Aarau

Fotograf Cornelius Fischer: Einer, der auf allen Hochzeiten tanzt – und Weltstars ablichtet

Sara und Cornelius Fischer in ihrem Studio im Stadthöfli.

Sara und Cornelius Fischer in ihrem Studio im Stadthöfli.

Eigentlich wollte er damals bloss in den Ferien ein paar nette Fotos schiessen – zehn Jahre später ist Cornelius Fischer ein gefragter Hochzeitsfotograf.

Mehr Hochzeiten als er hat höchstens ein Pfarrer erlebt. Ein Pfarrer im besten Alter. Cornelius Fischer aber ist erst 33 Jahre alt und war schon an rund 110 Hochzeiten mit dabei. 220 Ja-Worte, 110 erste Küsse, unzählige vor Rührung verdrückte Tränen, Tausende aufgebrezelte Freunde und Familienmitglieder. Festgehalten für die Ewigkeit. 110 Hochzeiten in nur zehn Jahren.

Zehn Jahre eigenes Fotostudio, drei Jahre Selbstständigkeit und das alles mit Anfang 30 – dabei hätte es doch eigentlich ganz anders kommen sollen: Der Aarauer hatte eben seine Lehre als Biologie-Laborant an der ETH Zürich abgeschlossen, als ihm eine Kamera 2005 das Leben auf den Kopf stellte.

«Meine Eltern haben mir einen Gutschein für einen Flug nach Neuseeland geschenkt.» Weil ihm Bilder von weidenden Schafherden in weiter Landschaft als Souvenir vorschwebten, kaufte er eine Spiegelreflexkamera mit zwei Objektiven. Und die Reise nach Neuseeland war vergessen.

Arbeiten von Cornelius Fischer:

Glücklich im Schummerlicht

Im Schummerlicht von Konzertlokalen findet Fischer das grosse Glück. Nach ersten Versuchen im Aarauer Jugendhaus Wenk mit schrummelnden Hinterhofbands steht er bald im Hallenstadion und im Stade de Suisse, fotografiert Lenny Kravitz und Coldplay. Fischer liebt die Herausforderung der schlechten Lichtverhältnisse und der kurzen Zeit, die für dieses eine, perfekte Bild bleibt. Es wird zur Sucht. Bis zu zweihundert Bands fotografiert er pro Jahr, verkauft sie an eine Bildagentur und gründet das Online-Musikmagazin «imscheinwerfer.ch». Und Neuseeland verschwindet in weiter Ferne. «Jeden Monat war ein neues, noch besseres Konzert angesagt, Monat für Monat habe ich die Reise verschoben.»

2007 mietet Cornelius Fischer zusammen mit drei Freunden ein Studio im Stadthöfli in Aarau. Nur als Hobby, Fischer arbeitet weiterhin 100 Prozent im Labor. «Tagsüber Labor, abends Konzertlokal oder Arbeiten vor dem Bildschirm, fünf Stunden Schlaf – eine grossartige Zeit.» Und die Aufträge kommen, einer nach dem anderen. 2010 bietet sich die Möglichkeit, auch das Geschoss über den bisherigen Studios dazuzumieten, und die vier Freunde schlagen zu. «Ohne zu wissen, ob und wie wir das bezahlen sollen», sagt Fischer und lacht.

Die Schattenseite

Inzwischen plagen ihn solche Sorgen nicht mehr. Fischer hat es geschafft, sein Hobby zum Beruf zu machen. Keine Selbstverständlichkeit, wie er sagt: «Viele fotografieren unglaublich gut, haben aber keinen Geschäftssinn und scheitern am Finanziellen.» Dass es bei ihm gut läuft, hat Cornelius Fischer mitunter seiner Frau Sara (33) zu verdanken, die vor eineinhalb Jahren ins Geschäft eingestiegen ist und als ausgebildete Content- und Social-Media-Marketing-Fachfrau genau weiss, wie man sich übers Internet gut verkauft.

Die eine Hälfte der Aufträge machen Privatkunden aus, beispielsweise für Bewerbungsfotos, und Unternehmen, die Aufnahmen für den Webauftritt oder Broschüren brauchen. Ausserdem bietet Fischer Workshops an und Berufs- und Hobbyfotografen können sich stundenweise im Studio einmieten. Die andere Hälfte der Aufträge sind Hochzeiten, Fischer ist für diese Saison schon fast ausgebucht. Kein Wochenende frei – das ist der Preis, den man als Fotograf bezahlen muss, die Schattenseite des Traumberufes. Doch Sara Fischer sagt: «Ich habe lieber einen Mann, der viel arbeitet und zufrieden ist, als einen, der daheim sitzt und nörgelt.»

Eines haben die beiden trotz der vielen Arbeit noch immer im Hinterkopf: die Reise nach Neuseeland. «Irgendwann reisen wir da hin», sagt Cornelius Fischer und lacht. «Das muss sein.»

Jubiläumsfeier Samstag, 25. März, ab 16 Uhr im Fotostudio am Stadthöfli 2 in Aarau. Bildervortrag ab 17 Uhr.

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