Fusionen

Fusionspläne mit Meisterschwanden: Heisst der Hauptort bald «Aarau am See»?

Hat die Kantonshauptstadt bald Seeanstoss? Aarau und Meisterschwanden prüfen eine Gemeindefusion.

Hat die Kantonshauptstadt bald Seeanstoss? Aarau und Meisterschwanden prüfen eine Gemeindefusion.

Während sich Aaraus Nachbargemeinden nicht so recht durchringen können, zeigt sich plötzlich Meisterschwanden offen für eine Fusion mit dem Kantonshauptort. Von einer Fusion würden beide Gemeinden profitieren.

Mitten in der Diskussion, wer denn von den Aarauer Nachbargemeinden als Fusionspartner infrage käme, hat die Aargauer Zeitung aus dem Rathaus ein Gerücht vernommen: Nicht nur Densbüren, Buchs oder Suhr sollen mit Aarau eins werden, nein, nun will der Stadtrat auch mit Meisterschwanden am Hallwilersee Fusionsverhandlungen aufnehmen.


Darauf angesprochen zeigt sich Stadtpräsidentin Jolanda Urech überrascht: Die Information über dieses Vorhaben hätte die Mauern des Rathauses eigentlich noch nicht verlassen sollen. Nun aber bestätigt sie: «Meisterschwanden ist Fusionskandidat.» Es hätten diesbezüglich erste erfreuliche Kontakte zwischen dem Gemeinderat Meisterschwanden und dem Aarauer Stadtrat stattgefunden.

An einer Klausur, welche nächste Woche auf dem Eichberg im Seetal stattfinden wird, werde sich der Stadtrat eingehend mit diesem Projekt befassen und die nächsten Schritte beschliessen.


Am See ist man nicht abgeneigt
In Meisterschwanden sagt Gemeindepräsident Ueli Haller zur Fusionsanfrage: «Man muss alles prüfen.» Für Haller ist klar, dass seine Gemeinde bei der Aarauer Brautschau vor allem aus finanziellen Gründen zum Handkuss kommt. In Meisterschwanden beträgt der Steuerfuss lediglich 71 Prozent.

Tatsächlich sagt Jolanda Urech: «Erste Berechnungen zeigen, dass der Aarauer Steuerfuss nach einer Fusion mit Meisterschwanden wieder gesenkt werden kann.» Allerdings seien die Kosten für eine neue, direkte Buslinie nicht zu unterschätzen.


Bevor Ueli Haller der Gemeindeversammlung vom 8. Juni die Aufnahme von konkreten Fusionsverhandlungen vorschlagen wird, macht er deshalb klar: «Die Schmerzgrenze liegt klar bei einer Steuerfusssteigerung von 10 Prozent.» Dies dürfte in den angedachten Verhandlungen um «Aarau am See» eine Knacknuss werden, da macht sich der Meisterschwander Präsident keine Illusionen. Aus Erfahrung sagt er: «Wenn man das Geld ausblenden könnte, wären Verhandlungen mit fusionswilligen Partnern viel einfacher.»


Beide Seiten würden profitieren
Eine Fusion ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Den Meisterschwander Nutzen des Zusammenschlusses mit Aarau sieht Haller vor allem beim «direkteren Draht» nach «Aarau»: «Dort ist ja auch die Kantonsverwaltung daheim. Da könnte ich mir schon vorstellen, dass unsere Begehrlichkeiten besser berücksichtigt werden.»


Weitere Synergien sieht man in den Bereichen Tourismus und Kultur. «Aarau hat ja ein eigenes Verkehrsbüro. Dort könnte man den Tourismus am Hallwilersee, der ja oft als Sonnenstube des Kantons angepriesen wird, verstärkt fördern», so Haller. Meisterschwanden kann zwei renommierte See-Bäder und See-Hotels in die Waagschale werfen. Verbindungen bestehen bereits: Die «Seerose»-Gruppe von Felix Suhner hat mit dem «Mürset» im Schachen schon einen Betrieb in Aarau.


Seeanstoss für die Hauptstadt
Die Seebäder und der Seeanstoss an sich sind zusammen mit den Finanzen wohl der wichtigste Grund, warum Aarau Meisterschwanden die Fusion schmackhaft machen will. Statt «Aarau eusi gsund Stadt» könnte es also bald «Aarau, die Stadt am See» heissen. Urech gibt zu: «Der Seeanstoss ist ein verlockendes Argument! Wir sind angetan von der Idee, dieses einmalige Nebeneinander von See und historischer Altstadt zu vermarkten.» Und sie sagt mit einem Augenzwinkern: «Die Möglichkeit, am See in den heissen Sommermonaten unsere Akten zu studieren, würde das anspruchsvolle Amt als Stadtrat enorm aufwerten.»


Meitlitage vor Maienzug
Meisterschwanden bietet auch, was in Aarau längst rar ist: noch etwas Bauland – allerdings mit einem viertstelligen Quadratmeterpreis. «Die Fusion hat fast nur Vorteile», bilanziert Urech. «Die neue Kantonshauptstadt wird an Attraktivität nicht zu überbieten sein. Dies lockt natürlich Zuzüger an.»


Meisterschwanden seinerseits würde vom grossen Aarauer Kulturangebot profitieren. Die Gemeinde böte auch eine Lösung für den momentan viel diskutierten Maienzug-Vorabend. Dieser ist manchen Aarauern ohnehin nicht mehr aarauisch genug. Statt dessen könnten dann der Meisterschwander Meitli-Donnerstag stattfinden. Das kann sich Haller durchaus vorstellen: «Anfang Juli ist es auch nicht so kalt, wie bei uns am angestammten Termin anfangs Januar.»

Und Urech sagt, weder Aarau noch Meisterschwanden müssten bei einer Fusion auf ihre schönen Bräuche verzichten. «Zusammen können wir fast eine ganze Woche feiern.» Und: Am Maienzug hätten sich schon viele Paare gefunden. «Die Auswahl für die Meisterschwander ‹Meitli› an attraktiven Männern ist in Aarau gross!»


«Meischti» stellt Bedingung
Bevor die Euphorie aber zu gross wird, stellt der Meisterschwander Gemeindepräsident nebst dem limitierten Spielraum mit dem Steuerfuss noch eine Bedingung: «Ein Teil der Stadtverwaltung müsste in unseren neu bezogenen Gemeindehaus-Büros im Dorfzentrum untergebracht werden.» Richtigerweise müsste es nachher allerdings «Stadthaus-Büros» und «Stadtteil-Zentrum» heissen. Immerhin, scherzt Haller, sei er einer von nur zwei Gemeindeoberhäuptern im Bezirk Lenzburg, die sich bereits «Präsident» nennen. Damit sei er mit seiner Aarauer Amtskollegin Jolanda Urech titelkompatibel.

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen April-Scherz.

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