Aarau

Hüben «belebt», drüben «ruhig»: IG kämpft gegen die Zweiteilung der Aarauer Altstadt

Die Altstadt soll gemäss dem öffentlich aufgelegten Zonenplan-Entwurf unterteilt werden in A.1 («belebt») und A.2 («ruhig»).

Die Altstadt soll gemäss dem öffentlich aufgelegten Zonenplan-Entwurf unterteilt werden in A.1 («belebt») und A.2 («ruhig»).

Die Altstadt soll gemäss dem öffentlich aufgelegten Zonenplan-Entwurf unterteilt werden in eine «ruhige Zone» und eine «belebte Zone». Doch dies würde das Nachtleben behindern, weswegen sich die wichtigsten Aarauer Club-Betreiber und einige prominente Politiker zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben, um die Zweiteilung der Altstadt zu verhindern.

In Aarau haben sich die wichtigsten Club-Betreiber und einige prominente Politiker zur Interessengemeinschaft (IG) Nachtleben zusammengeschlossen. Ihr erstes grosses Anliegen ist die Verhinderung der Zweiteilung der Altstadt. Gemäss dem Planungsbericht für die Gesamtrevision allgemeinen Nutzungsplanung sollen in der in der Altstadt zwei Bereiche ausgeschieden werden: die «belebte Altstadt» (A.1) und die «ruhige Altstadt» (A.2). Eine A.1-Zone soll es auch im Raum Rain/Aargauerplatz geben. Diese Differenzierung ist grundeigentümerverbindlich. Das heisst, in allen Liegenschaften westlich der ersten Reihe der Häuser entlang der Rathausgasse werden ab Inkraftreten der neuen BNO nur noch «nicht störende Betriebsnutzungen» zugelassen. Einschränkungen zu befürchten hätten etwa das «Sevilla» oder die «Garasch».

«Gedeihliches Umfeld für Clubs»

Für die am Montag gegündete IG Nachtleben steht fest: «Ein florierendes Nachtleben ist eine Visitenkarte unserer Stadt und bestimmt zu einem beträchtlichen Teil ihre Attraktivität, gerade auch für jüngere Menschen.» Die IG will sich für «gute Rahmenbedingungen und ein gedeihliches Umfeld für Bars und Clubs einsetzen».

Das erste grosse Projekt ist der Kampf gegen die neue BNO mit der Unterteilung in «belebte» und «ruhige» Altstadt. Diese könne mit grossen Einschränkungen für die in der A.2 liegenden Gastrolokale verbunden sein, schreibt die IG in einer Medienmitteilung. Dass unter diesen Umständen in einer künftigen A.2 überhaupt noch neues Nachtleben entstehen könnte, sei höchst zweifelhaft.

Die IG Nachtleben nehme zur Kenntnis, dass die vorgesehene Zweiteilung der Altstadt das Resultat eines partizipativen Prozesses sei: «Nichtsdestotrotz erschliessen sich uns die Gründe für die geplante Ungleichbehandlung der zwei Altstadtgebiete nicht.» Eine Unterteilung in einen belebten und einen ruhigen Teil mache schon aufgrund der beschränkten Grösse des Altstadtperimeters keinen Sinn.

Eine solch spürbare Ungleichbehandlung auf so kleinem Raum widerspreche nicht nur dem Gerechtigkeitsgedanken, sie seit mit dem «Zustandekommen in einem partizipativen Prozess» auch weder gerechtfertigt noch hinreichend begründet. «Dass etwa dadurch die naturgemäss bestehenden Nutzungskonflikte zwischen ‹Wohnen› und ‹Nachtleben› nachhaltig entschärft würden, ist Wunschdenken», schreibt die IG.

«Eintrittstor nach Aarau»

Ausserdem sei es für eine Stadt wie Aarau eminent wichtig, dass sie eine Zone mit belebtem Wohnen anbieten könne. Die IG schreibt weiter: «Die Altstadt ist das Aarauer Quartier mit den weitaus meisten Neuzuzügern und mit dem jüngsten Durchschnittsalter der Bevölkerung. Sie ist quasi das Eintrittstor, durch welches immer wieder neue Leute nach Aarau ziehen.» Dies hängt ganz eng damit zusammen, dass die Altstadt belebtes Wohnen ermögliche und somit attraktiv für alle sei, die es gerne hätten, wenn um sie herum etwas laufe. Es darf nicht sein, dass es in Aarau nur noch ruhige Wohnquartiere gebe.

Breit abgestützt

Der IG gehören Einwohnerräte wie Nicola Müller (SP), Pascal Benz (FDP), Olivia Müller (FDP), Peter Roschi (CVP), Silvia Dell’Aquila, Christoph Waldmeier (EVP), Vera Hertig (Pro Aarau) oder Michaela Eichenberger (SVP) an. Dabei sind auch die Club- und Restaurant-Betreiber Michael Ganz (Boiler Club), Thomas Garcia (Tuchlaube, Waldmeier), Alessandro Crivaro (3. Stock, Krone, Panini), Mihael Majic (Loft), Michael Stirnemann (Garasch) und Raoul Niederreuther (Sevilla).

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Autor

Urs Helbling

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