Aarau

Kantonsarchiv macht Teile des Ringier-Archivs öffentlich zugänglich

Am Donnerstagabend konnten Museumsbesucher erstmals einen Blick ins Ringier-Schauarchiv werfen.

Am Donnerstagabend konnten Museumsbesucher erstmals einen Blick ins Ringier-Schauarchiv werfen.

Im Stadtmusuem Aarau kann jetzt in hundertausenden Fotos aus dem Ringier Bildarchiv gestöbert werden. Das neue Schauarchiv macht einen Teil der sieben Millionen Fotos öffentlich.

Vier junge Frauen rennen am Meitlisonntag fröhlich mit einem Jüngling im Leiterwagen durch Fahrwangen, ein Walliser Polizist kontrolliert in seiner Funktion als Musikzensor die Musikbox einer Beiz und am Aarauer Maienzug strahlen die Kinder um die Wette: Diese drei historischen Aufnahmen aus den 1950er- und 60er-Jahren liegen im Ringier Bildarchiv (RBA).

Das grösste Privatarchiv der Schweiz umfasst rund sieben Millionen Fotos in Form von Abzügen, Negativen, Dias und Glasplatten aus dem Zeitraum von 1930 bis 1999 und gilt als visuelles Gedächtnis der Schweiz. Seit 2009 ist die Sammlung im Besitz des Aargauer Staatsarchivs.

Ein Teil des Bildarchivs ist nun öffentlich zugänglich. Am Donnerstagabend wurde im Stadtmuseum Aarau das neue Ringier-Schauarchiv eröffnet. In einem 19 Quadratmeter grossen Raum im 2. Untergeschoss des Museums können Museumsbesucher jeden ersten Samstag im Monat live zuschauen, wie Mitarbeiter des Staatsarchivs Fotos sichten, inventarisieren und restaurieren. Dazu verlegen sie temporär ihren Arbeitsplatz ins Stadtmuseum. Die Museumsbesucher erhalten so Einblick in die Arbeit in einem Archiv und können den Angestellten Fragen stellen.

Wem das nicht genügt, darf selber ins Archiv eintauchen, nach seinen Interessen in den Archivordnern stöbern und so Teile des analogen Bildbestand von Ringier und der fotografischen Nachlässe von Ringier-Fotografen durchsuchen. Nach Fotos der ersten Schweizer Meisterschaft im Jassen 1964 in Locarno zum Beispiel. Oder vom Weltrekord im Dauerjassen im bernischen Niederwangen.

«Unsere Besucher sollen nicht nur schauen und staunen, sondern selber auf Entdeckungsreise gehen», sagte Staatsarchivarin Andrea Voellmin gestern bei der Eröffnung. Diese Offenheit sei für das Aargauer Staatsarchiv aber nicht ohne Risiko. «Handschuhe sind Pflicht», mahnte Voellmin. Zudem gebe es jeweils eine Einführung.

«Meine Augen leuchteten»

Im Stadtmuseum können grob geschätzt zwischen 150’000 und 350’000 Ringier-Fotos angeschaut werden, also etwa zwei bis fünf Prozent des Gesamtbestandes von sieben Millionen Fotos. «Das ganze Archiv hat eine fast unvorstellbare Grösse», sagte Kulturminister Alex Hürzeler an der Eröffnungsfeier und nannte das Ringier Bildarchiv einen «Bilderschatz von nationaler Bedeutung».

Die Übernahme des Archivs im Jahre 2009 sei eine seiner ersten Amtshandlungen als Regierungsrat gewesen, und schon damals sei der Wunsch da gewesen, das Archiv der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. «Doch es gab viele Fragen zu klären, was viel Zeit in Anspruch nahm», so Hürzeler. Wie präsentiert man fotografische Perlen? Wo kommen diese am besten zur Geltung? Mit dem Aarauer Stadtmuseum habe man schliesslich einen «perfekten Kooperationspartner» gefunden, sagte Hürzeler weiter.

Das bestätige Museumsleiterin Kaba Rössler in ihrer Ansprache vor rund 40 Gästen. «Als die Anfrage vom Kanton kam, leuchteten meine Augen.» Das nun eröffnete Schauarchiv sei ein weiterer kleiner Schritt zum Aufbau eines Zentrums für Film und Fotografie im Kanton Aargau.

Ein Archiv des 20. Jahrhunderts

Das Ringier Bildarchiv war 2009 in den Besitz des Aargauer Kantonsarchivs gekommen, weil sich der Medienkonzern von seinem analogen Bildarchiv trennen wollte. Seit 2000 arbeiten die Redaktionen mit digitalen Bildern. Ringier suchte deshalb eine öffentliche Institution für die Pflege des Archivs; verbunden mit dem Wunsch, dass der Bestand der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Die Pressefotos dokumentieren die Schweizer Geschichte des 20. Jahrhunderts und decken nahezu alle Themen des öffentlichen und privaten Lebens ab: von Politik über Sport, Showbusiness und Kultur bis zur Alltags- und Frauengeschichte.

Dass der Kanton Aargau zum Handkuss kam und das Archiv als Geschenk erhielt, ist kein Zufall: Das Unternehmen Ringier war vor über 180 Jahren in Zofingen gegründet worden und hat dort heute noch seinen Hauptsitz.

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