Volksschule

Neuer Lehrplan: Französisch für die Aargauer 5.-Klässler - das sind die wichtigsten Änderungen

Für die Primarschule – hier Bildungsdirektor Alex Hürzeler 2016 in Unterkulm – bringt der neue Lehrplan mehrere Änderungen.

Für die Primarschule – hier Bildungsdirektor Alex Hürzeler 2016 in Unterkulm – bringt der neue Lehrplan mehrere Änderungen.

Die Aargauer Regierung stellt den neuen Lehrplan vor: Realschüler haben mehr Schule, 5.-Klässler lernen Französisch und die politische Bildung wird forciert. Für die Schulen und das Bildungsdepartement gibt es jetzt noch viel zu tun.

Ab Sommer 2020 gilt der neue Aargauer Lehrplan. Er basiert auf dem Lehrplan 21, wurde aber leicht angepasst und ergänzt. Der Regierungsrat hat die Inhalte und die Stundentafeln definitiv beschlossen.

Die über 400 Stellungnahmen, die beim Bildungsdepartement eingegangen waren, seien ausgewertet und zum Teil berücksichtigt worden. «Es liegt auf der Hand, dass viele, aber nicht alle Anliegen aufgenommen werden konnten», sagte Landammann Alex Hürzeler anlässlich einer Medienkonferenz am Dienstag. Mit dem neuen Lehrplan sei die Volksschule Aargau gut gerüstet für die Zukunft.

Neuer Lehrplan im Kanton Aargau

«Tele M1»-Bericht: Neuer Lehrplan im Kanton Aargau

Trotz gesamtschweizerischem Lehrplan 21 gibt es im Aargau Besonderheiten wie das Fach „Politische Bildung“.

Das sind die wichtigsten Änderungen für Primarschüler:

  • Ab der 1. Klasse Textiles und Technisches Gestalten
  • 1./2. Klasse haben neu 24 Pflichtlektionen, was allen Gemeinden Blockzeitenunterricht ermöglicht
  • Ab der 5. Klasse Französisch
  • Ab der 5. Klasse Medien und Informatik

Das sind die wichtigsten Änderungen für Obenstufenschüler:

  • An der Real erhöht sich die Anzahl Pflichtlektionen von 82 auf 97
  • Medien und Informatik, Berufliche Orientierung und Politische Bildung sind eigenständige Fächer
  • Es gibt drei Sammelfächer in der Bez, Sek und Real: Natur und Technik (mit Physik, Chemie und Biologie), Räume, Zeiten, Gesellschaften (mit Geografie und Geschichte) sowie Wirtschaft, Arbeit Haushalt (mit Hauswirtschaft)

Für die beiden zusätzlichen Französischlektionen in der Primarschule beantragt der Regierungsrat dem Grossen Rat einen Verpflichtungskredit von rund drei Millionen Franken pro Jahr. Darüber wird das Parlament im Herbst entscheiden. Abgesehen davon wird der neue Lehrplan kostenneutral eingeführt. Dies, obwohl die Zahl der Lektionen auf praktisch allen Stufen zunimmt. Die zusätzlichen Lektionen gehen auf Kosten von ungebundenen Lektionen, also zum Beispiel Halbklassenunterricht. Für die Schulen stünden trotzdem nach wie vor genügend Ressourcen zur Verfügung , sagte Hürzeler.

Das bezweifelt Manfred Dubach, der Geschäftsführer des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (ALV). Es sei wie bei vielen Schulreformen im Aargau: «Die Ziele sind zu unterstützen, aber die Umsetzung ist meistens schlecht.» Der Verband kritisierte die kostenneutrale Umsetzung des Lehrplans von Anfang an. «Insgesamt müssen die Schülerinnen und Schüler künftig mehr erreichen», so Dubach. «Damit man aber wirklich mehr erreichen kann, muss man intensiv arbeiten können.» Vor allem in der Realschule sei Unterricht in Halbklassen wichtig. Es würden sicher noch politische Vorstösse folgen, so Dubach, der für die SP im Grossen Rat sitzt.

FDP zieht Initiative zurück

Die FDP und die Jungfreisinnigen sind erfreut, dass der Kanton mit dem neuen Fach Politische Bildung der Forderung ihrer Staatskunde-Initiative nachkommt. Und zwar, ohne dass eine Geschichtslektion der zusätzlichen Politikstunde zum Opfer fällt. Dies war in der Vernehmlassung noch vorgesehen. «Auf den ersten Blick spricht nun nichts mehr dagegen, die Initiative zurückzuziehen», sagt FDP-Grossrätin und Initiantin Jeanine Glarner.

Erste politische Reaktionen kommen aus der Mitte. Die BDP ist zufrieden mit dem neuen Lehrplan: «Unter den gegebenen Rahmenbedingungen wurde das Optimum herausgeholt», schreibt die Partei. Die Unterstützung der Lehrer sei entscheidend, um Medien und Informatik durchlässig in allen Fächern anzuwenden. «Diesbezüglich darf mit der Unterstützung des Kantons, zumindest während ein paar Jahren, nicht gespart werden.» Die EVP hält fest, die Stundenzahlen der Primar- und Sekundarstufe lägen weiterhin unter den Richtwerten anderer Kantone. Damit sei klar, «dass der Unterricht von hoher Qualität sein muss, um die Lernziele am Ende der Volksschule zu erreichen».

Was darf Weiterbildung kosten?

Für die Schulen und das Bildungsdepartement gibt es jetzt noch viel zu tun. Die Schulleitungen müssen mit den Lehrern planen, wer welche Fächer unterrichtet. Diese Frage stellt sich insbesondere bei neuen Fächern und Sammelfächern an der Oberstufe. Dabei ist es den Schulen überlassen, ob ein oder mehrere Lehrer das Sammelfach unterrichten.

Für die Weiterbildung von Lehrern und Schulleitungen hat der Kanton in einer Leistungsvereinbarung mit der Pädagogischen Hochschule für die folgenden Jahre rund 10 Millionen Franken pro Jahr eingestellt. Neben den Weiterbildungen in der unterrichtsfreien Zeit gibt es vier zusätzliche Weiterbildungstage während der Schulzeit.

Dubach begrüsst das. «Für Lehrpersonen, die nicht von grossen Veränderungen betroffen sind, genügt dieses Angebot.» Für andere, die beispielsweise eine Ausbildung für ein Zusatzfach nachholen müssten, reiche es nicht. «Das hat der Kanton nicht durchdacht und dafür wären mehr finanzielle Mittel nötig.» Er weist darauf hin, dass beim Fach Informatik bereits ein Weiterbildungsstau herrsche. «Da brauchen wir eine Lösung.»

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