Online-Petition

«Petitio» für Öffnungszeiten bis 6 Uhr beflügelt Aarauer Party-Volk

Sterben in Aarau die Clubs bald ganz aus?

Sterben in Aarau die Clubs bald ganz aus?

Die Forderung nach einer Verlängerung der Club-Öffnungszeiten bis sechs Uhr ist populär – und wird dank «Petitio» noch beliebter.

Aarau hat die Nase mal wieder vorne. Zwar sollen sich die Unterschriftensammlungen auf «petitio.ch» nicht konkurrenzieren. Und doch: Dass die Petition «Pilotprojekt: Club-Öffnungszeiten bis 6.00 Uhr für ein pulsierendes Aarau» nur 48 Stunden nach ihrer Freischaltung bereits rund die Hälfte der 200 nötigen Stimmen beisammenhatte und die bisher erfolgreichste Petition ist, macht die Hauptstädter schon ein bisschen stolz.

Wenn das so weitergeht, erreicht die Petition noch diese Woche ihr Soll. Spätestens in 28 Tagen löst dann die az-Redaktion einen Brief an Stadtpräsidentin Jolanda Urech aus, mit der Bitte, zum Anliegen Stellung zu beziehen.

Stadtrat soll noch mal entscheiden

Hinter der Online-Unterschriftensammlung steckt eine Aarauer Arbeitsgruppe. Sie hatte vom Stadtrat gefordert, den lokalen Clubs probeweise freitags und samstags den Betrieb bis 6 Uhr zu erlauben (momentan: 4 Uhr). Der Stadtrat hatte das Begehren am Montag abgewiesen. Mit der Petition wollen die Initianten nun erreichen, dass der Stadtrat auf seinen Entscheid zurückkommt.

Zur Arbeitsgruppe gehören Club-Besitzer und Einwohnerräte, darunter Olivia Müller (29). Die Freisinnige hatte 2015 mit der Aussage «Aarau verkommt zum Altersheim» in einem Interview das Aussterben der Clubs bemängelt. Sie sei «sehr erfreut über den Zuspruch, den die Petition bei der Bevölkerung innert kürzester Zeit fand», sagte Müller gestern. Nun hoffe sie, «dass diese Stimmen den Stadtrat dazu bewegen, sich immerhin inhaltlich mit dem Anliegen der Arbeitsgruppe zu befassen. Es ist an der Zeit, dass sich der Stadtrat gegenüber dem Nachtleben und einer lebendigen Altstadt endlich positiv positioniert».

Keine dauerhafte, sondern eine probeweise Verlängerung

Der Vorschlag der Arbeitsgruppe kam nicht aus heiterem Himmel, sondern war sorgfältig ausgearbeitet worden: Der Stadtrat hatte einen runden Tisch zur Altstadt Aarau organisiert. Dabei fand die Gruppe «Für ein aktives Nachtleben» laut Olivia Müller am meisten Zuspruch. «Die Gruppe erhielt damals von der Stadt einen Preis in Form einer zeitlich limitierten stadträtlichen Unterstützung zur Erarbeitung eines Projektes.»

In mehreren Sitzungen, denen von Seiten der Stadt Projektleiter Marco Salvini beiwohnte, entstand im Frühjahr das Pilotprojekt ‹Testphase für verlängerte Öffnungszeiten›. Dieses hat der Stadtrat nun abgelehnt – mit der Begründung, für eine dauernde Verlängerung von Öffnungszeiten bedürfe es eines Baubewilligungsverfahrens.

Das eingereichte Projekt beinhalte aber eben gerade keine dauerhafte, sondern eine probeweise Verlängerung, kontert Rechtsanwältin Müller. Damit sollten die Auswirkungen von verlängerten Öffnungszeiten eruiert werden. Besteht überhaupt eine Nachfrage? Entschärft sich die Lärmproblematik? Und welchen Nutzen können die Clubbetreiber daraus ziehen? «Der Umstand, dass es sich um eine Testphase handelt, wurde vom Stadtrat ignoriert», sagt Müller. «Eine kreative Lösung wäre angezeigt gewesen, ganz im Sinne des runden Tisches.

Es wäre nämlich durchaus im stadträtlichen Ermessen gelegen, für eine Testphase von drei Monaten Einzelbewilligungen auszustellen. Die Abfertigung des Stadtrates ist ein weiterer Rückschlag nach einer Reihe von Steinen, welchen Restaurant-, Club-, Café, Shop- und Barbetreibern in den Weg gelegt wird.» So verkomme der vom Stadtrat organisierte runde Tisch zum Thema Altstadt «zu einer reinen Alibiübung».

Petitio: Aarauer Nachtleben

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