Fusionsprojekt

Oberentfelden sagt deutlich Ja zum Zukunftsraum Aarau

190 Oberentfelder hoben ihre Arme und stimmten Ja

190 Oberentfelder hoben ihre Arme und stimmten Ja

Die Stimmbürger von Oberentfelden stimmten dem Verbleib im Fusionsprojekt zu. Der Entscheid fiel mit 66,2 Prozent Ja-Stimmen deutlich. Oberentfelden wird nun den konkreten Fusionsvertrag mit den anderen Zukunftsraum-Gemeinden aushandeln – wenn es nicht noch zu einem Referendum kommt.

Am Schluss fiel der Entscheid deutlicher aus, als man es sich gedacht hätte: Mit 180 Ja zu 92 Nein stimmte Oberentfelden an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung heute Mittwochabend für das Ausarbeiten eines Fusionsvertrags im Rahmen des Zukunftsraums Aarau.

282 von 4789 Stimmberechtigte kamen trotz Maskenpflicht in die Aula des Oberstufenschulhauses. Allzu lange diskutiert wurde nicht: Nach einer längeren Vortrag von Gemeindeammann Markus Bircher zu den Vorteilen des Projekts dauerte die Debatte unter den Einwohnern rund 40 Minuten.

Viele negative Voten zu Beginn

Sie begann mit durchweg negativen Voten. «Wollen wir wirklich so gross werden? Was bringt uns das?», fragte Dieter Ammann in die Runde, der bereits beim letzten offiziellen Infoanlass zum Zukunftsraum in Unterentfelden Mut fasste und das Nein-Lager öffentlich vertrat. «Es wird nicht ehrlich diskutiert.»

Zu einer vertieften Diskussion kam es gestern Abend tatsächlich nicht mehr. Dafür waren die vielen Aussagen mit eingehenden Sätzen bespickt. «Wir verkaufen unsere freie Demokratie», sagte etwa ein Mann bezüglich dem bei einer Fusion zwingenden Aufgeben der Gemeindeversammlung zugunsten eines Einwohnerrats. «Wer Selbstständigkeit aufgibt, verliert Freiheit», sagte Ortsbürgerin Marianne Fuchs-Holliger.

Ortsbürger Ernst Schweizer hob hervor, dass, der Zukunftsraum zwar Chancen, aber auch Gefahren mit sich bringe: «Eines der Risiken ist, dass wir alleine mit Aarau fusionieren», Oberentfelden solle andere Gemeinden beim Fusionsentscheid bedingen. «Ohne Unterentfelden macht die Fusion für uns keinen Sinn.»

«Für die Bildung unserer Kinder kann ich nicht zustimmen.»

Eine Lehrerin, die in Buchs arbeitet, erzählte von ihren Erfahrungen mit der Fusion zur Kreisschule Aarau-Buchs: «Viele Versprechen wurden nicht eingehalten. Ich bin skeptisch.»

Aarau habe die Buchser Kleinklassen abgeschafft, fügte eine andere Lehrerin an. «Für die Bildung unserer Kinder kann ich dem Zukunftsraum nicht zustimmen.»

«Wir waren mal eine wohlhabende Gemeinde»

Das Argument konterte ein pensionierter Lehrer: «Es tut mir richtig weh, wie wir einen Pavillon nach dem anderen bauen, aber kein Geld haben für eine neue Schule.» Dank der Fusion könnten Infrastrukturprobleme gemeinsam gelöst werden, auch beim Verkehr, sagte ein anderer Mann. «Ich bin skeptisch, aber offen für Neues.»

Punkto Finanzausgleich sagte jemand: «Wir waren mal eine wohlhabende Gemeinde, heute sind wir Bezüger von Steuern von anderen.» Am meisten Applaus bekam dann diese pointierte Aussage: «Wir werden nicht von der grossen, bösen Stadt Aarau dominiert. Die umliegenden Gemeinden haben zusammen mehr Einwohner als Aarau. Wirtschaftlich und kulturell gehören wir zu Aarau und Aarau auch zu uns.»

Referendum nicht ausgeschlossen, aber schwierig

Das letzte Votum vor der Abstimmung lautete: «Je kleiner wir sind, umso effektiver können wir doch auf etwas reagieren.» Die Antwort von Markus Bircher: «Die Probleme, die auf uns zukommen, können wir nicht mehr alleine lösen.»

Markus Bircher, Gemeindeammann von Oberentfelden

«Die Probleme, die auf uns zukommen, können wir nicht alleine lösen.»

Markus Bircher, Gemeindeammann von Oberentfelden

Trotz deutlichem Ergebnis an der gestrigen Gmeind schloss Dieter Ammann nicht aus, mit weiteren Initianten ein Referendum zu lancieren oder öffentlich für ein Nein bei der definitiven Urnenabstimmung über die Fusion im Juni 2021 zu werben.

Welche andere Gemeinden mitfusionieren werden, ist noch unklar. Bereits Ja gesagt hat der Aarauer Einwohnerrat. In Aarau werden derzeit aber Unterschriften gesammelt für ein Volksreferendum. Densbüren entscheidet am 16. September an einer Gemeindeversammlung, Suhr und Unterentfelden an der Urne am 27. September respektive 18. Oktober.

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