Suhr

Lieber Landammann-Stammtisch als Sprechstunde

«Eine der wenigen richtigen Beizen der Region»: Urs Hofmann (M.) diskutiert mit Ruedi Oehninger.

Im Restaurant Sportplatz in Suhr hatte Regierungsrat Urs Hofmann ein doppeltes Heimspiel. Der Stammtisch bietet eine unkomplizierte Möglichkeit, mit einem Regierungsrat zusammenzusitzen und zu diskutieren.

2011, als er zum ersten Mal Landammann war, erfand Urs Hofmann (SP) für den Aargau den Landammann-Stammtisch. Die Idee: «Eine unkomplizierte Möglichkeit bieten, mit einem Regierungsrat zusammenzusitzen und zu diskutieren.»

Urs Hofmann, Fan des FC Aarau, kennt das Restaurant Sportplatz in Suhr. «Das ist die Beiz, in der ich am häufigsten bin», sagt er, eine der «wenigen richtigen Beizen in der Region». Hier hat er nicht nur seinen 50. Geburtstag gefeiert und seine erste Landammannfeier abgehalten: «In der Match-Pause gehe ich hier eins ziehen.»

Die Beiz füllt sich nach 19 Uhr. Zuerst der runde Stammtisch. Rund drei Dutzend Personen haben sich eingefunden. Der Landammann hat ein Heimspiel, braucht keinen Chauffeur. Man bestellt ein Bier, und die Wirtsleute servieren Spaghetti Bolognese, offeriert von Gastro Aargau, dem Verband der Aargauer Gastronomen. «Beizendividende», sagt einer. Langsam läuft der Abend an.

Nicht alles desolat im Gesundheitsdepartement

Urs Hofmann trifft seine ehemalige Wölfli-Führerin «Schlingel», alias Judith Jean-Richard. Thema an diesem Tisch? Die Regierungsratswahlen. Urs Hofmann meint, dass im Gesundheitsdepartement, nicht alles desolat sei, nur in «bestimmten Bereichen gibt es unzulängliche Situationen». Einig ist man sich, dass angesichts der Zahl der Kandidierenden ein zweiter Wahlgang nötig sein werde.

Urs Hofmann referiert nicht; vielmehr setzt er sich an alle acht Tische der Gaststube und hört zu, sagt seine Meinung. Probleme am Stammtisch lösen? Dafür ist der nicht geeignet, obwohl es vorkomme, dass Leute mit ganzen Ordnern auftauchten, Baugeschichten zum Beispiel.

Am runden Tisch machen ein junger Syrer (20) mit Aufenthaltsbewilligung und Arbeit als Verpackungstechnologe und eine armenische Russin (19), Flüchtling, deren beider Gesuch um Heirat abgelehnt worden ist, Bekanntschaft mit dem Regierungsrat. Benno Straumann vom Netzwerk Asyl Aargau hat die beiden eingeladen.

Urs Hofmann bekomme jährlich zahlreiche Bürgerbriefe und Mails. Die würden an die richtige Stelle weitergeleitet, behandelt, beantwortet. Sprechstunde? Urs Hofmann zückt sein Handy und zeigt das Bild des ehemaligen Tiroler Landeshauptmanns Luis Durmwalder, «eine Saftwurzel». Der halte jeden Morgen von 6 bis 7 Uhr Sprechstunde. Nicht Hofmanns Ding.

Lauber, Maudet und Infantino

Heimspiel der zweiten Art: Die Sozialdemokraten haben in der Gaststube des Restaurants Sportplatz vermutlich die absolute Mehrheit. Am Tisch, wo der ehemalige Aarauer Stadtrat Beat Blattner und der Suhrer Gemeindepräsident Marco Genoni sitzen, ist die Wahl von Bundesanwalt Lauber ein Thema.

«Wenn einer Charakter hat, sucht er sich einen anderen Job», hört man da, und «das Parlament schleicht sich aus der Verantwortung». Nach Lauber fallen die Namen Maudet und Infantino. Und Urs Hofmann, unterdessen an einem anderen Tisch, hört Blattners Lob nicht mehr: «Urs deckt ein breites Spektrum ab; seine Kompetenz macht ihn stark in einem bürgerlich dominierten Regierungsrat.» Dennoch brauche es einen breiten Rücken.

Es wird nicht nur politisiert

Der Anlass lässt Raum für persönlichen Gedankenaustausch, und Ruedi Kuhn – nicht der Fussballreporter dieser Zeitung – lobt die Küche: «Eine kleine Portion reicht!» Die Rede ist vom Cordon-bleu, vom «besten Schnipo» und den vorzüglichen Fritten. Das wissen die Leute aus dem Quartier. Um 21.05 Uhr verlässt ein ehemaliger Handballer eiligen Schrittes das Restaurant. «Die zweite Halbzeit», sagt er. Der HSC Suhr-Aarau hat einen Match.

Zu einem Fest wie seinerzeit in Schneisingen, wo, so Urs Hofmann, nach 22 Uhr noch der Damenturnverein aufgekreuzt sei und der Wirt kurz vor Mitternacht den Geburtstag seiner Frau an Tag darauf angekündigt habe, was das Ende des Abends in den anderen Morgen hinein verlegt habe, kommt es am Donnerstagabend nicht. Hofmann muss nach Hause, ist heiser; besser heissen Tee als kühles Bier.

Meistgesehen

Artboard 1