Apotheke
Für die «Gränicher Kopfwehtablette» kommen die Kunden aus den Nachbarkantonen angereist

Nach dem neuen Labor vor zwei Jahren bauen Sara und Lukas Korner ihre Apotheke nun für 2,5 Mio. Franken aus.

Daniel Vizentini
Merken
Drucken
Teilen
Seit zehn Jahren führen sie die grosse Apotheke Gränichen: die 39-jährigen Sara und Lukas Korner-Wyss.

Seit zehn Jahren führen sie die grosse Apotheke Gränichen: die 39-jährigen Sara und Lukas Korner-Wyss.

Michael Küng

In der 8200-Seelen-Gemeinde Gränichen gibt es zwar nur eine Apotheke – dafür eine beachtlich grosse. Mit ihrem 150 Quadratmeter grossen Labor ist sie eine der bedeutendsten der Region, vergleichbar etwa mit der Apotheke Göldlin in der Aarauer Altstadt. Und sie soll nun weiter wachsen: Aktuell liegt ein Baugesuch auf für einen grösseren Ausbau, die Kosten werden auf 2,5 Mio. Franken geschätzt. Das Ziel ist mehr Platz und eine zeitgemässere Einrichtung.

Die Rückseite des Gebäudes an der Bahnhofstrasse 1 wird verlängert, die Arbeitsflächen im Parterre dadurch ausgebaut. Durch das Abreissen der Garagen und den Aushub des Kellers wird weiter Platz gewonnen. «In meinem Büro arbeiten wir heute zu sechst, konzentriertes Arbeiten ist da schwierig», sagt Co-Geschäftsführer Lukas Korner-Wyss. Diese erste Bauetappe dürfte sicher ein Jahr dauern. Danach soll das Warenlager vergrössert und mit Robotern ausgestattet werden. Erst in der dritten Etappe wird das eigentliche Ladenlokal erweitert, mit allgemein mehr Luft zwischen den Regalen und mehr Beratungsräumen für die Kunden. Für einen besseren ökologischen Fussabdruck sollen die Toiletten künftig mit Regenwasser gespült, die Wärmepumpe auch für die gesamte Kühlung genutzt und dank neuer Solarpanels Strom erzeugt werden.

Alles fürs Geschäft: Voller Einsatz und kaum Ferien

«Wir bauen in Etappen aus, damit sich das Team schrittweise an die neue Platzsituation gewöhnen kann», sagt Lukas Korner. «Ein Umbau bringt immer Stress. Aber der Status quo bringt uns nicht weiter.» Baubeginn wird frühestens im Herbst sein. Lukas Korner und Ehefrau und Co-Geschäftsführerin Sara Korner (beide 39) werden im Frühling zum dritten Mal Eltern, das hat jetzt Priorität. Seit das Paar die Apotheke Gränichen vor zehn Jahren übernommen hat – zuvor leiteten sie Lukas’ Eltern Max und Margreth während 30 Jahren –, wurde stets alle Energie und praktisch jegliches Geld in das Unternehmen gesteckt. «Wir gönnen uns nur wenige Ferien», sagt Lukas Korner. «Wir arbeiten gerne, mit viel Enthusiasmus und sind uns bewusst, dass dies zum Aufbau des Geschäfts dazugehört. Wir wollen vorwärtskommen.»

Kennen gelernt hatte sich das Paar bei einem Freiwilligeneinsatz von «Apotheker ohne Grenzen» in Madagaskar. Zuvor hatte Sara Korner an der ETH und Lukas an der Uni Basel Pharmazie studiert. «Nach der Matur war ich ein Jahr lang im Militär und arbeitete dann auf dem Bau, bis ich entschied, dass ich doch wie mein Vater Apotheker werden will.» Ein Praktikum in Burgdorf bei einer Apotheke, die ähnlich wie die in Gränichen viele Hausspezialitäten herstellt, hat ihn geprägt.

Das Ehepaar Korner-Wyss beschäftigt heute 25 Angestellte, drei Arbeitsstellen sind derzeit ausgeschrieben. Bei der Übernahme der Apotheke 2011 waren es noch zwölf Mitarbeitende. Durch das 2019 erweiterte Labor ist der Personalbedarf höher geworden. «Für den weiteren Ausbau brauchen wir auch ein Team, das mitzieht und Freude hat an Veränderung», sagt Lukas Korner, der auch Präsident des Aargauischen Apothekerverbandes ist, dazu Delegierter von Pharmasuisse, im Vorstand des Aargauischen Gewerbeverbands und im Verwaltungsrat von Pharmactiv sowie der Springerbörse sitzt. «Ich habe vor allem zu Beginn jede Woche einhundert Stunden gearbeitet und nie Ferien gemacht. Irgendwann dreht man sich aber im eigenen Mühlerad», erzählt er. «Dank dem Austausch mit Berufskollegen in den Verbänden habe ich den Kopf öffnen und Vorstellungen für die Zukunft entwickeln können.»

Sie das Laborgenie, er mehr der Manager

Während Sara Korner mehr die Apothekerin ist, die viel und gerne im Labor arbeitet, ist Lukas Korner mehr der Manager mit Weitsicht, der auch das Gesundheitswesen aktiv mitgestalten will. Zurzeit wehrt er sich etwa gegen den Medikamentenverkauf durch Hausärzte, der demnächst im Grossen Rat behandelt werden soll.

Viele Apotheken spezialisieren sich, um überhaupt noch Geld verdienen zu können, sagt er. Nebst einer hochwertigen Beratung setzt die Apotheke Gränichen deshalb sehr stark auf das eigene Labor und die vielen hausgemachten Medikamente wie die «Gränicher Kopfwehtablette», für die Kunden teils sogar aus den Nachbarkantonen angereist kommen. «Da wir kein Geld ausgeben müssen für die Vermarktung, schaffen wir es, günstiger zu sein als die grossen Firmen.» Das grosse, eigene Labor zahlte sich auch zu Beginn der Coronapandemie aus, als sie in Gränichen im ersten Monat eineinhalb Tonnen Desinfektionsmittel herstellten.