Aarau

Kettenbrücke: Darum kann die Hilfsbrücke noch nicht eröffnet werden

Das Gerücht, es handle sich in Aarau um einen Planungsfehler, ist falsch. Aber damit man unterirdisch bauen kann, braucht’s eine Betonplatte. Im Feburar soll die Hilfsbrücke eröffnet werden.

Sie steht da, als wäre sie fertig. Sie hat sogar schon die Markierungen für die Velo- und den Fussgängerstreifen. Wer genau hinsieht, entdeckt, dass der Hilfsbrücke auf der Südseite (Seite Altstadt Aarau) ein Spickel fehlt. Der Übergang von der Brückenplatte auf das Festland ist noch nicht fertiggestellt.

Weil das schon seit Wochen so ist, und weil im Bereich des Spickels kaum Fortschritte zu erkennen sind, schiessen die Spekulationen ins Kraut. Die Gerüchte gehen so weit, dass erklärt wird, die Ingenieure hätten falsch geplant, die Auffahrt zur Hilfsbrücke liege im Bereich des südlichen Widerlagers des «Pont Neuf», in der aktuellen Terminologie «Neue Aarebrücke».

Gab’s bei der neuen Kettenbrücke eine Planungspanne? Roberto Scappaticci, Projektleiter in der kantonalen Abteilung Tiefbau, verneint. Aber er gibt zu, dass alles etwas länger dauert als erhofft. Und dass die Fachleute aktuell am «Zentimeterlen» sind. Also am Ringen um den knappen Platz – auch, damit die Fussgängersicherheit während der eindreiviertel Jahre, in denen die Hilfsbrücke genutzt wird, möglichst gross ist.

Hilfsbrücke Pont Neuf: eine erste Fahrt über Aaraus neue, temporäre Brücke

Befahren lässt sie sich schon: Ende November konnte die AZ eine erste Fahrt über Aaraus neue, temporäre Brücke machen.

Wenn jetzt nichts mehr dazwischenkommt, dürfte der Verkehr irgendwann im Februar über die Hilfsbrücke geführt werden und der Kettenbrücke-Rückbau beginnen. Die heutige Kettenbrücke wird täglich von rund 22000 Fahrzeugen und 600 Bussen passiert. Während der Bauphase dürften es nur unwesentliche weniger sein.

Grosses Augenmerk auf der Fussgänger-Sicherheit

Die Ausgangslage: Am Mittwoch, 20. November fand der Baustart für das auf etwa 33 Millionen Franken veranschlagte Projekt statt. Die Bauarbeiten sind mittlerweile rechtskräftig an die Arbeitsgemeinschaft (Arge) Kettenbrücke vergeben (Implenia, Rothpletz-Lienhard und Meier Jäggi). «Die Verhandlungen betreffend der Hauptarbeiten haben mehr Zeit in Anspruch genommen, als wir angenommen haben», erklärt Roberto Scappaticci.

Die Arge habe die Arbeitsvorbereitung so rasch wie möglich aufgenommen. Aber auch da werde mehr Zeit benötigt, als erhofft. «Wir sind daran, die Baustelle zu optimieren», so Scappaticci. Dieser Prozess müsse sorgfältig durchgeführt werden, weil die Verkehrsführung für die nächsten eindreiviertel Jahre so bleiben werde.

«Das Augenmerk liegt vor allem bei den Fussgängern. Diese kreuzen die Baustelle an den Enden der Brücke, was punkto Arbeitssicherheit kritisch ist.» Es sei eine enge Zusammenarbeit zwischen Arge, Bauleitung und Bauherrschaft gefragt.

«Vielleicht stossen wir auf die Kettenbrücke von 1851»

Aber warum geht es beim Spickel auf der Südseite der Hilfsbrücke nicht vorwärts? Hier müsse eine Betonplatte erstellt werden, erklärt Scappaticci «Diese war zwar schon immer geplant, es bestand aber die Hoffnung, dass wir auf sie verzichten können.» Leider lasse dies der vorhandene Platz nicht zu. Ein Verzicht auf die Platte hätte Kosten und Zeit erspart.

Zudem wäre das Handling für die Arge etwas einfacher geworden. Die Platte dient als Überbrückung der Grube für den Verkehr. Die Baugrube braucht’s, damit die Arge das Widerlager Süd bauen kann.
Der Bau einer derart grossen Brücke wie der neuen Pont Neuf hat auch heute noch eine abenteuerliche Komponente.

Beim «Zentimeterlen» gelte es etwa zu berücksichtigen, dass grosse, schwere Maschinen kommen würden, erläutert Scappaticci. «Und wir müssen darauf gefasst sein, dass wir im Boden Überraschungen erleben. Ungewiss ist etwa, ob wir auf die Fundamente der ‹Kettenbrücke› von 1851 stossen.»

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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