Aarau
Neuer Spielwagen «Easy Play» kostete 50'000 Franken – warum ihn ein Pfarrer segnet

Schaustellerpfarrer Adrian Bolzern hat im Aarauer Schachen den grössten Fadenziehwagen der Schweiz gesegnet. Eine solche Segnung sei Tradition und soll Glück bringen.

Katja Schlegel, Elias Blöchlinger
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Segnung von Hauris neuem Spielwagen, Aarau Adrian Bolzern mit den Besitzern des "Easy Play", Sandra und Roger Hauri-Zülle (rechts).
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Segnung von Hauris neuem Spielwagen, Aarau "Easy Play" heisst der Wagen, weil das Spiel so einfach ist.
Segnung von Hauris neuem Spielwagen, Aarau "Was wären Stadtfeste ohne Chilbi?", fragte der Aarauer Stadtrat Werner Schib bei seiner kurzen Ansprache.
Segnung von Hauris neuem Spielwagen, Aarau Adrian Bolzern besprenkelt den Wagen nicht nur mit Weihwasser, Weihrauch soll ihn vor Gefahren schützen.
Segnung von Hauris neuem Spielwagen, Aarau Roger Hauri freut sich über die neuste Errungenschaft.
Segnung von Hauris neuem Spielwagen, Aarau Weihwasser gab es nicht nur für den Wagen, sondern auch für die Familie Hauri.
Segnung Fadenwagen auf der Aarauer Chilbi

Segnung von Hauris neuem Spielwagen, Aarau Adrian Bolzern mit den Besitzern des "Easy Play", Sandra und Roger Hauri-Zülle (rechts).

Chris Iseli

Da kitzelt kein Hauch von Zuckerwatte in der Nase, da läuft kein Wasser wegen einer Magenbrot-Wolke im Mund zusammen. Da brennt Weihrauch im Rachen. Was hier in den nächsten Minuten passieren wird, kennen nur die Eingeschworenen, die Schausteller. Aber wichtig ist es. Hoher Besuch ist da an diesem Mittwochnachmittag; Werner Schib, Aarauer Stadtrat schwatzt mit seinem Kollegen Peter Weber, Gemeindepräsident von Mettauertal. Und aus allen Ecken sind Männer und Frauen hergekommen, in den Armen Weinflaschen oder Töpfe mit Orchideen und Rosen. Berufskollegen, der Platzmeister, ein grosses Hallo, sogar aus dem Sanktgallischen sind welche angereist.

Das Hauptobjekt auf dem Kiesplatz im Aarauer Schachen: der Spielwagen «Easy Play». Die Hauptperson: Adrian Bolzern, den Hiesigen bekannt als Priester im Pastoralraum Aarau. Doch Bolzern ist noch mehr: Er ist auch Pfarrer für Markthändler, Zirkusleute und Schausteller. Und in dieser Funktion wird er hier die neuste Errungenschaft der Schaustellerfamilie Hauri aus dem Fricktal segnen. «Das soll uns Glück bringen», sagt Sandra Hauri. Eine Segnung sei Tradition. Und Tradition ist wichtig für jemanden wie sie, ein Schaustellerkind, aufgewachsen zwischen Bahnen und Schiessbuden.

500 Tage Bauzeit

Fast 500 Tage lang mussten sich die Hauris gedulden, bis der Wagen, der grösste Fadenziehwagen der Schweiz, fertig im Aarauer Schachen steht. Gebaut wurde er in Holland, gekostet hat er knapp 50 000 Franken. Das Konzept ist simpel: Der Kunde sucht sich aus drei Bündeln von je 80 Schnüren eine aus, entweder für fünf oder zehn Franken, daran hängt ein Plüschtier. Jeder gewinnt, Nieten gibt es keine, ganz einfach. Deshalb auch der Name: «Easy Play».

Bolzern hat sich für den speziellen Akt der Segnung eine ganz besondere Stola umgelegt: Ein tanzender Elefant, eine Achterbahn, ein Clown sind eingestickt. Eine spezielle Stola für einen speziellen Moment, schliesslich finden solche Segnungen schweizweit nur etwa zwei Mal im Jahr statt. Und dann ausgerechnet in der Karwoche, der besinnlichen, stillen Woche. Bolzern grinst: «Ich geniesse solche Momente, ich bin viel lieber draussen als im Büro.» Und auf Rummelplätzen sowieso. Er liebe Rummelplätze mit allem, was dazugehört, mit Autoscooter und Achterbahnen, je wilder, desto besser. Und zur Beruhigung allfälliger Beunruhigter sagt Bolzern: «Auch in der Karwoche darf man die Korken knallen lassen.»

Dann geht es also los, mit Fanfaren wird die Klappe vor dem Wagen hochgefahren. Da sitzen die Plüschtiere und glotzen erwartungsfroh ins Freie, und die Besucher lachen sich aus den auf Hochglanz polierten Spiegeln im Wageninnern selber entgegen. Bolzern bittet Gott darum, den Fadenziehwagen zu segnen, damit er auf der Strasse und den Chilbi- und Messeplätzen von allem verschont bleibe, was im Schaden zufügen könnte. Und auch um den Segen für die Menschen, die in und um den Wagen arbeiten, die Besucher des «Easy Play». «Gib ihnen das Glück und den Faden, damit sie den Gewinn bekommen, den sie sich wünschen», sagt Bolzern. Dann spritzt er grosszügig Weihwasser auf den Wagen und die Familie Hauri, bevor er mit dem Weihrauchfässchen in den Wagen marschiert, «damit der Wagen auch etwas davon hat und es auch morgen noch etwas riecht».

In der Hand die Wurfgeschosse

Noch während Bolzern spricht, klimpert es verdächtig in den Händen der Schaustellerfrauen. Was folgt, ist ein altes Ritual: Handvollweise schmeissen die Frauen Münz in den Wagen, dass es nur so scheppert – die ersten Einnahmen. «Der Brauch will, dass die Batzen bis nach dem ersten Spieltag liegen bleiben», sagt Sandra Hauri und lugt ins Wageninnere, wo das Weihwasser auf den grossen Spiegeln lange Striemen gezogen hat. Sie zuckt mit den Schultern und lacht. «Hänu, jetzt müssen wir die Spiegel halt noch einmal polieren.»

Osterchilbi im Schachen Do, 17 Uhr, bis Mo, 20 Uhr. Täglich ab 14 Uhr

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