Schädling

Im Raum Aarau breitet sich eine gefährliche Raupe aus – Eniwa warnt

Sie können ganze Alleen kahlfressen und sind für Mensch und Tier eine Gefahr. Zum Beispiel beim Lauben.

Man sieht sie nicht sofort. Aber manchmal, wenn es rundherum still ist und sie sich in grosser Zahl über einen Baum hermachen, hört man sie schmatzen. Die Eichen-Prozessionsspinner-Raupen sind höchstens fünf Zentimeter lang. Ihr Appetit ist aber so gross, dass sie in kürzester Zeit Bäume, sogar ganze Alleen kahlfressen können.

Und: Sie sind eine Gefahr für Mensch und Tier. Auch in unserer Region.
Neben den Raupen des Eichen-Prozessionsspinners können auch die des Pinien-Prozessionsspinners und des Dunklen Goldafters zum Problem werden.

Sie alle haben lange Brennhaare. Diese sind noch Jahre nachdem die Raupe zu einem harmlosen Nachtfalter geworden und ihren alten Kokon mitsamt Haaren abgeworfen hat, gefährlich.

Sie reizen die Haut, die Augen und die Schleimhäute, können starke Allergien sowie Atemnot hervorrufen. Hunde, die gerne die Schnauze ins Gebüsch stecken, können sich an den Raupenhaaren im Extremfall so schlimm verletzen, dass sie eingeschläfert werden müssen.

Vorsicht ist bei Laubbläsern geboten

Dass auch Menschen Symptome zeigen, wenn sie in Kontakt mit den Raupenhaaren kommen, hat Adrian Bertschi von der kantonalen Abteilung Tiefbau selber erfahren. «Es hat Mitarbeiter unserer Abteilung bei der Grünflächenpflege erwischt», sagt er.

Die Abteilung Tiefbau betreut vor allem die Kantonsstrassen im Ausserortsbereich – inklusive der Strassenrandbereiche. Mähen und Holzen gehört dazu. Besonders, wenn die Mitarbeiter mit dem Fadenmäher unterwegs sind oder jetzt wieder mit dem Laubbläser, werden herumliegende Brennhaare aufgewirbelt.

«Ich selber war dabei, als Baumpfleger einen Bekämpfungsversuch bei einem besonders schweren Befall gemacht haben. Obwohl ich nur daneben stand, hatte ich am anderen Tag juckende Pünktchen am ganzen Oberkörper; es sah aus wie Insektenstiche. Zum Glück reagiere ich nicht allergisch – einige Menschen jedoch schon.»

«In den Hitzesommern intensiviert»

«Wir haben stellenweise seit über zehn Jahren Probleme mit den Eichen-Prozessionsspinner-Raupen», sagt Bertschi. «In den letzten zwei Hitzesommern hat es sich aber intensiviert, vor allem entlang der Radwege, wenn da Eichen stehen. Und im 2018 ist in unserem Departement auch die Abteilung Wald involviert worden, als es entlang der Waldränder Hunde erwischt hat.

Im Zuge der Klimaproblematik wird die Raupe künftig sicher noch häufiger vorkommen.» Die Eichen-Prozessionsspinner-Raupen kommen zum Teil so zahlreich vor, dass ihre Gespinste wespennestgrosse Anhänge bilden. Manchmal werden sie derart schwer, dass sie vom Baum herunterfallen. Stark betroffen ist beispielsweise die Eichenallee an der Hardstrasse in Kölliken.

«Die Bäume dort sind praktisch immer befallen und teilweise kahlgefressen», sagt Bertschi. «Die Eiche ist ein Pionierbaum, der alles überlebt hat. Aber wir haben schon stattliche Bäume gesehen, die den vierten Kahlfrass in Folge nicht mehr überstanden haben und absterben.»

Die Eichen-Prozessionsspinner-Raupe kommt natürlich nicht nur im Wald und an Strassenrändern vor. Auch private Gärten, Parks oder Spielplätze können betroffen sein. Man erkennt den Befall an den Gespinsten, an angefressenen Blättern oder auch an mehrere Meter langen Kolonnen von Raupen, die sich – Kopf an Hinterteil – wie eine Prozession fortbewegen (daher der Name).

Der Kanton erhebt die Fundorte nicht. Immerhin handelt es sich um eine einheimische Art, die in der Regel auch nicht bekämpft wird. «Nur, wenn grössere Gefahr von einem Befall ausgeht, zum Beispiel in einem Schulhof, muss man Massnahmen ergreifen. Eine Bekämpfung, etwa mit Sprühmittel, ist sehr aufwendig – die Fällung ist die radikalste, aber wirksamste Massnahme.»

Bei Fundorten an öffentlichen Orten, die keiner unmittelbaren Intervention bedürfen, setzt man beim Kanton auf Information: Vor dem Baum findet man dann Merkblätter, die der Bevölkerung erklären, womit sie es zu tun hat.

Eniwa warnt Mitarbeiter und Spaziergänger

Letztes Jahr hing ein solches Merkblatt am Aareuferweg zwischen Auenstein und Biberstein. Auch am Kanal oberhalb des Eniwa-Kraftwerks sind seit Juni Warnschilder zu finden. Sie seien nicht nur an befallenen Bäumen angebracht, sagt Eniwa-Kommunikationsleiterin Sandra Bläuer.

Vielmehr weisen sie auf den Gefahren-Perimeter hin. «Im Konzessionsgebiet von Eniwa sind Eichen entlang des nördlichen Ufers von Kanal 2 und auf dem Inseli betroffen.» Im Sommer 2018 habe ein Mitarbeiter erstmals einen Befall entdeckt und einen Spezialisten zur Entfernung aufgeboten. Nun werden die Eichen jährlich kontrolliert.

Mit den Schildern sollen «die eigenen Mitarbeitenden beim Kraftwerk und die Bevölkerung sensibilisiert und vor den Auswirkungen der giftigen Haare der Eichen-Prozessionsspinner-Raupe geschützt werden», so Bläuer.

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