Buchs
Kritische Fragen zum neuen Schulhaus Risiacher

Der Kredit für das neue Schulhaus wurde am Infoabend ausgiebig diskutiert.

Nadja Rohner
Drucken
Teilen

SEVERIN BIGLER

Ohne Redner und Gemeinderäte waren es knapp 50 Personen, die den Weg in den Gemeindesaal fanden – das Interesse der Buchser an der Infoveranstaltung zum Neubau Primarschulhaus Risiacher war immerhin grösser als noch beim sehr spärlich besuchten Infoabend zum Budget im letzten Herbst.

Das stellte auch Gemeindeammann Urs Affolter erfreut fest – immerhin handle es sich um eine der grössten Investitionen, die die Gemeinde Buchs je getätigt hat. Der Kredit über 18,85 Mio. Franken kommt am 19. Mai an die Urne. Das Pro-Komitee hat sich schon formiert. Und an der Infoveranstaltung erhielten diese Woche nun auch Kritiker erstmals Gelegenheit, Antworten einzufordern.

«Altes Schulhaus» wird aufgegeben

Kreisschulpflegepräsident Daniel Fondado erläuterte den steigenden Bedarf an Schulraum – und warum es Sinn mache, künftig für die Primarschule nur noch das Risiacher-Schulhaus und das in der Gysimatte zu haben. Der Standort «Altes Schulhaus» mit vier Abteilungen wird mittel- bis langfristig aufgegeben. Auf eine entsprechende Frage von Grünen-Einwohnerrat Werner Schenker sagten die Gemeinderäte, die künftige Verwendung der Räume sei noch nicht bestimmt. Möglich wäre eine Nutzung durch die ohnehin an Raumnot leidende Verwaltung, oder auch eine temporäre Nutzung durch die Primar Gysimatte, bis die auch dort nötige Bauerei abgeschlossen ist.

Was «gesteigerter Schulraumbedarf» bedeutet, illustrierte die Leiterin der Abteilung Bau und Planung, Susanna Lehmann Sokac. 1970, kurz nach der Eröffnung des Risiacher-Schulhauses, gab es 1021 Schüler und 32 Klassen. Damals seien bis zu 40 Kinder in eine Kindergartenklasse gesteckt worden, so Lehmann. Erlaubt ist das heute natürlich nicht mehr: 2017 gab es in Buchs noch 946 Schüler – aber 51 Klassen.

Auch führte Lehmann aus, wie schlecht die Energiebilanz des heutigen Risiacher-Schulhauses sei. Es handle sich um eine «CO2-Schleuder sondergleichen». Mit dem Neubau könne man den jährlichen CO2-Ausstoss um 72 Tonnen reduzieren (das entspricht etwa 60 Flügen von Zürich nach New York). Die auf dem Neubau-Dach geplante Photovoltaik-Anlage decke einen Drittel des Stromeigenbedarfs ab; sie könne innert acht Jahren abgeschrieben werden. Lehmann erklärte, dass das Schulhaus im schweizweiten Vergleich günstig sei: Für Bildungsbauten werde in der Schweiz mit 4000 Franken pro Quadratmeter oder 1,4 Mio. pro Abteilung gerechnet – in Buchs seien es 3780 Franken respektive 1,178 Mio. Franken.

Was ist der Plan B?

Gemeindeammann Urs Affolter betonte, der Gemeinderat arbeite daran, die Gemeinde attraktiver zu machen, und «dazu gehört nicht nur der Strassenbau». Er nutze die Gelegenheit, Vorbehalte zu adressieren. Zum Beispiel, dass es sich um einen Luxusbau handle. «Das stimmt einfach nicht! Wenn man die Benchmark-Zahlen anschaut, sieht man, dass äusserst vorsichtig gerechnet wurde.» Zum Minergie-Standard sagte er: «Wir machen nichts, was wir nicht müssen. Ich würde gerne mehr machen, aber wir beschränken uns auf die politisch verträgliche Lösung.» Und ob der Gemeinderat einen Plan B habe, falls die Stimmbürger an der Urne Nein sagen? «Dann behalten wir die alte Hütte auf irgendeine Art am Leben und kaufen teure Containerlösungen. Das ist aber keine vernünftige Alternative.» Ausserdem wären die bisher aufgelaufenen Kosten – rund 760 000 Franken, etwa fünf Steuerprozente – verloren.

Wieso so viele Reserven?

Die Besucher nahmen die Gelegenheit wahr, kritische Fragen zum Projekt zu stellen. Urs Schweizer wollte etwa wissen, weshalb ganze 1,5 Mio. Franken als Reserve für Unvorhergesehenes eingeplant wurden. «Es ist überhaupt nicht so, dass man die einfach aufbrauchen wird», gab Ammann Affolter zu verstehen. Bei einem Projekt dieser Grössenordnung, das überdies teilweise nicht auf der grünen Wiese erstellt würde, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass etwas Unvorhergesehenes zum Vorschein komme. Der für Buchs aussergewöhnliche Umfang des Projekts war auch das Argument Affolters auf die Frage, weshalb es eine externe Projektunterstützung brauche.

Gefragt wurde zudem, ob es die Sprint- und Weitsprunganlage unbedingt brauche («Das gehört zu einer Schulanlage»), ob die Umgebungsarbeiten im Gesamtleistungspreis mit einberechnet sind («Ja»), ob Buchser Kinder künftig in Küttigen in die Oberstufe müssen («Nein, das ist überhaupt nicht vorgesehen»), ob das neue Schulhaus um ein Stockwerk erweiterbar wäre («Das ist grundsätzlich denkbar»), ob man auch einfach auf das alte Risiacher-Schulhaus noch ein Stockwerk stellen könnte («Nein, wegen der Statik») oder wer die Photovoltaik-Anlage auf dem Schulhaus betreibe («die Gemeinde»).

Der einzige Applaus des Abends ging an einen Besucher, dem Detailfragen zu vergleichsweise kleinen Ausgabeposten gegen den Strich gingen: «Nach 50 Jahren können wir das Schulhaus doch einfach mal bauen, ohne solche Fragen zu stellen. Mir ist lieber, meine Steuergelder werden in die Zukunft der Schüler investiert als in neue Strassen.»

Aktuelle Nachrichten