Die Eniwa (ehemals IBAarau, 345 Mitarbeiter) ist eine private Aktiengesellschaft, aber zu 95,4 Prozent im Besitz der Stadt Aarau. In der Kantonshauptstadt und 17 Gemeinden rund um Aarau ist der Strom extrem teuer (am teuersten in der AZ-Region Aargau West).

An der IBA-Generalversammlung im Mai wurde per Zufall bekannt, dass sich der Verwaltungsrat ein Island-Reisli gegönnt hat. Dem Gremium gehörten 2017 so prominente Mitglieder wie die damalige Stadtpräsidentin Jolanda Urech (SP), Nationalrätin Corina Eichenberger (FDP) und der damalige Stadtrat und heutige FDP-Kantonalpräsident Lukas Pfisterer an.

Als die «Schweiz am Wochenende» nach der Generalversammlung Fragen zum «VR-Workshop 2017 Geothermie Island» stellte, wurde die Reise von der Eniwa faktisch zur Geheimsache erklärt «Details zu VR-Workshops werden nicht bekannt gegeben», hiess es.

Mit der Geschäftsleitung

Einer parlamentarischen Anfrage von SVP-Einwohnerrat Max Suter ist es zu verdanken, dass nun doch noch einige brisante Details zum Island-Reisli publik wurden. Zum Beispiel, dass nicht nur der Verwaltungsrat, sondern auch die damals sechs Mitglieder der Geschäftsleitung (und zwei Begleitpersonen) den fast fünfstündigen Flug in den hohen Norden machten. «Total 15 Personen», schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf den Vorstoss.

Die Reise dauerte fünf Tage (Mittwoch, 28. Juni bis Sonntag, 2. Juli 2017). Die Kosten sind weiterhin geheim. «Die Eniwa Holding AG gibt keine Auskunft zu einzelnen Kostenpositionen», schreibt der Stadtrat. Das ärgert Einwohnerrat Max Suter: «Ich bin nicht zufrieden, dass die Eniwa, immerhin zum grössten Teil im Besitz der Stadt Aarau, nicht bekannt gibt, was die Reise dieser 15 Personen gekostet hat.»

Ohne offizielle Angaben kann man die Kosten nur schätzen. Sie dürften für die gesamte Gruppe in der Grössenordnung von 75'000 Franken gelegen sein. Direktflüge (reiste man Business-Klasse?) nach Reykjavík sind relativ günstig, standesgemässe Hotels aber vergleichsweise teuer. Und offen bleibt die Frage, wer das Workshop-Programm vor Ort finanziert hat (gab es dafür einen Sponsor?).

Klar ist aufgrund der stadträtlichen Antwort, dass weder die Stadt Aarau noch die Reisenden sich in irgendeiner Form finanziell beteiligt haben: «Die Reise war geschäftlicher Natur. Die IBAarau hat die Kosten für Reise, Verpflegung und Unterkunft getragen.»

«In der Regel in der Umgebung»

Bleibt die Frage, warum der Verwaltungsrat nach Island reiste, obwohl Aarau nicht als für Geothermie besonders geeignetes Gebiet bekannt ist. Der Stadtrat antwortet dazu generell: «Der Eniwa-Verwaltungsrat erachtet es als seine Pflicht, sich jährlich mit strategischen Fragen zur Unternehmung vertieft auseinanderzusetzen.

Zu diesem Zweck zieht er sich zwei bis drei Tage zu einem Strategie-Workshop zurück. Dieser findet in der Regel in der näheren Umgebung statt, die Reise kann aber themenabhängig auch ins Ausland führen.»

«Der Workshop 2017 des Verwaltungsrats fand im Zeichen der Geothermie, Fernwärme und der Power-to-Gas Technologie in Island statt», schreibt der Stadtrat und erwähnt eine Organisation namens Nordur Power Grid Association (mit Sitz in Bern).

Das sei eine unabhängige Interessengemeinschaft mit dem Ziel, die zukünftige Zusammenarbeit der Efta-Staaten im Bereich der erneuerbaren Energien zu fördern. «Nordur strebt die nutzbringende Zusammenarbeit zwischen Island und der Schweiz im Bereich der erneuerbaren Energien an.» Ein wichtiger Partner von Nordur ist das Unternehmen Swiss- power, das von Eniwa-CEO Hans-Kaspar Scherrer präsidiert wird.

Warum nicht in Bern?

Einwohnerrat Max Suter sagt: «Mich erstaunt die Länge des Workshops von fünf Tagen und dass man für Themen unter anderem im Zusammenhang mit dem Projekt Nordur nach Island reisen musste. Der Sitz der Nordur Power Grid Association ist ja in Bern.»

Dank der Anfrage des SVP-Einwohnerrates ist jetzt auch bekannt, was die damalige IBAarau-Präsidentin Jolanda Urech verdiente: 38 000 Franken Verwaltungsratshonorar und 13 600 Franken Sitzungsgelder. Von den 51 600 Franken musste sie die Hälfte der Stadt abgeben. Verwaltungsrat Lukas Pfisterer kam auf 30 800 Franken (davon ging die Hälfte an die Stadt).