Suhr/Gränichen

Grüner Teppich über die A1: Jetzt kommt die Tierbrücke für 13,9 Millionen Franken

Eine Wildtierbrücke bei Kirchberg BE.

Eine Wildtierbrücke bei Kirchberg BE.

Das Bundesamt für Strassen baut für Wildschwein, Iltis und Co. eine Brücke über die Autobahn bei Suhr und Gränichen. Links-Grün hält sie für «überfällig». Alt-SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner kritisierte die «Luxuslösung» schon vor Jahren.

Im Wald zwischen Suhr und Gränichen werden dieses Jahr 13,9 Millionen Franken verbaut: Das Bundesamt für Strassen (Astra) erstellt im Gebiet Rynetel eine Wildtierüberführung über die Autobahn A1. Das ist, vereinfacht gesagt, eine breite, bepflanzte Brücke, auf der Tiere künftig die Autobahn überqueren können. «Verkehrswege durchtrennen die Lebensräume der wild lebenden Tiere», erklärt das Bundesamt.

Um diese zu vernetzen, hat das Bundesamt für Umwelt Wildtierkorridore von überregionaler Bedeutung definiert. Dazu gehört auch der Wildtierkorridor mit der Nummer A6 bei Suhr. Und dieser soll nun eine Brücke über die Autobahn erhalten. Wenn man so will, überspannt künftig also die Tier-A6 die Fahrzeug-A1.

Auf der Brücke gibts sogar temporäre Tümpel

Die Dimensionen der geplanten Brücke sind beachtlich: Sie besteht aus zwei Bogenträgern aus Holz mit einer Spannweite von je rund 17 Metern. «Oben steht für die Tiere eine nutzbare Breite von 50 Metern zur Verfügung», so Astra-Sprecherin Esther Widmer. Die Brücke wird mit Erde bedeckt und auf der ganzen Breite bepflanzt. Es gibt darauf sogar kleine Tümpel und Gräben, die temporär Wasser führen, ausserdem Steinhaufen und Erdwälle.

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Im Grunde kann jedes Tier die Brücke nutzen. Primär ist sie aber für Iltis, Hermelin, Mauswiesel, Baummarder, Feldhasen, Rehe und Wildschweine gedacht. «Nach Bauende wird ein Monitoring» durchgeführt, erklärt die Sprecherin des Bundesamts für Strassen.

Die Arbeiten werden von einer Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus den Aargauer Firmen Aarvia Bau AG (Würenlingen) und Häring & Co. (Eiken), ausgeführt. Derzeit laufen Vorarbeiten, von denen die A1-Nutzer nicht viel mitbekommen. Es müssen Holzarbeiten durchgeführt und Installationsflächen sowie Zufahrten erstellt und Waldwege leicht versetzt werden. Richtig gebaut wird dann ab März. Von da an merken auch die Auto- und Lastwagenfahrer auf der A1, dass etwas läuft: Es werde im Bereich der Baustelle zu Spurverschwenkungen kommen, teilt das Astra mit. Im November sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein.

Die hohen Kosten sorgten für Kritik

Das Wildtierbrückenprojekt lag im Sommer 2016 öffentlich auf. Es gab sechs Einsprachen. Von Seiten der Umweltverbände und links-grüner Politiker wurde die Wildtierbrücke – wie ähnliche Projekte an anderen stark befahrenen Strassen – als «überfällig» und «dringend notwendig» bezeichnet. Für Kritik von bürgerlicher Seite sorgten damals die Kosten: Zuerst war von 7,4 Millionen die Rede gewesen, dann waren es plötzlich doch 13,9 Millionen. Der damalige SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner kündigte eine Interpellation an, sollte er vom Bundesamt keine befriedigende Erklärung für die Kostensteigerung erhalten. «Das ist aus meiner Sicht eine absolute Luxuslösung, da kostet jeder Frosch, der über die Brücke hüpft, schon 100'000 Franken», sagte er gegenüber der AZ. Und: «Das lässt sich auch billiger realisieren, eine Röhre unter der Autobahn reicht.»

Heute sagt die Astra-Sprecherin, bei den 7,4 Mio. Franken habe es sich um «eine Kostenschätzung auf Stufe Projektidee» gehandelt. Sie seien damals zu niedrig veranschlagt gewesen; die heutigen Kosten «wurden mit genaueren Grundlagen und aktuellen Preisen ermittelt». Zahlen muss das Bundesamt.

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