Via Aargauer Zeitung
Holländer sucht zwei Frauen aus Gränichen, denen er vor 50 Jahren begegnete

Die az-Redaktion erhält ein Mail aus Holland: Rob Moret ist auf der Suche nach zwei Frauen, die er vor 50 Jahren bei Pontresina kennengelernt hatte und weiss: Sie kamen aus Gränichen. Wo stecken sie? «Sie müssten zwischen 65 und 70 Jahre alt sein.»

Barbara Vogt
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Das Foto aus dem Jahr 1968, das Rob Moret aus Holland nie mehr vergisst.

Das Foto aus dem Jahr 1968, das Rob Moret aus Holland nie mehr vergisst.

Picasa

Der Holländer Rob Moret langweilt sich. Statt mit seinen Schlittschuhen über die gefrorenen Kanäle zu flitzen, sitzt er im Haus, weil es Bindfäden regnet. So steigt er eben auf den Dachboden und gräbt sich durch seine Kisten.

Welch schöne Erinnerung ihm da plötzlich entgegenpurzelt: ein schwarz-weisses Foto. Es wurde im Juli 1968 auf dem Campingplatz Punt Muragl bei Pontresina geschossen. Auf dem Bild posiert Rob zusammen mit seinen holländischen Freunden Peter und Jan. Sie sitzen neben zwei Mädchen. «Sie kamen aus Gränichen», erinnert sich Rob Moret. «Wir lernten sie auf einem Spaziergang kennen.»

Rob Moret aus Holland «Immer wieder sagten sie: Gränicher Mädchen tanzen so gerne. Nie werde ich ihren schweizerdeutschen Dialekt vergessen.»

Rob Moret aus Holland «Immer wieder sagten sie: Gränicher Mädchen tanzen so gerne. Nie werde ich ihren schweizerdeutschen Dialekt vergessen.»

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Das Foto berührt Rob. Wie es den Mädels heute geht?, fragt er sich. «Sie müssen zwischen 65 und 70 Jahre alt sein.» Er kennt weder ihre Namen noch ihre Adressen. Nur, dass sie damals in Gränichen lebten, hat der Holländer nicht vergessen. Er googelt nach dem Ort und schreibt der az-Redaktion ein beherztes Mail: «Drie Hollander haben geholfen gegen die Regen in Punt Muragl. Vielleicht kann einer helfen die Frauen aus Granichen zu finden, dann bekommen sie diese Photo.»

Vielleicht hat Rob ja Glück und die Damen erkennen sich auf dem Bild wieder. Unternehmungslustig wie der Holländer ist, würde er sogar von Holland in den Aargau reisen, um ihnen das Bild persönlich zu überreichen. Doch er ist sich bewusst: «Die zwei Frauen zu finden, gleicht der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.»

Reise nach der Kirschenernte

1968 ratterten die drei Holländer Rob, Peter und Jan mit ihrem kleinen PKW der Marke Daf durch die Schweiz. Sie waren jung und abenteuerlustig und wollten mit ihrem erstverdienten Geld vom Kirschenpflücken einen kleinen Teil der Welt erkunden. Der Malojapass hatte es ihnen angetan, und trotz Sturzregen liefen sie um die grossen und kleinen Seen herum. «Das war immer noch besser, als einfach rumzuhocken», sagt Rob. Entlang dem Weg zum Campingplatz Punt Muragl trafen er und seine Freunde abends die zwei Gränicherinnen. Sie kamen vom Malojapass und suchten verzweifelt einen Schlafplatz. Die drei Holländer zögerten nicht lange. «Kommt zu uns ins Zelt», luden sie die 20-jährigen Mädels spontan ein. «Wir haben alle herrlich darin geschlafen», sagt Rob. Tags darauf – die Sonne kam zögerlich hervor – wurde das Erinnerungsbild geschossen und die drei Holländer wie auch die zwei Schweizerinnen gingen ihres Wegs. «Die Mädchen zogen weiter Richtung Zernez», erinnert sich Rob.

Es sei eine sehr schöne Begegnung gewesen, sagt der Holländer. Sie hatten es gemütlich und lustig im Zelt. «Wir sprachen auch über Politik. Wir Holländer erzählten von unserem König, die Mädels klärten uns über die Demokratie in ihrem Land auf.»

Rob wurde Geografielehrer

Heute ist Rob Moret 70 Jahre alt. Längst hat er eine Familie gegründet, sein Leben lang unterrichte er Geografie und unternahm die verrücktesten Reisen durch die Welt. Den Kontakt mit seinen zwei Freunden Peter und Jan hat er nie abgebrochen. Oft sprechen die Männer von ihrer Fahrt durch die Schweiz und ihrer Begegnung mit den Mädchen. Ihre Stimmen blieben bis heute in Robs Kopf haften. «Immer wieder sangen sie: Gränicher Mädchen tanzen so gerne. Nie werde ich ihren schweizerdeutschen Dialekt vergessen.»

Erkennen sich die zwei Frauen in der Mitte des Bildes wieder oder wissen Sie, wer gemeint ist? Schreiben Sie uns an online@azmedien.ch oder kommentieren Sie diesen Artikel.

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