Verkehrsanalyse

Mit einer Offensive gegen den Missbrauch von Veloplätzen wäre allen gedient

Die Velostation am Bahnhof Aarau. (Archiv)

Die Velostation am Bahnhof Aarau. (Archiv)

Urs Helbling, Leiter Ressort Aargau West der «Schweiz am Wochenende», schreibt in seiner Verkehrsanalyse, dass es an der Zeit ist, Velofahrer und Fussgänger zu bewirtschaften.

Sie stehen an den unmöglichsten Orten, verstauben ungenutzt in teuersten Ständern – die Velos. Sie bringen den innerstädtischen Verkehr nahezu zum Erliegen – die Fussgänger. Nein, nicht alle Fussgänger, aber diejenigen, die etwa beim McDonald’s die Aarauer Bahnhofstrasse überqueren. Wohlverstanden völlig legal. Aber halt fortlaufend, sodass auf der Strasse fast nichts mehr geht und auch der öffentliche Verkehr in der Kolonne stecken bleibt.

Ja, an neuralgischen Orten müsste man die Fussgänger bewirtschaften. Sie nur paketweise über die Strasse lassen. Etwa durch die Installation einer Ampelanlage oder durch den Einsatz eines Verkehrsdienstes (während der Stosszeiten). Es muss kein Verkehrspolizist sein. Die Angestellten eines privaten Verkehrsdienstes genügen vollauf – schliesslich bewähren sie sich tagtäglich an unzähligen Baustellen. Der Handlungsbedarf beim Aargauerplatz ist längst erkannt. Schon vor anderthalb Jahren erklärte der zuständige Stadtrat, man diskutiere den Bau eines Rotlichts. Nur passiert ist seither nichts. Überhaupt scheint der Versuchsbetrieb auf der Bahnhofstrasse ein ewiges Provisorium zu werden. Im Sommer 2004 wurde die Busspur durch einen Mittelstreifen ersetzt. Das und der Kreisel am Aargauerplatz haben sich bewährt. In ein Definitivum überführen mag sie aber vorerst niemand. Es scheint am Geld zu mangeln. Doch ein Fussgänger-Rotlicht würde nicht alle Welt kosten und ein Winke-Mann wäre sogar ohne Investitionen zu haben.

Die Automobilisten müssen seit Menschengedenken Gebühren zahlen, wenn sie in der Innenstadt parkieren wollen. Die Velo- und Töfffahrer waren bisher davon verschont. Das ging, weil sich die Zweiradfahrer lange Zeit einigermassen diszipliniert verhielten und ihnen nahezu genügend Abstellplätze zur Verfügung standen. Die Disziplin hat nachgelassen, das Wildparkieren zugenommen. Unter anderem, weil die Veloständer wegen des (erfreulichen) Velobooms immer gesuchter wurden. Insbesondere an zentralen Lagen. An den Bahnhöfen und Einkaufsschwerpunkten.

Die Velofahrer gehen den Weg des geringsten Widerstandes. Und sie neigen zu egoistischem Verhalten. Etwa, wenn sie beim Bahnhof wochenlang einen Abstellplatz blockieren, weil sie in die Ferien verreist sind. Oder wenn sie ihre Räder in öffentlichen Ständern überwintern, ohne sie in der kalten Jahreszeit je zu bewegen.

Es führt mittelfristig kein Weg an der Bewirtschaftung der Veloabstellplätze vorbei. Und es wird so sein, dass schon bald an den besten Lagen nur noch gegen Entgelt parkiert werden kann. So wird die missbräuchliche Nutzung von Abstellplätzen unterbunden – im Interesse der Gesamtheit der Radfahrer.

Die Stadt Aarau hat eben in einem aufwendigen Verfahren eine Zeitbeschränkung eingeführt. Allerdings sind die neu signalisierten 45 Tage viel zu lange und ist die Aufwand-Entschädigung von 30 Franken für abtransportierte Velos viel zu tief. Zielführender wäre eine Lösung wie in Winterthur: Dort gilt in der Innenstadt die 48-Stunden-Grenze, die sich erst noch viel einfacher überprüfen lässt.

Die Gebühren müssten so hoch sein (100 Franken?), dass die Bewirtschaftung für die öffentliche Hand selbsttragend wäre. Was spricht im Übrigen dagegen, Zivildienstleistende einzusetzen, welche die polizeilichen Kontrolleure logistisch (beim Abtransport der Velos) unterstützen? Mit einer Offensive gegen den Missbrauch von Veloplätzen wäre allen gedient.

urs.helbling@schweizamwochenende.ch

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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