Im Visier der Nachbarn
«Störfaktor»: Kampf gegen den portugiesischen Wirt des «Bom Dia»

Wie in Aarau Fernando da Silva das Leben schwer gemacht wird. Und wie sein Vermieter für ihn kämpft.

Florian Wicki
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Der Hausbesitzer Robert Gnannt (r.) engagiert sich für seinen Mieter Fernando da Silva.

Der Hausbesitzer Robert Gnannt (r.) engagiert sich für seinen Mieter Fernando da Silva.

Bild: wif

Über 150'000 Franken hat Fernando da Silva seit 2015 laut eigenen Angaben ins «Bom Dia» investiert. Das portugiesische Spezialitäten-Restaurant mit integriertem Lebensmittelladen am Aarauer Erzgrubenweg nahe beim Rombacherhof lief zu Beginn auch recht gut. Heute traut sich kaum noch ein Kunde dahin. Da Silva: «Ich habe über 90 Prozent weniger Einnahmen als vor einem Jahr.»

Schuld daran ist laut da Silva und seinem Vermieter, dem Hausbesitzer Robert Gnannt, die Nachbarschaft, die das Lokal ins Visier genommen habe.

Seit langem ein «chronischer Störfaktor»

Das Problem begann letztes Jahr nach dem ersten Shutdown, als das «Bom Dia» wie alle anderen Gastro-Betriebe wieder reduziert öffnen konnte (weniger Plätze). Weil sich das Lokal mit 12 Sitzplätzen nicht rentabel betreiben liess, richtete da Silva auf dem Vorplatz des «Bom Dias» kurzerhand eine Terrasse mit ein paar Tischen und Stühlen ein, um mit nochmals 12 Plätzen wieder auf den Stand von vor der Krise zurückzukommen. Das wurde ihm mangels Bewilligung nach Beschwerden von Nachbarn polizeilich verboten.

Als sich Gnannt und da Silva für die Bewilligung der Terrasse an die Gewerbepolizei wandten, wurden sie zur Bauverwaltung geschickt. Das Amt beschied ihnen, dass für die Terrasse eine Baubewilligung benötigt werde.

Durch die öffentliche Auflage des Baugesuchs im August wurde die Interessengemeinschaft (IG) «Tannengut 1-7» auf das Projekt aufmerksam. Am Tag nach der Publikation des Gesuchs hat diese mit einem Flugblatt die Nachbarschaft dazu aufgerufen, gegen das Baugesuch Einsprachen einzureichen, da «Lärm- und Geruchsimmissionen» in der Umgebung schon seit langem ein «chronischer Störfaktor» geworden seien:

«Mit einer Aussenbewirtung würden sich diese Probleme kumulieren, was zu noch mehr Belästigungen führen würde, oft bis in die späten Nachtstunden.»

Und weil «nur ein oder zwei Einsprecher leicht abgewiesen werden können», wollte die IG Tannengut 1-7 gemeinsam mit einer Einsprache reagieren, bevor «alles stillschweigend bewilligt und damit zementiert wird».

Der Entscheid über das Baugesuch ist bis dato noch bei der Behörde hängig. In der Zwischenzeit hat das «Bom Dia» den Betrieb wieder auf Take-away umgestellt, was zu Beginn auch gut funktioniert habe, wie da Silva erklärt: «Wir hatten ein portugiesisches Bifana-Sandwich im Angebot, für das auch Kunden aus Chur und aus Zürich den Weg zu uns auf sich genommen haben.»

Einer der Polizeibesuche (gefilmt vom Überwachungsvideo).

Einer der Polizeibesuche (gefilmt vom Überwachungsvideo).

Bild: zvg

Die Polizei ist schon 15 bis 20 Mal gekommen

Doch die Torpedierung des Baugesuchs habe der IG Tannengut nicht gereicht, so Gnannt: «Die Nachbarn wissen, dass Fernando da Silva die Bewilligung noch nicht hat, also bieten sie regelmässig die Polizei auf, wenn sie Gäste sehen, die gleich ausserhalb des Lokals ins Sandwich beissen.» Ausserdem werde die Umgebung von der Nachbarschaft strengstens überwacht und alle Bewegungen fotografisch dokumentiert.

Inzwischen sei die Polizei sicher schon 15 bis 20 Mal aufmarschiert, so da Silva, Stadt- wie Kantonspolizei und teilweise sogar zu viert, wie ein Bild der Überwachungsvideo zeigt. Gnannt:

«Diese permanenten Polizeikontrollen haben in der Zwischenzeit auch die letzten Kunden vergrault.»

So bleibt Fernando da Silva nur noch eine letzte Hoffnung: Erlaubt es der Bund Ende Mai, Gäste wieder im Innenlokal zu bedienen, darf auch er wieder Kundschaft empfangen. Wenn ihm der Schnauf bis dahin nicht ausgegangen ist.

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