Aarau

Nächste Fensterfabrik pleite: HMK Fenster-Technik ist konkurs

Das Gebäude der HMK Fenster-Technik AG in Aarau am Dienstag Mittag.

Das Gebäude der HMK Fenster-Technik AG in Aarau am Dienstag Mittag.

18 Mitarbeitende haben kaum noch Hoffnungen, dass der Betrieb des Aarauer Fensterfabrikanten nach der vorläufigen Konkursanzeige weitergeführt werden kann.

Sie streckte sich einst über weite Teile des Gebiets Torfeld Nord: Die traditionsreiche Aarauer Firma Hoch- und Tiefbau AG (nicht zu verwechseln mit der heutigen Hoch- & Tiefbau Aarau/Buchs AG). 1869 gegründet, war sie 1997 nach «fieberhaften Rettungsversuchen», wie die AZ damals schrieb, zahlungsunfähig geworden. Zuvor war es der konkursiten Firma aber noch gelungen, für drei Unternehmensbereiche Auffanggesellschaften zu gründen und diese so zu retten.

Einer der Bereiche war die Fensterfabrik: Sie blieb unter der Leitung des damaligen Kaders und produzierte fortan unter dem Namen HMK Fenster-Technik weiter. Laut damaligen Medienberichten haben so sämtliche Arbeitsplätze der Fensterproduktion gerettet werden können.

23 Jahre später scheint aber auch dieses Kapitel zu Ende: Am Dienstag wurde die vorläufige Konkursanzeige der HMK Fenster-Technik AG im Amtsblatt veröffentlicht. Laut Konkursamt hat die Firma von sich aus die Insolvenzanfrage gestellt. 18 Jobs seien durch die drohende Schliessung gefährdet. Wahrscheinlich merkte das Unternehmen nach Zusammenstellung des Rechnungsabschlusses 2019, dass es überschuldet ist. Von der HMK Fenster-Technik AG wollte niemand Stellung nehmen.

2020 begann mit einer Welle von Pleiten bei den Fensterbauern

Damit reiht sich die Aarauer Firma in eine Liste von Schweizer Fensterfabrikanten ein, die dieses Jahr pleite gingen: Ende Februar betraf es die Ostschweizer Swisswindows, Anfang März die Ruchti Aerni AG. Zuvor hatten die Westschweizer Favorol Papaux SA über 90 Prozent ihrer Belegschaft entlassen. In all den Fällen nannte man die Frankenstärke und den erbitterten Preiskampf unter den Mitbewerbern als Gründe für die Firmenschliessungen. «Wir werden in den kommenden Monaten mehrere Pleiten von Schweizer Fensterbauern sehen», prophezeite Ende Februar Alexander von Witzleben, Chef des Thurgauer Gebäudezulieferers Arbonia.

Dass viele Fensterbaufirmen gerade jetzt Konkurs anmelden, ist für Robert Andric, Geschäftsführer der Lenzburger Alpsteg Fenster AG, eher ein Zufall, komme aber nicht unerwartet. Preiskampf, Frankenstärke und Konkurrenten aus dem Ausland seien in der Branche schon seit längerem spürbar. «Wir haben inzwischen das Preisniveau von Deutschland oder Frankreich, aber mit viel höheren Lohnkosten», sagt er.

In Lenzburg läuft das Geschäft mit den Fenstern gut

Die Alpsteg, die seit über 40 Jahren in der Branche tätig ist und in Lenzburg und Niederlenz zirka 65 Mitarbeiter beschäftigt, stehe aber gut und gesund da. Dies «dank Flexibilität und Bereitschaft», den Kunden eine breite Produktpalette mit ganzheitlichen Paketen zu offerieren: So bietet die Firma zu den verschiedenen Fenstertypen aus Kunststoff, Holz oder mit Aluminium auch noch die passenden Storen und Haustüren an. «Als Firma muss man vorausschauen und agieren, statt zu reagieren», sagt Robert Andric. Man müsse die Kunden verstehen und vom Auftritt bis zum Kundendienst kompetent sein. «So müssen wir unsere Fenster nicht zu jedem Preis verkaufen.»

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