Auenstein/Veltheim

Hat die Zementfabrik ein Versprechen vergessen?

Derzeit wird diskutiert, ob weitere Steinbrucherweiterungen zulässig sind. Sprengung im Steinbruch der Jura-Cement-Fabriken in Auenstein. (Archiv)

Derzeit wird diskutiert, ob weitere Steinbrucherweiterungen zulässig sind. Sprengung im Steinbruch der Jura-Cement-Fabriken in Auenstein. (Archiv)

Ein Steinbruchgegner wehrt sich gegen eine Aussage des Jura-Cement-Fabriken-Werkleiters und stützt seine Kritik mit einer Vertragspassage aus dem Jahr 1964. Die Zementfabrik widerspricht.

Kein Zweifel: Das Verhältnis zwischen einigen Anwohnern der Steinbrüche Jakobsberg und Oberegg in Auenstein und Veltheim einerseits und der Jura-Cement-Fabriken (JCF) sowie der Behörden andererseits ist zerrüttet. Der Konflikt, seit Jahrzehnten mehrheitlich im Hintergrund gärend, manifestiert sich derzeit im Abstimmungskampf gegen die Steinbrucherweiterung. Christine Ungricht, Präsidentin des Vereins «Pro Au» (Veltheim), bezeichnet die Situation als «Kampf gegen Windmühlen». Das Misstrauen ist gross und wird durch die Tatsache, dass die Firma des Auen­steiner Gemeindeammanns stark in die Steinbruchaktivitäten involviert ist, nicht gemindert. Die Ingenieur- und Planerfirma schreibt Umweltverträglichkeitsberichte, plant Materialabbau und begleitete die JCF laut eigenen Angaben «im Bewilligungsverfahren, bei den Abstimmungen mit den Behörden und bei den Einwendungsverhandlungen».

Es wundert deshalb nicht, dass Steinbruchgegner – die sich teilweise explizit nur als Steinbrucherweiterungsgegner verstanden haben wollen – genau beobachten, was die JCF vor der Abstimmung macht. Einer von ihnen ist Urs Mauli aus Auenstein. Er hat der AZ einen Leserbrief gesandt, in welchem er Bezug nimmt auf das Interview mit dem Leiter des Zementwerks in Wildegg, Marcel Bieri. Darauf angesprochen, dass sich viele Steinbruchgegner verschaukelt fühlten, weil man ihnen zugesagt habe, dass es keine Steinbrucherweiterungen mehr geben werde, sagte Bieri: «Das haben wir meines Wissens nie so gesagt, es wurde höchstens so interpretiert.»

Dem widerspricht Urs Mauli vehement. Er legt der AZ einen öffentlich beurkundeten Vertrag zwischen der Ortsbürgergemeinde Auenstein und der JCF-Vorgängerorganisation aus dem Jahr 1964 vor. Darin werden die Firmen verpflichtet, den Abbau der Oberegg nicht über die im Plan festgehaltene westliche Grenze auszudehnen.

Ausriss aus dem Vertrag zwischen der Ortsbürgergemeinde Auenstein und den JCF-Vorgängerfirmen vom 1.4.1964.

Ausriss aus dem Vertrag zwischen der Ortsbürgergemeinde Auenstein und den JCF-Vorgängerfirmen vom 1.4.1964.

Genau daran erinnerte Mauli die Behörden in seiner Einsprache gegen die nun zur Abstimmung kommende Teilnutzungsplanungsrevision. Die JCF schrieb in ihrer Stellungnahme dazu, dass der Vertrag 2002 von einem anderen abgelöst worden sei und dieser keine Abrede über eine Begrenzung mehr enthalte. «Mangels einer entsprechenden Abrede kann auch nicht gegen eine solche verstossen werden.» Und: Es liege kein Verstoss gegen Treu und Glauben vor, «sondern es handelt sich um ein sinnvolles und rationales Gebaren, wenn Parteien ihre Entscheidungen von Zeit zu Zeit hinterfragen, überprüfen, eine neue Lagebeurteilung machen und bei Bedarf einvernehmlich eine Anpassung vornehmen, was hier der Fall ist.»

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