Zu Stosszeiten ist Suhr verstopft. Oder war es zumindest bis letztes Jahr. Dann kam die Sanierung von Tram- und Bernstrasse mit den Knoten «Bären» und «Kreuz». Fürs erste nahm der tägliche Stau gigantische Ausmasse an. Doch sukzessive wurden punktuelle, insgesamt effiziente Verbesserungen an der Situation vorgenommen. Nun ist das Werk praktisch vollendet. Der Testbetrieb der Lichtsignalanlagen ist inzwischen angelaufen. Und es stellt sich die Frage, was die Sanierung gebracht hat.

Natürlich gibt es noch keine Ost- und keine Südumfahrung. Doch bei einem ersten Augenschein in der Kalenderwoche 32 entsteht der Eindruck, dass der Verkehr in Suhr unter dem neuen Kantonsstrassen-Regime recht flüssig geworden ist. Das würde die Aussage von Projektleiter Alex Joss bestätigen, wonach zwar kein Quantensprung zu erwarten sei, dass die neue Anlage mit dem Kreisel beim Rundhaus aber leistungsfähiger sei als die bisherige.

An den Lichtsignalanlagen, sagte Joss Ende Juni, werde, gestützt auf die Erfahrungen, noch drei, vier Monate feinjustiert. Es sei normal, dass bei einer derart komplexen Strassenanlage nicht vom ersten Moment an alles perfekt funktionieren könne.

Flüssige Abwicklung des Verkehrs beim «Bären»

Der Befund vom Freitag, 9. August, Mittag (11.15 bis 12.15 Uhr): Am meisten Verkehr fliesst vom «Kreuz»-Kreisel zum Knoten «Bären» in Richtung Hunzenschwil. Für einen kurzen Moment staut der Verkehr zurück bis zum Kreisel, dann fliesst er zügig ab. Die Phase ist offenbar von verschiedenen Parametern abhängig und dementsprechend unterschiedlich lang. Zwischen 4 und 13 Fahrzeuge können aufs Mal passieren. Die längste gemessene Wartezeit vor der «Bären»-Ampel beträgt rund 40 Sekunden. Nie ganz beansprucht werden die Stauräume für die Linksabbieger beim «Bären» in Richtung Aarau und vor dem «Kreuz»-Kreisel in Richtung Wynental. Ohne längere Wartezeiten beim Knoten «Bären» wickelt sich der Verkehr von der Tramstrasse und von der Bernstrasse Ost (Hunzenschwil, Buchs, Möbel Pfister) her ab.

Der vierte Zweig des Knotens, die Einmündung beziehungsweise Ausfahrt Bahnhofstrasse, ist ein Spezialfall: Die Einfahrt ist verboten (Ausnahme Zubringerdienst). Die Ausfahrt ist nur dem Bus, den Velos und den Töffli erlaubt. Der motorisierte Verkehr muss den Bahnhofbereich via Rundhaus-Kreisel verlassen.

Wie stark belastet nun der Zweig «Bahnhofstrasse» die Lichtsignalanlage beim «Bären»? Die Phase ist ausgesprochen kurz: Rund fünf Sekunden lang steht die Ampel bei Bedarf auf Grün. Beim Viertelstundentakt der Buslinien 4 und 6 ergibt das eine Beanspruchung des Knotens durch den Bus von weniger als einer Minute pro Stunde.

Bus und Zweiräder belasten den Knoten wenig

Dazu kommen die Zweiräder. Gerade mal acht von ihnen fahren während der einstündigen Beobachtung raus aus der Bahnhofstrasse (keine Bewegung in der Gegenrichtung). Allerdings löst nur die Hälfte von ihnen den Impuls der Ampel aus. Die andern vier wechseln schon rund 20 Meter vor der Kreuzung aufs Trottoir und umgehen auf diese Weise das Rotlicht. Und einer der vier Zweiradfahrer, welche die Impulsschlaufe überfahren, tut es ihnen gleich, aber erst unmittelbar vor der Ampel. Diese schaltet prompt auf Grün. Unnötigerweise, aber wenigstens nur für fünf Sekunden. Ein ganz sportlicher Velofahrer kümmert sich einen Deut um die Ampel und prescht in einem günstigen Moment vom Trottoir aus einfach rüber zur Tramstrasse. Gesamteindruck: Der Bus- und der Zweiradverkehr belasten die Lichtsignalanlage nur schwach.

Auch im Feierabendverkehr lässt sich am 9. August kein anderer Befund als am Mittag ermitteln. Wie aber sieht es in der Woche 33 aus, wenn vermutlich die meisten Verkehrsteilnehmer aus den Ferien zurück sind? Am Montagabend ist nun im Vergleich zum letzten Freitag ein deutlich dichterer Verkehr feststellbar. Aber die Lichtsignalanlage beim «Bären» funktioniert auch jetzt recht gut. Der Verkehr fliesst flüssig ab. Doch füllen sich die Stauräume zwischen «Kreuz» und «Bären» weit stärker.

In speziellen Situationen sind Stauräume überlastet

Ein «Gnusch» gibt es deshalb wiederholt beim «Kreuz»- Kreisel. Bei gleichzeitig starkem Verkehr von Gränichen wie von Entfelden her füllt sich der Stauraum in Richtung «Bären» vollständig, und der Verkehr im Kreisel kommt zum Stillstand. Geht die Barriere an der Gränicherstrasse runter, sollen die Abbieger in Richtung Wynental nicht in den Kreisel einfahren. In dieser Situation erweist sich die Einspurstrecke auf der Bernstrasse als zu kurz. Der Rückstau bewirkt, dass auch Fahrzeuge mit Ziel Oberentfelden weit vor dem Kreisel blockiert werden. Der Mittelstreifen, der die Länge der Abbiegerspur bestimmt, wurde wie geplant realisiert. Aufgrund einer Einwendung hat der Kanton allerdings in erneute Verkehrszählungen auf der Bernstrasse eingewilligt. Eine Verlängerung der Abbiegerspur hätte ihren Preis: Die Fussgängerquerung zwischen Bärenmatte und Bahnhofquartier würde damit verunmöglicht.