungsschichten zu informieren und von der Qualität des Projekts zu überzeugen.»

Die unendliche Geschichte des Aarauer Stadions:

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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