Zweite Bauetappe
In dieses Loch beim Bahnhof Aarau fährt die Migros ein

Seit April wird an der zweiten Etappe des Bahnhofs gebaut. Zehn Meter tief ist die Baugrube. Im Dreck fanden Arbeiter dort eine Gleis-Drehscheibe.

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Bahnhof Aarau, zweite Bauetappe
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Der Bau ist am östlichen Ende der Baugrube (Vordergrund) wesentlich weiter fortgeschritten als am westlichen (Bildhintergrund).
In diesem Loch wird die Migros zu stehen kommen.
Seit April wird an der zweiten Etappe des Bahnhofs gebaut.
Impressionen von der Baustelle am Bahnhof Aarau (Dezember 2016)
Impressionen von der Baustelle am Bahnhof Aarau (Dezember 2016)
Impressionen von der Baustelle am Bahnhof Aarau (Dezember 2016)
Impressionen von der Baustelle am Bahnhof Aarau (Dezember 2016)
Impressionen von der Baustelle am Bahnhof Aarau (Dezember 2016)

Bahnhof Aarau, zweite Bauetappe

Raphael Hünerfauth

Manch einer, der in Aarau auf den Zug warten muss, guckt zum Zeitvertrieb ins Loch. So lässt sich die zehn Meter tiefe Baugrube bezeichnen, die sich direkt neben dem Gleis 0 befindet. Dort wird seit April 2016 die zweite Etappe des Bahnhof-Neubaus (Hauptnutzer ist die Migros) erstellt: Neun Stockwerke, davon drei unter dem Boden.

Ein Baufeld von 150 auf 30 Metern. 44 000 Kubikmeter Aushub insgesamt, davon sind etwa 30 000 schon abtransportiert. Die vielen Maschinen in der imposanten Grube und die emsigen Arbeiter – im Moment etwa 20 – locken immer mal wieder Zaungäste an.

Komplexe Situation

Bauleiter Christoph Meier von der Firma Allreal freut sich über dieses Interesse. Er hat in seiner Karriere schon grössere Baustellen betreut. «Aber diese hier», sagt er, «ist aufgrund ihrer Komplexität spannend.»

Da ist zum einen die Logistik: Die engen Verhältnisse machen Transporte und Lagerung von Material zur Herausforderung, ein grosser Installationsplatz ist nicht machbar. Herangekarrt wird nur, was man gerade braucht. Die Rampe, auf der Baumaschinen und Lastwagen auf den Grund der Baugrube fahren können, ist so steil, dass es manches grosse Gefährt nicht mehr von alleine hinauf schaffte und vom Bagger gestossen werden musste.

Hinzu kommt die unmittelbare Nähe zu den Geleisen, die besondere Absicherungen erforderten. In den Sommerferien wurde das Gleis 0 auf einer Länge von 100 Metern rückgebaut. Es mündet nun in einem Tunnel aus Holz und Stahl und bleibt bis Bauende in Betrieb.

Wenn das neue Gebäude fertig ist, fährt der Zug auf der gesamten Gebäudelänge unter dem ab dem zweiten Obergeschoss auskragenden Bau ein. Dank dieser Massnahme der Überbauung des Geleises liess sich die Wohn- und Gewerbefläche des Neubaus maximieren, ohne dass das Geleise der SBB reduziert wurden musste.

Neubau Bahnhof, zweite Etappe

Die Firma Mettler2Invest AG (Zürich) hat das Projekt entwickelt und dann an die Credit Suisse verkauft. Mettler2Invest bleibt Totalunternehmer. Als Generalunternehmung haben sie die Firma Allreal ins Boot geholt. Ankermieter für die rund 7000 Quadratmeter Gewerbefläche wird die Migros Aare. Etwa Anfang Sommer 2018 soll das neue Gebäude fertig sein. Es ist im Untergeschoss mit dem bestehenden Bahnhofgebäude verbunden, oberirdisch aber freistehend.

Insgesamt hat es neun Geschosse. Im 3. Untergeschoss befinden sich Lagerräume, im 1. und 2. eine Tiefgarage mit 285 öffentlichen und privaten Parkplätzen. Die Ausfahrt wird gemeinsam mit dem bereits bestehenden Bahnhofparking genutzt. In
Planung sind ein Supermarkt im Erdgeschoss, ein Flower-Power-Fitnesscenter im 1. Obergeschoss sowie ein Business Center im 1. und 2. Obergeschoss. Vom dritten bis zum sechsten Obergeschoss entstehen 91 Wohnungen. Das Anlagevolumen für das
Bauprojekt beträgt rund 108 Mio. Franken. (NRO)

Meyersche Stollen gefunden

Der Boden des Bauplatzes besteht etwa bis sechs Meter Tiefe aus aushubfähigem Material – etwas salopp gesagt: aus Dreck – darunter liegt Sandsteinfels, der mit einer Fräse abgetragen werden muss. Doch bis jetzt verlief alles reibungslos. «Wir sind auf Kurs», bestätigt auch Sepp Blättler, Projektmanager bei Mettler2Invest. «Bis jetzt haben wir keine Altlasten gefunden, bloss ein Stück Meyersche Stollen und eine dreissig Meter lange alte Gleis-Drehscheibe.»

Gebaut wird von Ost nach West

Je nachdem, welche Ecke der Baugrube man betrachtet, sieht man unterschiedliche Bauphasen. Die Ostseite (beim Mediapark) ist während der gesamten Bauzeit weiter fortgeschritten als die Westseite. So haben im Osten die Baumeisterarbeiten bereits begonnen. Man sieht die unteren Stockwerke – in dieser Ecke sind es nur zwei, ansonsten drei.

Ein paar Meter weiter westlich werden gerade das Fundament betoniert und rote Gummigranulat-Platten an den Rändern angebracht, damit sich die Erschütterungen des Bahnbetriebs nicht auf das Gebäude übertragen. Ganz am westlichen Ende der Baugrube ist der Aushub noch im Gange. Er dauert etwa bis im März, schätzt Bauleiter Meier.

Zirka im August dürfte der Rohbau im Ostteil seine Endhöhe von sechs Stockwerken erreicht haben, im Oktober auch im Westteil. Abgestützt wird er übrigens nicht nur mit Stahlspriessen, sondern in den Untergeschossen auch mit Baumstämmen. «Sie können grössere Lasten tragen», sagt Meier. Und Blättler scherzt: «Übernächste Weihnachten könnte man sie, als Finnenkerzen weiterverwenden.»

Stadt ist Federführend: Platz für 250 Velos

Während für die Autos unterirdische Parkplätze entstehen, besteht die Idee für ein oberirdisches Veloparking. Die Machbarkeit wurde unter der Federführung der Stadt geprüft. «Wir haben eine Studie erstellen lassen,» sagt Angela Disch, Projektleiterin Tiefbau beim Stadtbauamt. «Die Resultate liegen nun vor und werden den Anstössern vorgestellt.» Geplant ist momentan eine einstöckige, überdachte Konstruktion mit 250 Abstellplätzen. Sie entsteht über den Rampen des bestehenden Parkings (Parking am Ring). Konkret soll das Veloparkhaus die Rampe überdecken, ähnlich wie heute das Tonnendach. (NRO)

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