Engelsflügel

Oberentfelden erfüllt Kindern aus dem Dorf einen Weihnachtswunsch

Für einmal unterstützt die Gemeinde Oberentfelden keine Hilfsaktion, sondern erfüllt Kindern aus dem Dorf ihren grössten Weihnachtswunsch. Die beiden Gemeinderätinnen haben die ersten Geschenke am Montagmorgen verteilt.

Die Dame mit dem Rauhaardackel guckt skeptisch. Was die wohl im Quartier verloren haben? Die mit dem gemeindeeigenen Auto, den Kofferraum voller Geschenke? Die Frau bleibt stehen, zieht den Mantelkragen hoch. Der Dackel freut sich, schnüffelt schwanzwedelnd am Wegrand.

Die Gemeinderätinnen Monique Gammeter und Petra Huckele stehen vor der geöffneten Heckklappe und studieren die Liste. Für die Hausnummer 22 gibt es ein Kickboard und ein ferngesteuertes Auto, beides schön eingepackt.

Die beiden klemmen sich die Geschenke unter den Arm und suchen am Klingelbrett des Mehrfamilienhauses nach dem richtigen Namen. Vor dem Eingang liegen ein Fussball und ein umgeschmissenes Tretauto, im Hausflur riecht es nach kaltem Rauch und nassem Hund. Im ersten Stock ruft jemand zögernd Hallo.

«Glücklicher Tag für die Kinder»

Die Frau steht im Pyjama in der Tür und guckt so skeptisch wie die Nachbarin mit dem Dackel. «Guten Morgen, wir bringen die Weihnachtsgeschenke für Ihre Kinder», sagt Petra Huckele und der Gesichtsausdruck der Frau ändert schlagartig. Sie strahlt, schlägt die Hände vor der Brust zusammen. «Das wird ein glücklicher Tag für die Kinder», sagt sie und will gar nicht mehr aufhören, sich zu bedanken.

«Das ist ein spezieller Moment», sagt Monique Gammeter auf dem Weg zurück zum Auto. «Die Leute haben eine so unglaubliche Freude.» Petra Huckele nickt. «Das ist eine schöne Aufgabe.»

«Erstaunlich bescheiden»

Es ist eine spezielle Aktion, die der Gemeinderat Oberentfelden dieses Jahr erstmals durchführt: Anstatt den alljährlich im Budget eingestellten Betrag für Hilfsaktionen für Naturkatastrophen oder Infrastrukturprojekte im In- und Ausland einzusetzen, hat der Gemeinderat beschlossen, das Geld für einmal in der eigenen Gemeinde zu brauchen. «Viele Familien müssen mit so wenig Geld auskommen, dass sie den Kindern keine grossen Geschenke machen können», sagt Huckele.

Knapp 30 betroffene Familien wurden angeschrieben, sie sollten doch den grössten Wunsch ihrer Kinder melden. Einzige Auflage: Der Wunsch durfte nicht mehr als 100 Franken kosten.

Bis auf zwei Parteien hätten sich alle gemeldet, sagt Gammeter. «Die Wünsche waren erstaunlich bescheiden, viele haben das Budget noch nicht einmal zur Hälfte gebraucht.»

Und so zogen die beiden Gemeinderätinnen letzte Woche los und kauften sich quer durch das Spielwarengeschäft: 52 Geschenke standen auf der Wunschliste; vom Kickboard über das ferngesteuerte Auto, vom Wissensspiel zur Fussball-Bettwäsche, Kleider-Gutscheine, Trettraktoren und ein Bürostuhl. Fünf Rollen Geschenkpapier und drei Stunden brauchte es, um alles einzupacken.

Vater ruft ein Danke hinterher

Ein paar Strassen weiter, die Freude ist die gleiche: Der Bub hält sein Geschenk fest umklammert und spricht vor lauter Begeisterung so schnell, dass ihn keiner versteht.

Doch wo ist das Geschenk für die kleine Schwester, die scheu an Mamas Bein lehnt? Monique Gammeter rennt die Treppenstufen hinunter.

Ist das etwa vergessen gegangen? Nein, bloss ein Verleser: Gammeter kommt die Treppe hinauf, unter dem Arm ein noch grösseres Geschenk. Da möchte der grosse Bruder gern tauschen.

Gammeter und Huckele sind schon auf dem Weg zurück zum Auto, da steht plötzlich der Vater im Hauseingang, winkt und strahlt und ruft ein Danke hinterher.

Vorne beim Parkplatz schleicht die Dame mit dem Dackel am Thuja entlang. Weihnachtsengel sieht man halt nicht jeden Tag.

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