Coronakonform
Kleiner, feiner und anders: Das Aarauer Zirkusfestival cirqu’8 findet im Juni 2021 statt

Das Aarauer Zirkusfestival cirqu’8 findet im Juni 2021 statt. Kleiner, feiner, anders – und mit einem 12-Meter-Silo.

Katja Schlegel
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Zirkus von oben bis unten: Dieses Silo (hier aufgebaut in Frankreich) soll im Juni auf dem Schlossplatz Zirkus der anderen Art bieten.Bild: zvg

Zirkus von oben bis unten: Dieses Silo (hier aufgebaut in Frankreich) soll im Juni auf dem Schlossplatz Zirkus der anderen Art bieten.Bild: zvg

CH Media

Das gibt einen Zirkus. Einen anderen; kleiner, leiser, dezentraler, spontaner. Anders als alles, was man kennt. Aber es gibt ihn: Vom 10. bis 20.Juni 2021 findet das Aarauer Zirkusfestival ­cirqu’8 statt.

Nicht, dass die Organisatoren jemals an eine Absage gedacht hätten. «Wir haben an vieles gedacht, aber nie ans Aufgeben», sagt Roman Müller, künstlerischer Leiter des Festivals. «Wir haben immer nur einen Weg gesucht, das Festival trotzdem veranstalten zu können.» Jetzt erst recht.

Keine Zeit mit Verschieben und Absagen vergeudet

Mehrgleisiges Planen gehört für das cirqu’-Team seit Beginn des Umbaus der Alten Reithalle dazu, der Zweijahresrhythmus sowieso. Ein Festival im Jahr 2020 war nie geplant, die Ausgabe 2021 wegen der Verzögerungen beim Umbau seit Monaten als Spezialausgabe aufgegleist.

«Im Nachhinein haben sich die Verzögerungen als Glücksfall herausgestellt», sagt Roman Müller. Während andere Organisatoren mit dem Hier und Jetzt beschäftigt waren, sich um Verschiebedaten, Absagen, und Ausfallentschädigungen kümmern mussten, konnte das cirqu’-­Team sich einzig und allein dem Festival 2021 widmen.

Umdenken mussten Roman Müller und Geschäftsleiterin Madlaina Bundi durchaus: Das angedachte Zeltfestival im Schachen soll so nicht stattfinden. Es hätte vom Gewusel gelebt, vom Versammeln und vom grossen Publikum. Jetzt planen die Festivalmacher anders: Sie bringen den Zirkus unter die Leute, mitten hinein in den öffentlichen Raum. Als Einzelperformance beispielsweise, in der der Zuschauer selber zum Artisten wird und die Stadt so ganz anders wahrnimmt. Oder als Langzeitperformance, bei der ein Künstler über Tage hinweg beim Schaffen von etwas Grossem beobachtet werden kann; spontan, beim Vorbeigehen.

Auch das Stadtmuseum soll im Mai und Juni bespielt werden, ebenso wie das Forum Schlossplatz. Noch ist nicht allzu viel spruchreif, vieles erst skizziert. Aber Roman Müller leuchtet förmlich, wenn er von den Ideen erzählt.

«Wir zerstückeln nicht, sondern denken kleiner»

Eines darf er verraten: Auf dem Schlossplatz soll ein 12 Meter hohes Silo aufgebaut werden. In der Mitte spielen die Artisten in der ganzen Höhe, die Zuschauer sitzen auf zwei Stuhlreihen, die sich der Silowand entlang in die Höhe schrauben; eine Doppelhelix mit je 50 Sitzplätzen. «Eine grosse Sache auf kleinem Raum», sagt Müller – und das ist das Konzept für cirqu’8: Die Darbietungen sollen nicht passend gemacht werden, sie sind passend. «Wir zerstückeln und verbiegen die Inszenierungen nicht, um sie coronakonform zu machen, sondern denken neu, anders, kleiner», sagt Müller.

Das zermürbe ihn nicht etwa, im Gegenteil. «Ich sehe es als Chance, als Herausforderung, neue Arten zeitgenössischer Zirkuskunst nach Aarau zu bringen.» Diese Formen sichern die Durchführung des Festivals – den Garaus machen könnte ihm einzig ein Lockdown.

Dass ein Zirkusfestival, erst recht im öffentlichen Raum veranstaltet, durch Sponsoren finanziert werden muss, ist klar. Diesbezüglich machen sich die Veranstalter aber keine Sorgen. «Wir sind erstaunt, wie viele positive Rückmeldungen wir selbst von kleinen Unternehmen bekommen haben», sagt Madlaina Bundi. «Die Leute lechzen nach Unbeschwertheit, nach gemeinsamer Freude, nach Erlebnissen. Was passt da besser als Zirkus?»