Interview

Nach Suhrer Nein zum Zukunftsraum sagt der Aarauer Stadtpräsident: «Was mich stört, ist das Ignorieren von Erkenntnissen»

«Auch eine  Fusion nur  mit Unterentfelden ist  sinnvoll.», Hanspeter Hilfiker  Stadtpräsident Aarau

«Auch eine Fusion nur mit Unterentfelden ist sinnvoll.», Hanspeter Hilfiker Stadtpräsident Aarau

Suhr steigt aus dem Zukunftsraum Aarau aus. Der Nein-Stimmen-Anteil betrug 54,6 Prozent. Hanspeter Hilfiker, der Stadtpräsident von Aarau und Leiter der Projektsteuerung Zukunftsraum, im Interview.

Herr Hilfiker, hat sie das deutliche Nein in Suhr überrascht?

Hanspeter Hilfiker: Es ist ein klares Ergebnis bei einer sehr schönen Stimmbeteiligung. Das ist so zu akzeptieren.

Wie erklären Sie sich die Ablehnung?

Die Diskussionen waren sehr intensiv. Es gab verschiedene Komitees. Offenbar sind die Gegner des Zukunftsraums mit ihren Argumenten bei der Bevölkerung besser angekommen.

Ohne Corona wäre das Verfahren anders gelaufen. Hat das den Gegnern geholfen?

Das denke ich nicht. Der Prozess wäre anders abgelaufen, vielleicht hätte es einen Gemeindeversammlungsbeschluss und dann ein Referendum gegeben. Inhaltlich konnten die Argumente auf allen Seiten aber ausgetauscht werden. Das ist das Wichtigste.

Was frustriert Sie am meisten am Nein?

Ein Abstimmungsergebnis frustriert mich nicht. Was mich in politischen Diskussionen jeweils stört, ist das Schüren von Ängsten oder das Ignorieren von Erkenntnissen. Im Vorfeld der heutigen Abstimmung war das etwa die Angst vor dem Verlust des eigenen Vereinsübungslokals oder der Fokus auf eine einzelne Gebührenkategorie. Derartige Beispiele gibt es aber in allen Abstimmungskämpfen.

Ist der Zukunftsraum jetzt noch zu retten?

Der Zukunftsraum geht weiter. Wir haben immer betont, dass der Zusammenschluss auch erfolgen soll, wenn einzelne der ursprünglichen fünf Gemeinden aus dem Prozess aussteigen.

Muss man die Fusionsanalyse nun neu machen?

Die Fusionsanalysen müssen nicht neu erstellt werden. Selbstverständlich braucht es beispielsweise bei den Verwaltungsstandorten und bei den Einwohnerratsvertretungen pro Wahlkreis Anpassungen. Diese werden wir in den kommenden Wochen vornehmen.

Würde nur Unterentfelden mitmachen, liefe es auf eine Fusion analog dem Zusammengehen von Aarau und Rohr im Jahr 2010 hinaus. Würde das Sinn machen?

Auch eine Fusion mit Unterentfelden ist sinnvoll. Wenn es ausschliesslich bei Unterentfelden bleibt, werden die Projektsteuerung und die Gemeindeexekutiven die vorgesehenen Strukturen und Prozesse überprüfen.

Empfinden Sie es als Nachteil, dass eine allfällige Referendumsabstimmung in Oberentfelden erst nach der wahrscheinlichen Referendumsabstimmung in Aarau stattfinden wird?

Es sind ja nun verschiedene Referenden unterwegs. In Aarau dürften die Unterschriften am Sonntag übergeben werden, in Oberentfelden und in Densbüren laufen die Fristen noch. Wir werden im Stadtrat die neue Situation besprechen und dann über das definitive Aarauer Abstimmungsdatum entscheiden.

Ist es denkbar, dass der Stadtrat Aarau die wahrscheinliche Referendumsabstimmung vom angedachten Termin am 29. November auf später, beispielsweise 7. März 2021, verschiebt?

Es ist denkbar, dass die Aarauer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger erst nach den letzten Entscheidungen der verbleibenden Gemeinden über den nächsten Schritt im Zukunftsraum entscheiden werden. Das wäre dann nach dem 29. November.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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