«Mit der Ausstellung bietet das Forum Schlossplatz Gelegenheit, sich mit der Herkunft, der kulturellen Bedeutung und mit technischen Aspekten der Glocke vertraut zu machen.»

Mit diesen Worten brachte Nadine Schneider, die Leiterin des Forums Schlossplatz, anlässlich der Vernissage auf den Punkt, was die beiden Kuratorinnen Sibylle Ehrismann und Verena Naegele mit ihrer Ausstellung bezwecken. Kein Zweifel: In dieser Ausstellung kann man viel lernen über Glocken – und man kann dabei lange im Haus am Schlossplatz verweilen.

In Aarau macht eine solche Ausstellung natürlich besonders Sinn. Sibylle Ehrismann rief es in Erinnerung: «Wir haben hier die Firma Rüetschi-Spielmann, die sich als letzte in der Schweiz mit Glocken auseinandersetzt.»

Den einzelnen Räumen wurden Themen zugewiesen. Wie zum Beispiel «Einst und heute». Als Rüetschi-Leihgabe ist unter dieser Affiche ein mechanisches Turmuhrwerk ausgestellt. Ehrismann erinnerte daran, dass in Unterkulm noch ein solches Uhrwerk läuft, das von 1536 datiert. In der Ausstellung ist ein Bild davon zu sehen.

Sodann gibt es einen «technischen» Raum, wo ein Sonograph eingerichtet worden ist. Das ist ein Gerät, das akustische Vorgänge – hier beim Anschlagen zweier unterschiedlicher Glocken – aufzeichnet und auf einem Bildschirm sichtbar macht.

Dabei sieht man, wie sich die Klangbilder der Glocken unterscheiden und wie sich der Klang mit der Zeit verändert. Weiter gibt es einen Raum «pro und kontra» (Kuh- und Kirchen-)Glocken.

«Wir möchten das thematisieren», sagt Ehrismann, «nicht aber polarisieren.» In einem «intimeren» Raum geht es um Glocken in der Kunst – von Modest Mussorgsky über Arvo Pärt zu Pink Floyd und AC DC.

Das Ganze sei «eine sehr aufwendige Geschichte» geworden, räumte Verena Naegele ein. Der Kanton, die Pro Helvetia, die Landeskirchen und andere Sponsoren haben sich finanziell beteiligt.

Und natürlich sei die Glockengiesserei Rüetschi-Spielmann ein ganz wichtiger Partner gewesen. Allerdings: «Die Barbara-Glocke von 1367, die älteste noch bekannte Rüetschi-Glocke», so Naegele, «konnten wir leider nicht aus Freiburg hierher bringen.»

Als Tonbeispiel ist sie auf den Tablets aber zu hören. Denn: «Es war uns ein wichtiges Anliegen, zu zeigen, was heute mit wissenschaftlichen Erkenntnissen alles gemacht werden kann – wie anders die Barbara-Glocke dank der Restauration durch die Glockengiesserei Rüetschi und einem neuen Klöppel nun klingt.»

Landammann Urs Hofmann kam auf die mitunter symbolische Bedeutung der Glocke zu sprechen. Stichwort Freiheit. Bestimmt hätten am 12. April 1798 die Glocken der Aarauer Stadtkirche kräftig geläutet, als vom Balkon des Rathauses aus die Helvetische Republik ausgerufen wurde, «notabene auf der Basis einer im Haus zum Schlossgarten beschlossenen Verfassung». «Daher», so Hofmann, «ist es besonders schön, dass diese Ausstellung in diesem Gebäude dargeboten wird.»