Gränichen

Nach Grossbrand in Gränichen: Nachbarn sammeln für Bauernfamilie

Landwirt Christian Zybach und sein Sohn Samuel sind gerührt von der Solidarität der Bevölkerung.

Landwirt Christian Zybach und sein Sohn Samuel sind gerührt von der Solidarität der Bevölkerung.

Nach dem verheerenden Brand ihres Viehstalls mitsamt Futterlager und Schopf vor einer Woche erlebt die Rütihofer Bauernfamilie Zybach eine Welle der Solidarität. Nachbarn im Weiler oberhalb von Gränichen sammeln Geld für die Familie.

Dazu haben die Nachbarn in Rütihof und Umgebung Flyer verteilt. Geleitet wird die Aktion von Kurt und Marianne Hirt.

«Wir wollen die Familie unterstützen, weil nicht alle Brandschäden von der Versicherung gedeckt sind», sagt Kurt Hirt, der den Zybachs zudem den Pachtzins für ein Landstück erlässt.

Der Solidaritätsaktion angeschlossen haben sich auch Hans Jörg Haller, Betriebsleiter des Ausbildungs- und Versuchsbetriebs Liebegg, sowie Landwirt Peter Suter von der Viehversicherungskasse Gränichen.

Die beiden hatten ursprünglich ebenfalls eine Unterstützungsaktion geplant. Am «Liebegger Tag» des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg vom 21. September wird nun Geld gesammelt.

Ein grosses Herz zeigten zudem die Schulkollegen der Zybach-Kinder: Sie verkauften auf dem Dorfplatz selbst gebackenen Kuchen und spendeten den Erlös der Bauernfamilie.

Christian Zybach, der mit seinem Sohn Samuel und den Familien seiner zwei Geschwister den einzigen Landwirtschaftsbetrieb Rütihofs führt, ist gerührt ob dieser Solidarität. «Wir sind sehr froh darum, denn es kommt einiges auf uns zu.»

Gleichzeitig hält der Landwirt fest: «Betteln ist das letzte, was wir tun wollen. Die meisten Schäden sind versichert, darunter die vor 32 Jahren gebaute Scheune mit Viehstall.»

Nicht gedeckt seien jedoch diverse Geräte und Maschinen sowie Inneneinrichtungen. «Hier waren wir unterversichert», sagt Zybach selbstkritisch.

Wie viel Geld die Bauernfamilie wegen des Brandes aus dem eigenen Sack zahlen muss, ist noch nicht abschätzbar. «Wir haben keinen Überblick, was zerstört wurde. Wir stellen aber täglich fest, dass kleine Dinge wie Milchkessel, Messbänder oder Dokumente mit Abstammungsdaten der Tiere fehlen.»

Die rund 60 Tiere, die von der Familie Zybach und Nachbarn am Montagabend vor einer Woche aus dem brennenden Stall gerettet wurden, bleiben vorläufig in den Vianco-Stallungen in Brunegg.

Eine Kuh musste wegen starker Verbrennungen getötet werden, zwei weitere werden immer noch in einer Tierklinik behandelt.

Die Vianco-Stallungen sind inzwischen zum temporären Arbeitsort der Familie Zybach geworden: Dort versorgen die Familienmitglieder vorübergehend ihre Kühe sowie das Jung- und Mastvieh.

Mehrmals täglich fahren die Zybachs nach Brunegg zum Melken, Füttern und Misten. Weil dies umständlich ist, sucht die Familie eine Alternative in der Nähe. Es zeichnet sich eine Lösung ab. Anderswo untergebracht wird auch die anstehende Mais-Ernte. Eines der drei Silos wurde im Feuer zerstört, die beiden anderen sind so stark beschädigt, dass sie abgebrochen werden müssen.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Gleichzeitig hat die Familie Zybach begonnen, einen Teil ihres Mastviehs zu verkaufen. «Weil viel Heu verbrannt ist, fehlt uns jetzt das nötige Futter», sagt Christian Zybach.

Dieser Verkauf bedeutet jedoch nicht den Ausstieg aus der Landwirtschaft: «Wir werden unseren Betrieb wieder aufbauen und weiterhin schwergewichtig Milch produzieren.»

Wie genau die Zukunft der Rütihofer Bauernfamilie aussieht, sei eine Woche nach dem Brand schwierig zu sagen. «Im Kopf gibt es Pläne, wie wir neu bauen wollen.» Das solle möglichst schnell geschehen, aber ein Schnellschuss soll es nicht sein.

Trotz aller Tragik des Grossbrandes blickt Christian Zybach mit seiner Familie optimistisch in die Zukunft. «Es muss und wird weitergehen.»

In Trauer auf den Verlust zurückzublicken, bringe nichts. «Zudem sind wir dankbar, dass beim Brand keine Menschen verletzt wurden und das Feuer dank der Feuerwehr nicht auf Wohnhäuser übergreifen konnte.»

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