Urteil
Fünf Jahre Gefängnis für den Handgranatenwerfer von Buchs

Der 56-jährige Bosnier, der im April 2014 in Buchs eine Handgranate auf seine Frau geworfen hat, ist vom Bundesstrafgericht in Bellinzona zu fünf Jahren Gefängnis wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und Sachbeschädigung verurteilt worden.

Gerhard Lob, Bellinzona
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Eine solche Handgranate hat der Beschuldigte hier, an der Lenzburgerstrasse in Buchs, nach seiner Ehefrau geworfen.

Eine solche Handgranate hat der Beschuldigte hier, an der Lenzburgerstrasse in Buchs, nach seiner Ehefrau geworfen.

Patrick Züst/TeleM1

Der 56-jährige Bosnier M.M. wurde am Freitag vom Bundesstrafgericht zu fünf Jahren Gefängnis wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und Sachbeschädigung verurteilt. Das Bundesstrafgericht zeigte sich überzeugt, dass der Beschuldigte am 3. April 2014 am frühen Morgen eine Handgranate in Buchs AG vor seine von ihm getrennt lebende Ehefrau geworfen und diese dadurch verletzt hat.

Dem Antrag der Bundesanwaltschaft auf versuchten Mord kam das Gericht aber nicht nach, weil sie keine besondere Skrupellosigkeit feststellen konnte, sondern einzig den Sachverhalt, dass der Beschuldigte den Tod seiner Ex-Frau in Kauf nahm. Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass der Beschuldigte die Handgranate geworfen hatte. Entscheidend waren die DNA-Spuren am Bügel der Handgranate und ein ballistisches Gutachten.

Der Verteidiger hatte die Täterschaft von M.M. bestritten und auf Freispruch plädiert. Die Ehefrau hätte die ganze Geschichte selbst eingefädelt. Die DNA-Spuren könnten von ihr präpariert gewesen sein. Und all dies, um sich selbst zu verletzen und dadurch einen erneuten Anspruch auf eine IV-Rente zu ermöglichen, aber den getrennt lebenden Ehemann zu belasten.

Das Gericht konnte dieser Argumentation nicht folgen. „Niemand überlegt sich so etwas“, sagte der vorsitzende Richter Peter Popp. Dazu kam, dass sich der Ehmann ein zweites Alibi für die Tatzeit konstruiert hat, nachdem das erste Alibi fehlgeschlagen war. Zuerst hatte er behauptet, schon am Vortag der Tat nach Bosnien gereist zu sein. Im Prozess sagte er, zum Tatzeitpunkt zu Hause geschlafen zu haben.

Das Gericht kam zum Schluss, dass die Ehefrau von M.M. als Opfer im Prozess tatsächlich einige Aspekte auf der Zeitachse falsch geschildert habe, sowie die Wahrnehmung und Wertung von Sachverhalten divergierten. Doch dadurch werde die DNA-Analyse nicht erschüttert. Oder anders gesagt: Sie bleibt das Opfer, ihr Ex-Mann der Täter.

Bundestaatsanwalt Peter Lehmann zeigte sich nach der Urteilseröffnung recht zufrieden, obwohl sein Strafantrag mit elf Jahren Gefängnis mehr als doppelt so hoch ausgefallen war als das tatsächlich verhängte Strafmass. „Wichtig ist für mich aber, dass in diesem Indizienprozess alle meine Argumente gehört wurden, dass es sich bei dem Täter tatsächlich um den Beschuldigten handelte“, sagte Lehmann gegenüber dieser Zeitung.

Bei der rechtlichen Würdigung der Tat durch das Gericht als versuchte Tötung statt versuchten Mordes könne man ein Fragezeichen setzen: „Ist es wirklich nicht skrupellos, wenn jemand eine Handgranate gegen seine Frau wirft?“

Kurz angebunden war Anwalt Stefan Meichssner als Verteidiger des Verurteilten. Er hatte in einem Eventualantrag für den Fall eines Schuldspruchs auf maximal 24 Monate Gefängnis bedingt plädiert. Ob er das Urteil vor Bundesgericht anfechten werde, sei noch offen. Zuerst müsse er die schriftliche Urteilsbegründung abwarten: „Mein Mandant hat mir aber gerade nochmals versichert, dass er die Handgrante nicht geworfen hat.“

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