Aarau

Neue Besitzerinnen an der «Kronengasse» – das Birkenstock-Verbot gilt nach wie vor

Ursina Boner, Angela Müller (vorne), Ursi Huber und Lehrtochter Nina Brutsche führen die Buchhandlung weiter.Mario Heller

Ursina Boner, Angela Müller (vorne), Ursi Huber und Lehrtochter Nina Brutsche führen die Buchhandlung weiter.Mario Heller

In der Aarauer Buchhandlung «Kronengasse» gibt es nach 25 Jahren neue Inhaberinnen – an den Prinzipien wird aber nicht gerüttelt.

Sie ist weitherum die letzte eigenständige Buchhandlung: die «Kronengasse» in der Aarauer Altstadt. Seit 25 Jahren steht sie hier, klein und fein, aber trutzig und uneinnehmbar, mit einem Team mit klaren Grundsätzen: Bücher müssen gefallen; was nicht gefällt, wird nicht fertig gelesen. Und Birkenstocksandalen werden im Laden keine getragen, das Klischee der schrulligen Buchhändlerin wollen die Geschäftsfrauen auf keinen Fall zementieren. Dafür gibt es im Laden immer genügend Schokolade, Wein und Kaffee. Grundsätze, die seit Anbeginn bestehen. Das Erfolgskonzept der «Kronengasse».

Doch jede Erfolgsgeschichte hat Kapitel. Und ein grosses Kapitel ist jetzt abgeschlossen. Kathrin Richter, die Gründerin der Buchhandlung, hat sich definitiv zurückgezogen. Mit ihr ausgestiegen ist die langjährige Geschäftspartnerin Cristina Roca. Das Geschäft übernommen haben Ursina Boner (46) und Ursi Huber (45), unterstützt werden die beiden von Angela Müller (43) und der Lernenden Nina Brutsche (17).

Auch kleine Schritte zählen

Es sind keine neuen Gesichter. Ursina Boner arbeitet seit 18 Jahren in der Buchhandlung Kronengasse, Ursi Huber seit gut zwei Jahren. Deshalb haben die Freundinnen auch nicht gezögert, sich auf das Wagnis einzulassen. «Frisch eine Buchhandlung zu eröffnen, hätten wir uns nicht getraut. Hier aber können wir etwas Funktionierendes übernehmen, etwas, das seit Jahrzehnten Bestand hat», sagt Ursina Boner.

Deshalb machen die beiden Frauen auch nicht alles neu, stellen nicht alles auf den Kopf. Die Grundsätze beispielsweise werden weiterhin gelten. Aber ein bisschen anders wird es dann doch. Das sieht schon, wer auf die Buchhandlung zusteuert: Seit Mitte Woche hängt eine grosse Tafel neben dem Eingang und der Schriftzug zieht sich nicht mehr über das Schaufenster, sondern in silbernen Lettern über die Hausmauer. Und auch im Ladeninnern gibt es kleinste Veränderungen im Sortiment.

So werden neu sogenannte Graphic Novels angeboten, Comics in Buchformat. Etwas, das insbesondere junge Leser anlocken soll. Ausserdem überlegen sich die beiden Frauen, fremdsprachige Literatur ins Sortiment aufzunehmen. Und irgendwann soll der Laden auch innen sanft renoviert werden, aber das ist Zukunftsmusik. «Ein Schritt nach dem andern», sagt Ursina Boner und lacht. «Schliesslich zählen auch kleine Schritte», fügt Ursi Huber an. «Nur stehenbleiben darf man nicht.»

Auch wenn die Buchhandlung Kronengasse auf eine grosse Stammkundschaft zählen darf, gibt es viel zu tun. «Wir können uns nicht ins gemachte Nest setzen und die Beine hochlegen», sagt Ursi Huber. «Wir müssen uns ständig neu erfinden, um zu überleben.» Nicht, dass ihnen das Wasser bis zum Hals stehen würde, aber man müsse halt dranbleiben. «Das gilt für die gesamte Altstadt», sagt Ursi Huber. Die Durchmischung müsse erhalten bleiben, sonst drohe der Altstadt das Ladensterben.

Deshalb tut sich die «Kronengasse» auch immer wieder mit anderen kleinen Läden für gemeinsame Aktionen zusammen, organisiert Lesungen, schliesst sogar ihre Kundschaft mit Wein und Tapas zum Stöbern und Schmökern nachts im Laden ein. Bloss eines werde ganz sicher nie passieren, sagt Ursina Boner mit Nachdruck: Angeboten werden Bücher und sonst nichts. Keine Spielwaren, keine Trinkflaschen, Pflaster oder Veloglocken. «Wir wollen kein Gemischtwarenladen sein. Wir sind eine Buchhandlung.»

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