Aarau
Herrlicher Sommernachtsrausch in der alten Reithalle

Der Konzertveranstalter «Gong» ermöglicht ein schönes Musiktheater, inspiriert vom «Sommernachtstraum» und «The Fairy Queen».

Sibylle Ehrismann
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Fast 100 Personen stehen beim «Sommernachtsrausch» auf der Bühne.

Fast 100 Personen stehen beim «Sommernachtsrausch» auf der Bühne.

Peter Koehl

Die Liebe ist ein ewig geheimnisvolles Ding. Mal entflammt sie für diesen, dann schlägt das Herz für jene, sie kommt und geht. So ist das, seit es Menschen gibt, die Figur des Amors, der seine Liebespfeile willkürlich verschiesst, ist ein antikes Bildnis dafür. Shakespeare hat dieses Verwirrspiel in seinem Stück «Sommernachtstraum» thematisiert, und Henry Purcell hat dazu als Zwischenaktmusik die Semiopera «The Fairy Queen» komponiert.

Diese beiden historischen Quellen bilden denn auch die Grundlage für das aktuelle Stück «Sommernachtsrausch», das am Sonntag in der Alten Reithalle Premiere feierte; ein Geschenk, das sich der Konzertveranstalter «Gong» zu seinem 40-Jahr-Jubiläum gemacht hat. Arrangiert wurde das Musiktheater mit Profis und Jugendlichen vom Komponisten und «Gong»-Präsidenten Ruedi Debrunner. Die Ensembles von Cristoforo Spagnuolo – der Chor der Kanti Wettingen und das Wettinger Stella Maris Orchestra mit der profilierten Konzertmeisterin Renate Steinmann – sorgten zusammen mit dem Gong-Improvisationsensemble für die musikalische Seite und verschmolzen die verschiedenen Stile zu einem turbulenten Liebesrausch.

Liebeswirren auf der Baustelle

Die vier Hauptfiguren von Shakespeares Liebestraum – Helena, Hermia, Lysander und Demetrius – treten als übergrosse Figuren (Puppenbau Scuba) mit charakteristisch modellierten «Köpfen» auf, die von je fünf Schauspielern der Theatergruppe AUJA! der Neuen Kantonsschule Aarau bewegt werden. Beat Knaus leitet diese Gruppe mit grossem Engagement und führte an diesem Abend wirkungsvoll Regie. Diese grossen Figuren mit ihren üppigen Reifrock-Gewändern, langen Armen und gestikulierenden Händen wirkten herrlich, sie tanzten zur Musik und gerieten in Rage, bewegten sich leichtfüssig und schwebend.

Das Liebesverwirrspiel vollzieht sich übrigens auf einer Baustelle: die Alte Reithalle vor ihrer Sanierung, daraus machte Ruedi Debrunner eine Rahmengeschichte. Ella Spillmann versucht als Regisseurin Schlör, den Bauvorsteher Bauer (Daniel Ballmer) mit allen Mitteln von ihrem Musiktheater zu überzeugen. So entsteht allmählich das Bühnenbild, das Linda Rothenbühler aus Baustellen-Material entwickelt: Die Orchestermusiker werden auf rollenden Paletten reingefahren, rot-weisse Abschrankungsbretter dienen als Requisiten der Choristen, sogar der Wald wird mit diesen stilisiert angedeutet.

Choreografie hat es in sich

So spielerisch leicht das alles wirkt, vor allem die Gruppen-Choreografie hat es in sich. Die Choristinnen und Choristen sind in schwarze Arbeitsgewänder gekleidet (Kostüme Senta Amacker) und bewegen sich ausgezeichnet, und dank der souveränen Übersicht von Cristoforo Spagnuolo ist das Zusammenspiel von Chor und Orchester gut koordiniert. Erstaunlich auch, wie gut das Improvisationsensemble und das Kammerorchester alte und neue Musik stimmig ineinander übergehen liessen.

Die Solisten werden dramaturgisch raffiniert miteinbezogen. Der Bariton Daniel Perez und die Vokalperformerin Franziska Baumann sangen wechselweise amüsante und traurige Liebes-Duette. Das Beeindruckendste war jedoch, wie sich aus den vier «Figuren» die jugendlichen Schauspieler lösten, sich tanzend verselbstständigten und als Gruppe die Gefühle der Figuren plastisch darstellten. Das Lichtspiel im Hintergrund (Hansueli Trüb) und das Live-Video, das die Darsteller auf die Rückwand beamte, gab dem Ganzen einen modernen Touch, das Publikum war begeistert.

Sommernachtsrausch in der Alten Reithalle: heute Dienstag, 20 Uhr; morgen Mittwoch, 18 und 20.30 Uhr. Vorverkauf: www.gong-aarau.ch

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