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Längere Öffnungszeiten abgelehnt: Party-Volk darf in Aarau weiterhin nicht durchfeiern

In Aarau dürfen Club-Besucher fast überall nur bis 4 Uhr feiern. Das gilt übrigens auch in Baden und Olten. iStockphoto

In Aarau dürfen Club-Besucher fast überall nur bis 4 Uhr feiern. Das gilt übrigens auch in Baden und Olten. iStockphoto

Der Aarauer Stadtrat lehnt eine generelle Verlängerung der Club-Öffnungszeiten bis 6 Uhr ab. Damit müssen diese nach wie vor zwei Stunden vorher schliessen.

Es ist eine traurige, aber nicht gerade überraschende Nachricht für die Aarauer Nachtschwärmer: Der Stadtrat hat das Begehren einer Arbeitsgruppe um längere Club-Öffnungszeiten abgelehnt. Die Aarauer Clubs müssen weiterhin um 4 Uhr schliessen.

Eine Projektgruppe hatte im April einen Projektvorschlag beim Stadtrat eingereicht, um «die Aarauer Altstadt für junge und jung gebliebene Menschen beleben und attraktiv sowie anregend gestalten» zu können. Unterzeichnet wurde das Schreiben von Michael Ganz (früherer Stadtrat und Clubbetreiber), Dominic Zimmerli (Clubbetreiber) und den drei freisinnigen Einwohnerräten Olivia Müller, Pascal Benz und Silvano Ammann.

Die Forderung: Clubs sollen während einer Testphase von drei Monaten die Möglichkeit haben, ihre Öffnungszeiten freitags und samstags bis 6 Uhr zu verlängern. Das soll nicht zu mehr, sondern zu weniger Lärmbelastung der Anwohner führen. Denn, so die Argumentation der Projektgruppe, bei einem späteren Zapfenstreich würden sich die heimkehrenden Gäste auf einen längeren Zeitraum verteilen. Zudem fahren ab 6 schon wieder Busse. Es käme dann nicht mehr vor, dass um 4 Uhr plötzlich Menschenmassen aus den Clubs strömen und sich dann zu Hauf in den Altstadtgassen aufhalten, bis der erste Bus fährt.

Die Testphase, so lautete der Vorschlag weiter, solle durch eine Arbeitsgruppe begleitet werden, die sich aus Anwohnern, Clubbetreibern, Clubbesuchern, Stadtpolizei und Bauamt zusammensetzen könnte.

Der Vorschlag hatte bei den Aarauer Clubbesitzern breite Unterstützung gefunden, etwa vom «Boiler» (Rathausgasse), dem «Utopia» (Frey-Herosé-Strasse), dem «3. Stock» (Kronengasse), der «Laguna-Bar» (Vordere Vorstadt) oder auch dem Jugendkulturhaus Flösserplatz. Vergebens, wie sich nun herausstellt.

Denn am Montag hat der Stadtrat dem Begehren eine Absage erteilt. Aus formal-juristischen Gründen: Zwar könne «der Stadtrat die Öffnungszeiten der einzelnen Betriebe auf Dauer oder für eine längere Frist erweitern», sagt Stadtpräsidentin Jolanda Urech auf Anfrage. Sie beruft sich auf den entsprechenden Paragrafen im Gastgewerbegesetz.

Rechtliche Gründe

«Eine solche Verlängerung kann allerdings immer nur bezogen auf einen bestimmten Betrieb im Baubewilligungsverfahren angeordnet werden und nicht, wie in der vorliegenden Anregung dargestellt, gleichzeitig mehrere Betriebe umfassen.» Aus rechtlichen Gründen könne der Vorschlag der Arbeitsgruppe also nicht umgesetzt werden. «Es ist den einzelnen Betrieben aber unbenommen, um verlängerte Öffnungszeiten beim Stadtrat zu ersuchen», so Urech weiter. Das Gesuch müsste öffentlich aufgelegt werden.

In Aarau hat bisher einzig der Club Schlaflos eine solche Bewilligung. Der Betrieb im Industriegebiet Telli macht seinem Namen alle Ehre und hat bis 6 Uhr offen. Ein Blick in die vergleichbaren Städte der Region zeigt: Auch in Olten und Baden müssen die Clubs um 4 Uhr dichtmachen. In Baden ist aber seit über einem Jahr das Begehren des Elektro-Clubs «Kiste» beim Stadtrat hängig. Auch dort soll künftig bis 6 Uhr gefeiert werden dürfen.

Man wollte «Bedenken zerstreuen»

Die Arbeitsgruppe zeigte sich gestern enttäuscht über den abschlägigen Entscheid. «Der Stadtrat hat sich nur oberflächlich mit dem Projektanliegen auseinandergesetzt», schreibt sie. Man habe versucht, den Stadtrat «von seiner sehr restriktiven Bewilligungspraxis bei den Club-Öffnungszeiten abzubringen, also ein stark gelockertes Bewilligungsregime herbeizuführen». Mit der 3-monatigen Pilotphase habe man «Bedenken zerstreuen» wollen. «Der Stadtrat zeigt jedoch kein Interesse daran, auch nur zu prüfen, welche Auswirkungen eine Lockerung der Bewilligungspraxis respektive Öffnungszeiten bis 6 Uhr für die Aarauer Clubs hätte. Private Club-Betreiber werden so vertrieben und Aarau wird immer mehr zu einer gemütlich-apathischen Schlafstadt, in der die Jugend nichts mehr zu suchen hat oder in Randlagen vertrieben wird», so die Projektgruppe. Man erwarte, dass der Stadtrat «auf seinen Entscheid zurückkommt».

HIER geht es zu der Petition für längere Club-Öffnungszeiten.

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