Densbüren

Herzensprojekt: Das «Jura» wird zu einem Restaurant und Kulturzentrum für alle Generationen

Voller Vorfreude: Robert Wernli, Irène Wernli, Claudia Welsch-Wernli und Koch Mike Rautenberg (v.l.) am neuen Stammtisch.

Voller Vorfreude: Robert Wernli, Irène Wernli, Claudia Welsch-Wernli und Koch Mike Rautenberg (v.l.) am neuen Stammtisch.

Damit Familie Wernli die Asper Dorfbeiz retten kann, kehrten die Töchter aus dem Ausland zurück ins Dorf.

Einst war Densbüren die Gemeinde mit der höchsten Beizendichte im Kanton. Doch das Restaurantsterben hat auch vor dem Staffeleggtal nicht Halt gemacht. Deshalb ist es umso erfreulicher für die Dorfgemeinschaft, dass das Restaurant Jura im Ortsteil Asp anderthalb Jahre nach der Pensionierung des ehemaligen Wirtepaars vor einem Neuanfang steht: Robert Wernli (70), ehemaliger Gemeinderat und in Aarau als Mitinhaber des Ingenieurbüros Ackermann+Wernli bekannt, hat die Liegenschaft gemeinsam mit seiner Frau und den beiden Töchtern gekauft. Sie planen, das «Jura» zu einem Restaurant und Kulturzentrum für alle Generationen zu machen. Ein Ort, an dem sowohl Jassturniere als auch Contemporary-Dance-Veranstaltungen stattfinden können.

Es hat Wernlis vor zwei Jahren beschäftigt, dass das «Jura» zugehen soll und aus dem Gebäude vielleicht bloss Wohnraum wird. Im Familienchat flogen Nachrichten hin und her, über Monate. Die ehemalige «Jura»-Wirtin Margrit Wildhaber merkte, dass da ein Grundinteresse am Erhalt des «Jura» da ist. Sie stüpfte immer wieder nach: Das wäre doch was für euch!

Noch ist das Restaurant eine Baustelle

Und nun wird aus der Vision Tatsache. Dafür musste das 1860 erstellte Gebäude aber angepasst werden. Der Gastraum ist jetzt eine gelungene Mischung aus Alt und Neu: Die moosgrünen Chacheli der Vorgänger kleben noch an den Wänden, aber der steinerne Boden ist einem warmen Parkett gewichen, auf dem es sich vorzüglich tanzen lassen wird. Eine Wand ist mit beiger Farbe akzentuiert: eine Bühne gibt’s für Kleinkünstler oder Sänger. Die Tische lassen sich verschieben, sodass der Raum multifunktional bleibt. Wird er nur als Restaurant genutzt, haben – ausserhalb der Coronazeit – etwa 60 Gäste Platz. Und ab nächstem Sommer soll es draussen eine lauschige Gartenwirtschaft geben.

Noch ist das Restaurant eine Baustelle, aber die Wernlis sind guten Mutes. Die Freude ist greifbar am brandneuen Stammtisch, der für das Treffen mit der Presse erstmals richtig zum Einsatz kommt. Man spürt: Für die Familie ist das neue Restaurant ein Herzensprojekt. Eines, für das die Töchter aus dem Ausland heimgekehrt sind: Die ausgebildete Primarlehrerin Claudia Welsch-Wernli (40) lebte in den letzten sechs Jahren in Bonn, ist jetzt aber mit den Kindern wieder nach Asp gezogen. Ihr Mann, Profimusiker bei der deutschen Bundeswehr, muss noch pendeln.

Irène Wernli-Blättler (38) war 17 Jahre in London zu Hause. Die Profitänzerin, spezialisiert auf zeitgenössischen Tanz, wirkte während dieser Zeit aber auch immer an Projekten in der Region mit – etwa bei der Bühne Aarau und dem Tanzfest Aarau.

Beide Wernli-Töchter haben bereits Gastronomieerfahrung und werden künftig in Teilzeit – neben der Familienarbeit – im Restaurant tätig sein. Für sie gehe damit so etwas wie ein Traum in Erfüllung, sagt Claudia Welsch. Und Irène Wernli erzählt, wie sie die Grossmutter geprägt hat: «Röösli» war eine legendäre Serviertochter im Aarauer «Rathausgarten», und die Enkelinnen durften ihr regelmässig helfen.

Das Poulet stammt aus eigener Zucht

Für die Küche hat die Familie Koch Mike Rautenberg eingestellt. Auf den Tisch kommt «internationale Volksküche», frisch und regional. Ein Fokus liegt auf Geflügel – Robert ­Wernli züchtet die Hühner der Rasse Schweizerhuhn selber –, es gibt aber auch vegetarische und ­vegane Gerichte. Der Wein kommt ebenfalls aus der Region. «Wir planen, Teil der Genuss-­Strasse im Jurapark Aargau zu werden», sagt Robert Wernli. Für ihn ist das Projekt «Jura» auch gleich ein idealer Übergang in die Pensionierung: Ende Jahr zieht er sich aus seinem Geschäft zurück.

Hinweis: Morgen Samstag, 29. August, kann die Restaurant-Baustelle von 11 bis 16 Uhr besichtigt werden. Es gibt Hühnersuppe und Chnoblibrot.

Aargauer Gastro-News 2020

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