Bei der Entscheidung «Berufslehre oder Gymnasium» spielt für viele Jugendliche die Möglichkeit, ein Austauschjahr im Ausland verbringen zu können, eine entscheidende Rolle. Bisher konnten vor allem Gymnasiasten von einem solchen Angebot profitieren, nun bietet die Handelsschule KV (HKV) Aarau auch den Berufslernenden diese Möglichkeit. Seit 2015 wird ein vierwöchiges Praktikum im Ausland angeboten, ab diesem Jahr kommt ein Modell mit neunmonatigem Aufenthalt hinzu.

Mit der Tellus Group aus Plymouth, Grossbritannien, hat die Handelsschule einen neuen Partner gefunden, der viel Erfahrung bei der Organisation von Sprachaufenthalten vorweisen kann und vor allem einen guten Zugang zu Arbeitgebern im Vereinigten Königreich hat. Die Lernenden besuchen während ihres Auslandaufenthalts nämlich nicht nur eine Sprachschule, sie arbeiten auch in einem Betrieb und lernen dadurch die unterschiedlichen Geschäftskulturen kennen.

Vier Wochen oder neun Monate

Am Donnerstag informierte die Handelsschule KV Aarau die Berufsbildner über die neuen Angebote. Das Modell „Short Haul“ beinhaltet ein vierwöchiges Berufspraktikum in Plymouth oder Portsmouth, neun Monate verbringen die Lernenden beim Angebot «Long Haul» in einer dieser Städte, wobei Sprachausbildungs- und Berufspraktikumszeit frei wählbar sind. Beide Angebote stehen allen Schülerinnen und Schülern des HKV Aarau offen, sie müssen jedoch bestimmte Kriterien wie gute Leistungen in Schule und Lehrbetrieb erfüllen. Und selbstverständlich ist die Einwilligung des Lehrbetriebs Voraussetzung.

Sprache und Lebenserfahrung

Vier Lernende berichteten über ihre Erfahrungen während des Auslandaufenthalts. Elias Keller hat auf eigene Faust ein Austauschjahr in Kanada organisiert und erklärte, er sei reifer und selbstbewusster zurückgekehrt – und sein Englisch sei viel besser

Natasa Pesic, die im letzten Herbst vier Wochen in Brighton verbrachte, schätzte vor allem die Möglichkeit, im Berufsalltag Englisch zu sprechen. «Ich arbeitete in einer Sprachschule und musste dort viel kommunizieren.» Michelle von Arx arbeitete in einem Hotel und meinte: «Man wird selbstständiger und schätzt auch wieder, was man zu Hause hat.» Melody Schärer, die ihr Berufspraktikum in London verbrachte, erklärte: «Man lernt, Herausforderungen zu meistern, auf die man sonst nicht stossen würde.»

Alle Lernenden betonten, dass sie bei ihrem Aufenthalt nicht nur Englisch gelernt, sondern vor allem viel Lebenserfahrung gewonnen hätten.