Gränichen

Nach vier Jahren Arbeit liegt die revidierte Nutzungsplanung vor – das Motto: eine massvolle Verdichtung

Verdichtung: Mehrfamilienhäuser sollen die Einfamilienhäuser verdrängen, doch die Gangart soll gemächlicher werden.

Verdichtung: Mehrfamilienhäuser sollen die Einfamilienhäuser verdrängen, doch die Gangart soll gemächlicher werden.

Bis zum 17. September können Bürgerinnen und Bürger die Revision der Nutzungsplanung der Gemeinde begutachten.

Die Revision der Gränicher Nutzungsplanung galt schon im Mai 2018 als Zangengeburt. Damals lagen die Entwürfe des Bauzonenplans, des Kulturlandplans, des Änderungsplans, des Hochwasserschutzplans sowie der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) zur Mitwirkung auf. Wunschdatum für die Absegnung durch die Gemeindeversammlung, hiess es damals an einer Informationsversammlung der Gemeinde, sei Sommer 2019.

Allerdings äusserte Gemeindeammann Peter Stirnemann die Vermutung, dass dieser Termin nicht eingehalten werden könne. Und die Vermutung erwies sich als richtig: Aktuell liegt nun die Nutzungsplanungsrevision (bis zum 17. September) öffentlich auf. Vor die Gränicher Einwohnergemeindeversammlung dürfte die Revision damit nicht vor Sommer 2020 kommen.

2015 hatte die Planungskommission die Arbeit aufgenommen. Nach der Vorprüfung durch den Kanton im Frühjahr 2017 mussten zahlreiche Punkte überarbeitet werden. Und die Kosten stiegen beträchtlich: Zu den bereits bewilligten 186 000 Franken musste die Gmeind im Juni 2017 einen Zusatzkredit von 113 000 Franken sprechen.

Ende April wurde die Vorlage beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) zur abschliessenden Vorprüfung eingereicht. Und diesmal gab es keine grösseren Komplikationen. Schon am 5. Juni stellte das BVU fest, dass die Vorlage mit Ausnahme weniger Vorbehalte den Anforderungen entspreche, die an Nutzungspläne gestellt würden.

Schutz der Niststandorte von Gebäudebrütern

Die vielfältigen Anforderungen an eine aktuelle Nutzungsplanung, seien in der Vorlage sachgerecht umgesetzt worden, schreibt das BVU. Namentlich werde die vorgesehene Entwicklungsrichtplanung im Dorfzentrum positiv beurteilt – gleich wie die Erarbeitung eines Handlungsprogramms Innenentwicklung.

Als Besonderheit hervorgehoben wird die Aufnahme von Nistplätzen gebäudebewohnender Tierarten (Fledermäuse, Mauersegler, Mehl- und Rauchschwalben) in den Kulturlandplan: 24 in Anhang 6 der BNO aufgelistete Niststandorte von Gebäudebrütern sollen als geschützt gelten.

Eines der gemeinderätlichen Ziele der Revision war ein gemächlicheres Wachstum für die nächste Planungsperiode. «Trotzdem», liest man im Planungsbericht, «soll eine vorsichtige und massvolle innere Verdichtung mit Vorgaben zur Gestaltung stattfinden. Wie schon im Regionalen Entwicklungskonzept (REK) vorgesehen, sollen die inneren Reserven mobilisiert beziehungsweise Baulücken geschlossen werden.

Viel unüberbautes Land gibt es in den Gränicher Bauzonen nicht mehr. Immerhin besteht in den vorhandenen Bauzonenreserven für das Jahr 2030 ein rechnerischer Kapazitätsüberschuss von 336 Einwohnern. «Somit», heisst es im Planungsbericht, sei das Fassungsvermögen ausreichend und Einzonungen seien nicht gerechtfertigt.

Sollten künftig Kapazitätsengpässe auftreten, ist laut dem Planungsbericht in erster Linie auf das Gebiet Bahnhof Oberdorf zurückzugreifen. Aktuell zeichnet sich Gränichen eher durch einen hohen Leerwohnungsbestand aus. Innert Jahresfrist ist die Zahl der leeren Wohnungen von 228 auf 259 gestiegen.

Eine kleine Einzonung gibt es beim Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg: Diese Einzonung aus der Landwirtschaftszone in die Zone öffentliche Bauten und Anlagen sei begründet schreibt das BVU im abschliessenden Vorprüfungsbericht. Die betroffene Fruchtfolgefläche wird mit einer wertgleichen Auszonung im Gebiet Wasserwändi kompensiert.

Kommunaler Entwicklungs- richtplan «Zentrum»

Die «massvolle innere Verdichtung» wird unter anderem mit dem Wegfallen der Wohnzone 1 gesteuert. Diese wird vollständig in eine Wohnzone 2 aufgezont. Im Gebiet «Ei» wird die grösstenteils überbaute Wohnzone 2 in eine Wohnzone 3 aufgezont. Eine weitere Änderung betrifft die Grundwasserschutzzone S2 im Töndler, westlich der WSB. Die entsprechenden Flächen werden von der Zone Wohnen und Arbeiten 2 in die Grünzone umgezont. Familiengärten sind in dieser zulässig. Spätere Teiländerungen der Nutzungsplanung könnten sich später noch im Dorfzentrum ergeben, wo die Entwicklung mittels eines kommunalen Entwicklungsrichtplans «Zentrum» forciert werden soll. Der Start dazu soll innert zweier Jahre nach Inkrafttreten der revidierten Nutzungsplanung erfolgen.

Laut dem Planungsbericht ist der Bedarf an Industriezone (grösster Betrieb in dieser Kategorie ist die Zehnder Group Schweiz AG) in Gränichen gedeckt. Hingegen gebe es zahlreiche Anfragen von KMU-Betrieben für die Belegung von Gewerbeflächen. Aus diesem Grund wird als einzige Änderung im Bereich Industrie und Gewerbe die bisherige Industriezone im Oberfeld («Schoggimüller-Areal») in die Arbeitszone 1 (bisher Gewerbezone mit der Jowa als grösstem Betrieb) umgezont. In der Arbeitszone 2 (bisher Industriezone) ist die Ansiedlung reiner Lager- und Logistikbetriebe nicht zulässig. Bestehende Logistikbetriebe (Dreier AG) können jedoch angemessen erweitert werden.

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Autor

Ueli Wild

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