Gränichen

Langjähriger Bauleiter geht in den Ruhestand: «Es wurde immer verrückter mit dem Bauboom»

Franz von Matt war seit 2006 Bauleiter in Gränichen.

Franz von Matt war seit 2006 Bauleiter in Gränichen.

Vierzehn Jahre lang hatte er die Leitung der Abteilung Bau Planung Umwelt in Gränichen inne. Nach vielen grossen Projekten, über 2000 erteilten Baubewilligungen und einem Herzinfarkt geht Franz von Matt (64) nun in den Ruhestand.

Als Franz von Matt vor 14 Jahren die Leitung der Abteilung Bau Planung Umwelt in Gränichen übernommen hat, wohnten dort 6400 Menschen. Heute sind es mehr als 8000. Den Bauboom in der Zeit erlebte er hautnah mit, erteilte an die 200 Baubewilligungen jedes Jahr. Auf die vielen Neuerschliessungen, etwa im Gebiet Rütenen oder an der Lochgasse, und die Strassenbauprojekte ist er stolz. Vor allem weil er es als damals Neuling geschafft hatte, «mit landschonenden, vernünftigen Strassenbreiten» das Volk von den Projekten zu überzeugen. «Ich wurde damals gleich zu Beginn ins kalte Wasser geworfen», sagt er. «Hätte ich gewusst, was alles auf mich zukommt, hätte ich den Mut dazu wohl nicht gehabt.»

Selbst als Bauleiter habe er aber keinen Einfluss nehmen können auf die vielen Neuüberbauungen der letzten Jahre: Erfüllt ein Baugesuch die Vorgaben, bleibt nicht anderes übrig, als die Bewilligung zu erteilen. «Es wurde immer verrückter und auch heute ist kaum ein Ende in Sicht», sagt er, obwohl die Baulandreserven in Gränichen langsam ausgeschöpft sind. Diesen «Landverschleiss wegen Investoren und Pensionskassen, die in den Gebäuden Geld parken», bezeichnet er heute hart als «verheerend», gar «krankhaft». Künftig dürfte in Gränichen der Fokus vermehrt auf Umbauten oder Abrisse und Neubauten liegen.

Nicht nur die neuen Überbauungen haben ihm in den letzten Jahren viel Arbeit bereitet. Die Liste seiner Errungenschaften ist lang, beinhaltet etwa grosse Projekte wie die vielen Schulhaussanierungen und den neuen Kindergarten, den Lindenplatz, den Werkhof, die Renaturierung der Wyna, die Totalrevision der Nutzungsplanung oder auch Freizeitanlagen wie der neue Sportplatz, den Waldseilgarten oder den Bike-Lehrpfad.

«Ich habe ein neues Leben geschenkt bekommen»

Weiterhin beschäftigen wird er sich mit dem Projekt Veras (Ost- und Südumfahrung Suhr), in das er seit Jahren eng eingebunden ist. Der sehr beliebte Mitarbeiter wird dafür in einem Mini-Pensum für die Gemeinde tätig bleiben. Als Bauleiter wurde er gestern feierlich verabschiedet. Die Nachfolge hat seine frühere Stellvertreterin Susanne Stadelmann bereits angetreten.

Ein Herzinfarkt im November hatte Franz von Matt gezwungen, kürzerzutreten. Nur drei Wochen danach starb unverhofft seine Ehefrau. Den Entscheid, mit 64 Jahren etwas vorzeitig in Pension zu gehen, hatte er aber bereits vor einem Jahr gefällt.

Nach einer Bypass-Operation ist er heute wohlauf. War der Herzinfarkt das Ergebnis vom grossen Arbeitsstress? «Es spielten auch andere Faktoren mit», beschwichtigt er und gibt sich glücklich: «Ich habe ein neues Leben geschenkt bekommen.» Dieses wird sich erst um seine 200 Meter lange Garteneisenbahn drehen: Als Abschiedsgeschenk hat er von seinen Arbeitskollegen eine symbolische Baubewilligung dafür erhalten.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1