Buchs

Kinderlärm-Streit: «Man hat in dieser Siedlung keine Minute Ruhe» – nun wehrt sich die Migros-Pensionskasse

Wegen zu viel Lärm lässt die Migros-Pensionskasse abends die Securitas in ihrer Siedlung «Rösslimatt» in Buchs patrouillieren. Was sagen Anwohner dazu? Die ersten Reaktionen.

Die Migros-Pensionskasse (MPK) greift in ihrer Siedlung Rösslimatte in Buchs durch: Abends patrouillieren hier seit einigen Tagen Mitarbeitende der Securitas, um für Ruhe zu sorgen. Dies, weil «das Spielen auf dem Hartplatz und den Durchgängen bei den Häusern, begleitet von stundenlangem lauten Gebrüll und Geschrei, das verträgliche Mass zu überschreiten scheint». So steht es in einem Brief, den die MPK an alle Mieter geschickt hat. Die Liegenschaftsbesitzerin fordert darin Ruhe von 12 bis 13 Uhr und abends ab 19 Uhr. «Uns ist bewusst, dass das Spielen für die Entwicklung der Kinder sehr wichtig ist, dennoch sollten auch sie lernen, gewisse Regeln einzuhalten.» Und: «Beim Spielen draussen ist unnötiges Schreien der Kinder allgemein zu mässigen.»

Eine, die die Überbauung sehr gut kennt, ist die Buchser Einwohnerrätin und SVP-Vizepräsidentin Jasmin Maron: Sie ist ab 1999 in der Rösslimatte aufgewachsen. Seit drei Jahren wohnt sie – selber Mutter einer einjährigen Tochter – zwar im Nachbarquartier, ist aber fast täglich in der Rösslimatte bei Verwandten anzutreffen. Die Siedlung hat über 500 Wohnungen. 4,5 Zimmer sind ab etwa 1700 Franken zu haben – kein schlechter Preis: Die Rösslimatte liegt relativ zentral und gut erschlossen, die Wohnungen sind modern. Primar- und Oberstufenschulhäuser befinden sich ganz in der Nähe, der Kindergarten sowieso. Ideal für Familien. Die Migros Pensionskasse bewirbt die Wohnungen denn auch mit Phrasen wie «Familien aufgepasst!».

«Kaum sind die Kinder im Bett, legen die Erwachsenen los»

«Es hat heute tatsächlich viel mehr Kinder in der Rösslimatt als früher – zeitweise war ich fast die Einzige», erinnert sich Jasmin Maron. Dadurch habe sich aber die Lärmbelastung erheblich vergrössert. «Das Problem ist: Der Krach beginnt um sieben oder acht Uhr morgens und hält den ganzen Tag an, bis spätabends. Man hat in dieser Siedlung keine Minute Ruhe. Kaum sind die Kinder im Bett, legen die Erwachsenen los.» Die Architektur helfe dabei auch nicht: «Viele Wohnungen sind so angelegt, dass die Schlafzimmerfenster der einen Wohnung neben den Balkonen der anderen liegen. Wird dort gefeiert, ist Schlaf unmöglich.»

Die MPK versucht laut Anwohnern seit mehreren Jahren, das Problem in den Griff zu bekommen. Unter anderem mit Infozetteln an alle Mieter. Einzelne Lärmverursacher wurden auch direkt angeschrieben. Der AZ liegt zudem ein Brief vor, den einige Anwohner im Juni 2019 an die Liegenschaftsbesitzerin geschickt haben. Darin fordern sie verbindliche Regeln für den Kinderspielplatz und den Grillplatz. Die Rede ist von «unkontrollierter Benutzung zu allen beliebigen Tages- und Nachzeiten», von «permanent kreischender und keifender Kinder, auch in Anwesenheit der Eltern» und von Wildpinklern – grossen wie kleinen – die «in die Hecken urinieren».

Laut Anwohnern waren es nicht die Kinder, die das Fass zum Überlaufen brachten.

Laut Anwohnern waren es nicht die Kinder, die das Fass zum Überlaufen brachten.

Früher habe der Hauswart durchgegriffen, heisst es in der Siedlung. Seit dessen Pensionierung sei der Hauswartung die Lage entglitten. «Nun musste die MPK halt zu härteren Massnahmen greifen, weil es ausgeartet ist», sagt eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie finde es nicht richtig, dass die MPK nun als Kinderhasserin dastehe. «Es waren nicht die Kinder, die das Fass zum Überlaufen gebracht haben», schildert sie.  «Die Erwachsenen stören mit lautstarken Telefonaten und Musik, sodass die ganze Siedlung etwas davon hat. Es werden bis 1 Uhr morgens Partys gefeiert.»

«Vor allem Kinder von Anwohnern mit Migrationshintergrund»

Den Kindern könne man keine Schuld geben, findet auch Jasmin Maron. «Sie sollen spielen dürfen. Und dabei darf es auch lärmig sein – aber eben nicht ständig. Es sind die Eltern, die darauf achten müssen, dass sich ihre Kinder an gewisse Regeln halten. Wir haben noch gelernt: Über Mittag und abends ist Ruhe.» Maron sagt, sie kenne auch einige Familien in der Rösslimatte, die ihre Kinder morgens aus dem Haus schicken und abends wieder einsammeln. «Diese Eltern merken gar nicht, ob ihre Kinder jemanden stören.» Maron bestätigt eine Aussage, die SVP-Parteipräsident Samuel Hasler gegenüber dem «Tagesanzeiger» gemacht hat: «Das sind vor allem Kinder von Anwohnern mit Migrationshintergrund.»

Ein anderer ehemaliger Rösslimatte-Bewohner, der die Siedlung kürzlich nach über 13 Jahren entnervt verlassen hat, sagt: «Wir sind unter anderem wegen dem Kinderlärm ausgezogen- er hat jegliches verträgliche Mass überschritten. Es wohnen nun zudem einige Eltern dort, die sogar noch lauter sind als ihre dauerhaft schreienden Kinder. Einer Seniorin sagten diese Mütter auf ihre Lärmreklamationen hin, sie solle ausziehen, wenn es ihr nicht gefalle.» Offenbar ziehen das manche Mieter in Betracht: «Wir wohnten in einem Trakt mit acht Wohnungen. Zwei davon sind nun leer, und von den verbliebenen sechs Parteien suchen vier auch schon nach anderen Wohnungen.»

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