Aarau

Nach 38 Jahren Unterbruch: Die Businger-Teigwaren kommen wieder zurück

Peter Businger, Sohn des Teigwaren-Erfinders, und Daniel Aeberhard (r.), Geschäftsführer der Stiftung Töpferhaus.

Peter Businger, Sohn des Teigwaren-Erfinders, und Daniel Aeberhard (r.), Geschäftsführer der Stiftung Töpferhaus.

Bis 1982 wurden in Aarau die Businger-Teigwaren hergestellt. Jetzt produziert das Töpferhaus eine Retro-Linie.

Drei Eier auf ein Kilo Hartweizengriess, so machten es alle. Nur Hans Businger nicht. Er nahm vier. Das zusätzliche Ei gab den Teigwaren Biss – und Businger gleich mit. Den hatte der Fricktaler Bäcker auch nötig, damals, 1929. Was für ein verwegener Plan, sich in der Weltwirtschaftskrise selbstständig zu machen, und das in Aarau, wo es schon mehr als genug Lebensmittelbetriebe gab.

Das vierte Ei war ein Volltreffer, die Businger-Teigwaren eroberten den Mittagstisch. Wurden anfänglich noch knapp 7 Tonnen Teigwaren pro Monat an Lebensmittelläden und Restaurants in der Region geliefert, waren es 1939 bereits 65 Tonnen, die bis ins Luzernische oder ins Baselbiet gebracht wurden.

Die Teigwaren blieben gefragt, all die Jahre lang, zuletzt wurde gar im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet. Doch 1982 musste Hans Businger junior aufgeben. Selbst die berühmten «Businger-Spätzli» kamen nicht gegen die italienische Pasta an, die den Schweizer Markt schwemmte.

Ein zweites Mal produziert, und das am gleichen Ort

Und jetzt kommen sie zurück: Die Stiftung Töpferhaus, die sich seit 1982 in der Liegenschaft der ehemaligen Businger-Fabrik an der Bachstrasse 117 befindet und deren Klienten (Erwachsene mit psychischer Beeinträchtigung) seit 2010 Nudeln produzieren, lässt die Teigwaren wiederauferstehen.

Als Retro-Linie in Kleinstmenge, sagt Geschäftsführer Daniel Aeberhard, mehr Spielerei denn Coup. «Aber die Geschichte der Teigwaren ist so gut, die mussten wir einfach aufgreifen.»

Wer die Geschichte bestens kennt, ist Peter Businger, heute 84 Jahre alt, zweiter Sohn von Firmengründer Hans Businger. Er, der als Bub viel Zeit in der Fabrik verbrachte, weil es während der Kriegsjahre helfende Hände brauchte, weil die Männer im Aktivdienst waren.

So auch sein Vater; während dem Krieg leitete Mutter Helen, geborene Osterwalder, die Firma.

Angetan hatten es Peter vor allem die Maschinen. Vor allem die mächtigen Walzen, die den Nudelteig, dutzendfach zusammengelegt, immer noch ein bisschen dünner quetschten. Doch mit dem Zuschauen allein war es nicht getan. Eier habe er aufgeschlagen, hundertfach.

Immer drei Eier separat in ein Schälchen, bevor sie im grossen Eimer landeten. «Ein einziges faules Ei kann eine Tonne Nudeln ungeniessbar machen», sagt er, das wäre verheerend gewesen. Und dann war da natürlich das Verpacken. Das Einwickeln der Spaghetti in die Papierbögen.

Oder das Befüllen der berühmten Papiersäcke mit dem «Businger»-Schriftzug; Hans Busingers Unterschrift, so fein säuberlich, als hätte es ein Grafiker entworfen. Aber sie sei echt, sagt der Sohn: «Mein Vater mochte keine unleserlichen Unterschriften.»

«Das Töpferhaus macht das einzig Richtige»

Dass das Töpferhaus die Teigwaren wieder auferstehen lässt, freut Peter Businger sehr. Nicht nur als Sohn, sondern auch als ehemaliger Geschäftsführer, zuletzt der Dr. Oetker AG: «Das Töpferhaus macht das einzig Richtige: Es probiert Neues aus.»

Diese Woche werden die ersten 200 Portionen produziert, ab kommendem Montag werden sie bei «aarau info», bei Lebensmittel Meyer an der Herzogstrasse, beim «Gmüesrad», beim Töpferhaus und im Stadtmuseum verkauft. Von da stammt übrigens die Idee des Töpferhaus-Teams, die Teigwaren wieder herzustellen: von der Businger-Papiertragtasche in der Ausstellung «100×Aarau».

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