Grosser Rat AG
«Ich werde die vielen Kontakte vermissen»: SVP-Grossrätin verabschiedet sich nach fast 20 Jahren

Vreni Friker (SVP, Oberentfelden) war zwei Jahrzehnte lang im Grossen Rat und ein Jahr lang Grossratspräsidentin. Künftig konzentriert sie sich auf Verbandsmandate.

Urs Helbling
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Vreni Friker vor der Kirche in Oberentfelden. Sie wohnt seit 1989 im Dorf.

Vreni Friker vor der Kirche in Oberentfelden. Sie wohnt seit 1989 im Dorf.

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Die letzte Sitzung ist vorbei: Sie wird ab Ende Jahr Altgrossrätin sein, bleibt aber im politischen Geschäft – einfach auf einer anderen Bühne. Nach dem Jahr als Grossratspräsidentin (2013), hat für die Oberentfelderin Vreni Friker (59, SVP) die Verbandstätigkeit einen immer höheren Stellenwert bekommen. So ist sie Präsidentin von «WaldAargau», dem traditionell einflussreichen Verband der Waldeigentümer.

In dieser Funktion konnte sie ihren letzten grossen Erfolg im Kantonsparlament feiern: Am 8. Dezember genehmigte der Grosse Rat 9,3 Millionen Franken für die Wiederbewaldung von Schadenflächen. In dem Bereich wird Vreni Friker in den nächsten anderthalb Jahren noch stark gefordert sein. Sie ist OK-Präsidentin des Jubiläums «100 Jahre WaldAargau»: Im August 2022 sollen 10'000 Besucher an den Festivitäten teilnehmen. Es wird etwa einen Holzerwettkampf geben (in Unterentfelden). Und 200 Schulklassen werden zu Waldtagen empfangen.

«Ich habe auch eine soziale Ader»

Vreni Friker sagt: «Ich fühle mich wohl in der SVP.» Sie gehöre sicher nicht der Stahlhelm-Fraktion an. «Ich habe auch eine soziale Ader.» Besonders stolz ist sie darauf, dass es ihr zweimal gelungen ist, entscheidend dazu beizutragen, dass die Beiträge an die Dargebotene Hand nicht, wie von den zuständigen Regierungsrätinnen (Hochuli und Roth) beantragt, gekürzt worden sind. «Dafür habe ich stark gearbeitet. Das hat dann aber auch sehr viel Echo ausgelöst», sagt Friker. Und es zeige, wie wichtig die überparteiliche Arbeit sei.

Sie ist auch Präsidentin vom Suizid-Netz Aargau. Und sie leitet die Alkoholzehntel-Kommission Aargau, die Gelder für Präventionsprojekte bewilligt. Diese Funktion hatte sie als Nachfolgerin von Christine Egerszegi, ist jetzt zurückgetreten, weil für dieses Amt ein amtierender Politiker vorteilhaft ist. Bleiben wird sie Geschäftsstellenleiterin des Aargauischen Zivilschutzverbandes.

Als 40-Jährige schaffte sie es in den Grossen Rat

Auf der Grossratsseite steht bei Vreni Friker unter Beruf «Familienfrau, Kaufmännische Angestellte». Ihre beiden Söhne sind längst erwachsen und nicht mehr zu Hause. Der eine arbeitet vom Emmental aus als Tierarzt an der Universität Bern. Der andere, ein gelernter Forstwart, bereitet sich auf den Master in Jurisprudenz vor – und er ist für die SVP Gemeinderat in Oberentfelden. Ein Amt, das es für Vreni Friker nicht immer einfach macht, Ortsparteipräsidentin («Wir sind eine sehr aktive Ortspartei») zu sein. Alle anderen Parteiämter wird sie jetzt abgeben.

Den Einstieg in die Politik hat sie, die in einfachen Arbeiterverhältnissen in Schlieren ZH aufgewachsen und 1989 nach Oberentfelden gekommen ist, über die Schulpflege geschafft. 2001, damals 40-jährig, wurde sie in den Grossen Rat gewählt, Ende 2005 kam das Gemeinderatsmandat dazu. Sie betreute unter anderem das anspruchsvolle Bauressort.

«Grossratspräsidentin war strenges Jahr»

Vor der Wahl zur Grossratspräsidentin im Frühling 2013 ist Vreni Friker aus dem Gemeinderat zurückgetreten (sie war Vizeammann). Obwohl ihr die Arbeit in der Gemeinde gefallen hatte, bereute sie diesen Schritt nie. «Das Jahr als Grossratspräsidentin war streng», sagt Friker, «aber ich möchte keine Minute missen». Sie habe sehr viel selber gemacht, sei nicht einfach kurz an Veranstaltungen gegangen, sondern auch geblieben. «Die Begegnungen mit den Menschen – das ist nicht zu übertreffen.» Und es entstanden dabei Beziehungen, die Frikers Verbandskarriere überhaupt erst möglich gemacht haben. Ein Sprung in die eidgenössische Politik war kein Thema, die Oberentfelderin hat nie für den Nationalrat kandidiert.

«Ich werde der Politik weiter verbunden bleiben»

Nach knapp 20 Jahren jetzt der Abschied aus dem Grossen Rat: Er ist für Vreni Friker logisch («Regelmässig den Lead für Grund verschiedene Themen zu übernehmen, braucht viel Energie»). Sie verhehlt aber nicht, dass sie neben dem lachenden auch ein weinendes Auge hat («Ich werde die vielen Kontakte vermissen»). Und sie, die Verbandsvertreterin, ergänzt: «Ich werde der Politik weiterhin verbunden bleiben.»