Kolumne
Unersetzliche Industrie in diesen Zeiten

Yannick Berner, FDP-Grossrat, Betriebswirt und Einwohnerrat, über Industriebetriebe und ihre Wichtigkeit für die Versorgung.

Yannick Berner
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Dass die Industriebetriebe unverzichtbare Beiträge für die Versorgung der Bevölkerung leisten, wird oft erst auf den zweiten Blick realisiert. (Symbolbild)

Dass die Industriebetriebe unverzichtbare Beiträge für die Versorgung der Bevölkerung leisten, wird oft erst auf den zweiten Blick realisiert. (Symbolbild)

Keystone

Aarau wird heute vor allem als Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum wahrgenommen. Die Kantonshauptstadt war einst jedoch ein wichtiger Impulsgeber für die Industrialisierung. Gerade bei der Neugestaltung des Aeschbachquartiers rückten in Aarau fast vergessene Firmennamen wie A. Oehler & Co., Fritz Aeschbach sowie Sprecher + Schuh wieder ins Bewusstsein und damit verbunden die Tatsache, dass der Aargau immer ein Industriekanton war und bis heute geblieben ist.

Yannick Berner ist Geschäftsleitungsmitglied im Familienunternehmen.

Yannick Berner ist Geschäftsleitungsmitglied im Familienunternehmen.

Britta Gut

Corona hat unser Wertesystem komplett auf den Kopf gestellt. In der Krise zeigte sich plötzlich, welche Branchen und Berufe systemrelevant sind. Dass die Industriebetriebe unverzichtbare Beiträge für die Versorgung der Bevölkerung leisten, wird oft erst auf den zweiten Blick realisiert. Viele der Industriebetriebe produzieren weltweit Maschinen zur Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln, für lebensrettende Geräte und Instrumente im Gesundheitswesen sowie für eine Vielzahl von Gütern des täglichen Bedarfs. Diese Maschinen und Geräte funktionieren nur dank einer Vielzahl von Zulieferfirmen – vom Schrauben- bis zum Motorenhersteller.

Dazu ein Beispiel aus unserem Familienunternehmen: Ein Mitarbeiter, welcher über längere Zeit einen Kundenauftrag in China abwickelte, wollte zum Abschluss des Projektes – wie üblich – die letzten Tests beim Kunden in Schanghai selbst durchführen. Das hiess zwei Wochen Quarantäne bei Ankunft. Dank seiner hohen Belastbarkeit nahm unser Mitarbeiter dieses «Survival-Training» in der kasernenartigen Unterkunft sportlich und mit Humor. Uns ist bewusst, er erbrachte damit ein grosses Opfer für die Firma, notabene unseren Werkplatz.

Zur Person

*Yannick Berner

*Yannick Berner

Yannick Berner (28) ist Betriebswirt, FDP-Grossrat, Einwohnerrat und Geschäftsleitungsmitglied im Familienunternehmen. Er wohnt in Aarau.

Dass wir für unser bald 60-jähriges Unternehmen schon früh die digitale Transformation vollzogen hatten, erleichterte die Herausforderungen, welche die Pandemie mit sich brachte. Gleichzeitig zeigte die veränderte Arbeitssituation auch die Grenzen der Digitalisierung auf. Unsere Applikationen sind derart kundenspezifisch, dass unsere Projektverantwortlichen beim Kunden vor Ort an der Maschine umfassende Tests durchführen müssen.

Rund 12 Milliarden Schweizer Franken weist der Aargauer Exportanteil auf. Damit verbunden sind rund 94 000 Arbeitsplätze. Besonders die Maschinen- und Metallindustrie, welche bereits in den vorangegangenen Jahren eine durchzogene Auftragslage erlebte, – nicht zuletzt aufgrund des starken Schweizer Frankens – indizierte vor allem in der ersten Corona-Welle ein Stimmungstief. Das zeigt die neuste Wirtschaftsumfrage der Aargauischen Industrie- und Handelskammer. Erfreulicherweise hinterliess die zweite Welle alles in allem weniger Umsatz- und Gewinneinbussen. Da wir uns wohl noch eine Weile auf das Leben mit Covid-19-Rahmenbedingungen einstellen müssen, sind auf politischer Ebene sinnvolle Erleichterungen für Unternehmen durchaus prüfenswert wie zum Beispiel Reise- oder Steuererleichterungen. Firmen und ihre Mitarbeitenden sowie Kunden und Lieferanten benötigen eine Planungs­sicherheit.

Kürzlich wurde bekannt, dass Rockwell Automation ihre Produktion im Aeschbachquartier aufgeben wird und auf Forschung und Entwicklung setzt. Dass der Aargau auch hier die Nase vorne hat, zeigen einige ernstzunehmende Start-ups, welche in den letzten Jahren aus dem Paul- Scherrer-Institut, der Fachhochschule Nordwestschweiz oder dem Hightech Zentrum hervorgingen. Tragen wir den Aargauer Unternehmen Sorge und schaffen wir auch in diesen Zeiten Rahmenbedingungen, die helfen, auch die Arbeitsplätze zu erhalten. Unser Kanton soll ein attraktiver Standort für Firmen bleiben.

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