Schloss Biberstein

Nie genug Weihnachten

An ihren Weihnachtsbaum kommen unter anderem Chili-Schoten. «Aber man muss aufpassen, wenn man da reinbeisst», sagt Uma Birrer.

An ihren Weihnachtsbaum kommen unter anderem Chili-Schoten. «Aber man muss aufpassen, wenn man da reinbeisst», sagt Uma Birrer.

Uma Birrer liebt die Adventszeit. Zum Glück ist auf Schloss Biberstein immer etwas Weihnachten.

Uma hat es streng. Nicht nur, dass sie mit ihrem Team die Tische in der Turnhalle dekorieren, die Birkenäste aufstellen und das gesamte Geschirr auf Hochglanz bringen muss. Am Wochenende will sie noch Guetzli backen, ihre Weihnachtskarten fertigbasteln und den hölzernen Baum verzieren. Mit Orangenscheiben, gespickt mit Nägeli, mit farbigen Bändern und mit Mamas gehäkelten Schneeflocken, das Ganze über und über mit goldenen Steinchen verziert. «Und Chili», sagt Uma und stemmt sich ins Sofakissen. «Wegen der fünf Sinne.»

Sinne – das Thema des diesjährigen Weihnachtsmarktes auf Schloss Biberstein. Schmecken, riechen, sehen, hören, fühlen, Uma zählt es an den Fingern ab. «Der Chili ist fürs Schmecken», sagt sie, «aber man muss aufpassen, wenn man da reinbeisst.»

Der Tipp fürs grosse Fest

Uma Birrer (23) ist eine der rund 80 Menschen mit Unterstützungsbedarf, welche die Stiftung Schloss Biberstein betreut. Seit sieben Jahren arbeitet sie hier, seit drei Jahren wohnt sie in Aarau in einer Wohngruppe. Seit Anfang an ist sie im Reinigungsteam, hat hier eine zweijährige Lehre als Hauswirtschaftspraktikerin gemacht. Sie ist Profi durch und durch, weiss ganz genau, wie Scheiben streifenfrei sauber werden und wie man Silberschmuck putzt. Und sie weiss, wie man Geschirr einen besonderen Glanz verleiht: mit einer frischen Zitrone. «Einfach ins Wasser ausdrücken», sagt sie. «Aber das machen wir nur vor grossen Festen.» Ein grosses Fest, wie es dieses Wochenende ansteht, der Event des Jahres: der Weihnachtsmarkt. Jedes Jahr kommen an den beiden Tagen gegen 4000 Besucher aufs Schloss. Angeboten werden beispielsweise Weihnachtskarten, Gebäck, Sirup, Kerzen, Kinderspielzeug oder auch der hölzerne Weihnachtsbaum, den Uma gerade schmückt.

Für Uma ist die Weihnachtszeit die schönste Zeit im Jahr. Nicht wegen des Schnees, der ist ihr zu kalt. Aber weil es überall so fein riecht, weil man so viel singt, weil es so feine Sachen zu essen gibt – und das Allerwichtigste: weil es so viel zu basteln gibt. Und weil der Bibersteiner Weihnachtsmarkt so viel Vorbereitung braucht, dass eigentlich das ganze Jahr über darauf hingearbeitet wird, ist auf Schloss Biberstein eigentlich immer ein bisschen Weihnachten. «Das ist cool», sagt Uma und lacht.

Denn auch wenn sie sehr gerne im Reinigungsteam arbeitet, so würde sie doch noch ein bisschen lieber im alten Schulhaus arbeiten; da, wo all die Werkstätten untergebracht sind, wo Karten, Keramiksachen, Kerzen und Gegenstände aus Papier entstehen. Basteln sei ihr liebstes Hobby, sagt Uma, unter ihrem Bett daheim in der Wohngruppe sei alles voller Bastelsachen. Am liebsten bastelt sie Karten, malt Häuser, Menschen und Tiere, am allerliebsten Zebras und Giraffen. «Die verschenke ich dann.»

Wegen einer kleinen Operation an der Hand konnte Uma zwei Wochen lang nicht im Putzteam mitarbeiten. Stattdessen durfte sie in der Werkstatt zwei Wochen lang Karten ausmalen, Weihnachtsbaumschmuck einfädeln und Kerzen giessen. Uma strahlt übers ganze Gesicht. «Das war mega cool.» Wenn sie sich etwas auf Weihnachten wünscht, dann das: «Wenn ich ins Bastelteam könnte, wäre das das schönste Geschenk überhaupt.»

Meistgesehen

Artboard 1