Biberstein

Nach jahrelangem Hin und Her darf das «Haselhaus» zum Lagerhaus werden

Das «Haselhaus» steht in der Landwirtschaftszone und teilweise im Naturschutzgebiet. Es wurde 1931 bis 1933 gebaut.

Beim dritten Anlauf hat das Departement Bau, Verkehr und Umwelt einem Kompromiss zugestimmt. Der Verein Pfadiheim St. Georg Zürich darf nun umbauen.

Nach drei Jahren hat es beim dritten Anlauf geklappt: Der Verein Pfadiheime St. Georg Zürich darf das «Haselhaus» am Fusse des Hombergs in Biberstein umbauen und als Lagerhaus nutzen.

Das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt hat Ja gesagt. Dies, nachdem der Kanton 2016 und 2017 noch dagegen gewesen war.

Das Haus hat eine bewegte Vorgeschichte

Wie der Bibersteiner Ammann Willy Wenger erklärt, sei bei diesem «schwierigen Fall» die Dissonanz in der Nutzungskonformität gelegen. Das hat mit der Vorgeschichte des Gebäudes zu tun. Es wurde in den frühen Dreissigerjahren von einem Verein gebaut.

Es diente nicht nur als Ferien- und Ausbildungsheim, sondern während des Zweiten Weltkriegs auch als Unterbringung für 50 jüdische Flüchtlinge. Diese haben auch eine bessere Wasserfassung ab der Haselmattquelle gebaut.

Nach dem Krieg wurde das Haselhaus wieder als Ferien und Arbeiterbildungsheim genutzt. «Später ging es in Privatbesitz über und diente während Jahrzehnten einer grossen Unternehmerfamilie als Ferienhaus», erzählt Willy Wenger.

Der Gemeinderat wollte keine «Partyhütte»

Die Gemeinde kaufte das Haselhaus 2013. «Damit es nicht wieder in Privatbesitz gelangt und eine Partyhütte daraus wird, die viel Verkehr generiert», so der Ammann. 2016 bekundete der Verein Pfadiheime St. Georg Interesse daran.

Der Verein hat auch in der Innerschweiz ein paar ähnliche Lagerhäuser in Naturschutzgebieten, zum Beispiel in Einsiedeln.

Doch der Kanton sperrte: Das zuständige Departement beharrte darauf, das «Haselhaus», in der Landwirtschaftszone und im Naturschutzgebiet gelegen, dürfe nur so genutzt werden wie damals durch die Unternehmerfamilie.

Also mit einer Belegung von maximal zwölf bis 16 Personen. «Es machte für den Pfadi-Verein natürlich keinen Sinn, Geld in eine Sanierung und den Umbau zu investieren, wenn man das Haus nicht stärker belegen kann», so der Ammann.

Und weiter: «Dank vielen Gesprächen konnte nun ein Kompromiss erzielt werden: Das Haus darf an maximal 180 Tagen pro Jahr belegt werden, im Schnitt mit 20 Personen. Das macht 3600 Übernachtungen, wobei die Anzahl Personen pro Nacht variieren darf, solange der Jahresschnitt eingehalten wird.

Diese Bestimmungen sind verbindlich im Grundbuch eingetragen.» Auch darf weiterhin nicht zugefahren werden, ausgenommen sind bewilligte Materialtransporte. Die künftigen Benutzer müssen also zum Haus laufen oder das Velo nehmen.

Keine Einsprachen gegen das Baugesuch

Die Bibersteiner Gemeindeversammlung vom November 2018 hatte bereits eingewilligt, das Haselhaus dem Verein Pfadiheime St. Georg im Baurecht abzugeben – für einen jährlichen Zins von 3000 Franken.

Anfang Jahr ist das Umbau-Gesuch aufgelegen. Der Gemeinderat konnte es nun dank der Zustimmung des Kantons bewilligen. Einsprachen hatte es während der Auflage keine gegeben. Wann nun tatsächlich gebaut wird, hängt davon ab, wie rasch der Pfadi-Verein die Finanzierung sichern kann.

Geplant ist unter anderem, die Sanitäranlagen und die Küche zu modernisieren und das Haus zu dämmen. Es bekommt eine Photovoltaikanlage zur Selbstversorgung, wird aber nicht ans öffentliche Stromnetz angeschlossen.

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