Aarau

Mitteldamm-Projekt: Eniwa gerät in Clinch mit dem Verein «Rettet den Mitteldamm»

Beide Seiten werfen sich gegenseitig Falschinformationen und fehlendes Verständnis vor. Der Verein «Rettet den Mitteldamm» hat schon 1000 Mitglieder.

Die Wogen gehen hoch – nicht in der Aare, nicht im Kraftwerkskanal. Die Eniwa und der Verein «Rettet den Mitteldamm» liegen sich in den Haaren. Eine Aussprache am 15. Juli hat keine Beruhigung gebracht – im Gegenteil. «Auf einem Flyer und auf der Website ‹rettet-den-mitteldamm.ch› verbreitet der Verein falsche Zahlen und Fehlinformationen zum Projekt», schreibt die Eniwa in einer Medienmitteilung. Leo Keller, Co-Präsident des Vereins, kontert: «Die Hauptvorwürfe der Eniwa an uns sind nicht nachvollziehbar.» Und: «Wir haben gute Gründe, zu anderen Schlüssen zu kommen.» Uneinig sind sich die Kontrahenten insbesondere bei den Möglichkeiten und Kosten der Photovoltaik, bei der Produktionssteigerung ohne Mitteldamm, bei den ökologischen Ausgleichsmassnahmen.

Die aktuelle Ausgangslage: Die Eniwa hat die Projektunterlagen mit den Projektanpassungen bei den Kantonen Aargau und Solothurn zur Vorprüfung eingereicht. Sie will ihr Wasserkraftwerk für 135 Millionen Franken total erneuern. Damit sie das Maximum an staatlicher Unterstützung (35 Mio. Fr.) erhält, muss sie 20 Prozent Mehrproduktion erreichen. Die Eniwa sagt: «Ohne die Fördergelder würde sich der Strompreis für die Kunden um rund 20 Prozent erhöhen.» Leo Keller sagt, es seien, bezogen auf den Verkaufspreis, nur 2 Prozent.

Der Verein «Rettet den Mitteldamm» ist Anfang Juni gegründet worden. «Wir haben bereits 1000 Mitglieder», erklärt Keller. Ein Erfolg war das Mitteldamm-Fest am letzten Samstag. Es kamen 120 Personen. Davon stürzten sich 80 ins Wasser für die erste Schwimm-Demonstration der Schweiz. Wie Teilnehmer berichten, ist das Happening gelungen – auch wegen der entspannten, friedlichen Stimmung.

Die Eniwa schreibt: «Das Schwimmen wird auch ohne den Mitteldamm möglich sein. Es entsteht ein breiterer Flusslauf mit geringerer Fliessgeschwindigkeit. Zudem realisiert Eniwa zusätzliche Ein- und Ausstiegsmassnahmen für Schwimmer und baut sanitäre Anlagen wie Toiletten und Duschen.»

Die Eniwa hofft noch immer auf mehr Verständnis der Kritiker. Ihr aufgepepptes Projekt soll im Februar 2020 öffentlich aufgelegt werden. Dann besteht die Möglichkeit von Einsprachen. «Ein Gerichtsverfahren könnte das Projekt verzögern und auch dazu führen, dass die Fördergelder des Bundes für andere Projekte eingesetzt würden», schreibt die Eniwa. Das Projekt muss für die Subventionseingabe im Sommer 2020 bereit sein.

Denn, so Eniwa-CEO Hans-Kaspar Scherrer, in der Medienmitteilung: «Aufgrund der tiefen Marktpreise und der hohen Abgaben in Form von Wasserzinsen und Heimfallverzichtsentschädigungen ist die Wasserkraft heute nicht rentabel.»

Wer den Kampf zwischen der Eniwa und dem Verein «Rettet den Mitteldamm» im Detail mitverfolgen will, konsultiert die Websites eniwa.ch/wasserkraft und rettet-den-mitteldamm.ch.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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